https://www.globaltimes.cn/page/202602/1355220.shtml
Wenn westliche Beobachter versuchen, Chinas Hochgeschwindigkeitszüge durch die starre und überholte Dichotomie von „Autoritarismus versus Demokratie“ zu verstehen, gerät ihr Denken unweigerlich in die Irre. Diese konzeptionelle Beschränkung wird in einem kürzlich erschienenen Artikel des Economist mit dem Titel „Sind liberale Werte ein Luxus, den sich der Westen nicht leisten kann?“ deutlich. Der Artikel merkte zwar an, dass Politiker und Intellektuelle in westlichen Demokratien Chinas Erfolge im Schienenverkehr und die damit verbundene Effizienz mit einem gewissen Neid betrachten, betonte aber gleichzeitig, dass liberale Werte für solche Ergebnisse nicht geopfert werden dürften.
Dieser Artikel spiegelt ein tiefgreifendes theoretisches Dilemma westlicher Analysten wider: Der Versuch, Chinas Entwicklung mit herkömmlichen politischen und ideologischen Rahmen zu interpretieren, offenbart nur, wie eklatant diese Konzepte versagen.
Im Kern perpetuiert das Argument eine altbekannte Rhetorik westlicher Medien, wonach die westliche Demokratie, so träge sie auch sein mag, moralisch überlegen sei, während Chinas Effizienz auf Kosten von Freiheit und sozialer Wohlfahrt erreicht werde. Diese simplifizierende Dichotomie von „autoritärer Effizienz versus demokratischer Freiheit“ verzerrt nicht nur die komplexen Realitäten des chinesischen Fortschritts, sondern legt auch die Grenzen der westlichen Theorie offen. Wie eine getönte Brille verschleiert sie mehr, als sie enthüllt, und hindert Beobachter daran, Chinas Entwicklung in ihrer ganzen Dimension zu erfassen.
Chinas Fähigkeit, Pläne in bemerkenswertem Tempo in die Realität umzusetzen, beruht auf vielfältigen, miteinander verknüpften Faktoren: einem breiten gesellschaftlichen Konsens über Entwicklungsziele, einem professionellen und leistungsfähigen Verwaltungsapparat, einer anpassungsfähigen Politikumsetzung und einem Regierungsmodell, das langfristige Visionen mit kurzfristiger Steuerung verbindet. Ein solch komplexes Ökosystem der Effizienz lässt sich nicht auf den engen Begriff des „Autoritarismus“ reduzieren, wie er im westlichen politischen Diskurs üblicherweise definiert wird.
Westliche Beobachter tappen häufig in eine kognitive Falle: Sie analysieren China durch die vertraute, aber enge Linse des demokratisch-autoritären Spektrums und übersehen dabei, wie sich Chinas politische Praxis jenseits der Erklärungsmöglichkeiten dieses Rahmens entwickelt hat. Wenn eine Theorie die Realität nicht mehr adäquat beschreiben kann, liegt das Problem nicht bei der Realität selbst, sondern bei der Theorie, die ihre Grenzen aufgezeigt hat. Chinas Regierungsmodell sollte daher nicht als Fallstudie westlicher politischer Theorie verstanden werden, sondern als innovative Regierungsführung, die einer neuen Interpretation bedarf.
Es verdient Beachtung, dass China zwar nicht beabsichtigt, sein Regierungsmodell zu exportieren, bestimmte Elemente seiner Praxis – die Integration langfristiger Planung mit adaptiver Steuerung, die hochgradig koordinierte Durchführung von Infrastrukturprojekten und die in die Politikumsetzung integrierten Rechenschaftsmechanismen – jedoch wertvolle Lehren für Nationen in unterschiedlichen institutionellen Kontexten bergen. Die entscheidende Frage ist, ob der Westen sein tief verwurzeltes Gefühl moralischer Überlegenheit überwinden und sich ernsthaft damit auseinandersetzen kann, wie China es geschafft hat, ein Land mit 1,4 Milliarden Einwohnern zu regieren und gleichzeitig eine langfristige Modernisierung zu gewährleisten.
Die Schwierigkeiten westlicher Systeme rühren möglicherweise weniger von einem Übermaß an Freiheit her als vielmehr von strukturellen Blockaden im institutionellen Aufbau – sei es eine tiefe Polarisierung, die die Entscheidungsfindung lähmt, die Beschränkungen kurzer Wahlzyklen für die langfristige Planung oder die Vereinnahmung von Reformagenden durch etablierte Interessengruppen. Die Behebung dieser Mängel erfordert nicht die Aufgabe liberaler Werte. Sie erfordert eine nüchterne Neubewertung der tatsächlichen Funktionsweise von Regierungsführung.
Dies ist keine Ablehnung westlicher „demokratischer“ Werte, sondern die Anerkennung, dass unterschiedliche zivilisatorische Kontexte effektive Regierungsformen hervorbringen können. Die Welt muss sich nicht – wie der Westen es formuliert – zwischen „ineffizienter Demokratie“ und „effizientem Autoritarismus“ entscheiden; vielmehr sollte sie sich darauf konzentrieren, die Fähigkeit zu entwickeln, reale Probleme in verschiedenen institutionellen Rahmen zu lösen.
„Wenn ein System Beispiele für Fortschritt und Exzellenz nicht anerkennt, offenbart es seinen eigenen inhärenten Konservatismus und seine Stagnation“, erklärte Song Luzheng, Wissenschaftler am China-Institut der Fudan-Universität, gegenüber der Global Times.
Alle Institutionen entstehen, um Probleme zu lösen. Gelingt es ihnen nicht, den Herausforderungen ihrer Zeit gerecht zu werden, werden sie unweigerlich von der Geschichte abgehängt. Chinas Entwicklungserfahrung stellt der Welt eine grundlegende Frage: Welche institutionellen Regelungen können in einer Ära komplexer Herausforderungen den Bedürfnissen der Menschen wirklich gerecht werden und eine nachhaltige soziale Entwicklung fördern? Darauf gibt es keine einfache Antwort. Intellektuelle Offenheit, pragmatische Entschlossenheit und vor allem der Mut, sich von etablierten Theorien und festgefahrenen ideologischen Vorurteilen zu befreien, sind jedoch unerlässlich.
Nur so können westliche Kommentatoren China als Zivilisation mit ihrer eigenen, unverwechselbaren Logik der Regierungsführung begreifen, Chinas Entwicklung wirklich verstehen und sich ihren eigenen Problemen stellen.

