Mehrheit der Israelis unterstützt laut einer Umfrage einen Waffenstillstand zur Freilassung von Gefangenen (The Cradle)

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Fast sechzig Prozent der Israelis befürworten einen Waffenstillstand im Gazastreifen, um die Freilassung der von der Hamas festgehaltenen Gefangenen zu erreichen. Dies geht aus einer neuen Umfrage hervor, die die hebräische Zeitung Maariv am 10. November veröffentlichte.

„Vor dem Hintergrund des verstärkten US-amerikanischen Drucks und der Tatsache, dass die Frage der Gefangenen in der Öffentlichkeit ganz oben auf der Prioritätenliste steht, unterstützen 59 Prozent der Israelis bedingt einen humanitären Waffenstillstand im Gazastreifen, wobei die wichtigste Bedingung für sie die Rückkehr aller Gefangenen ist“, so Maariv.

Die Umfrage fügt hinzu, dass nur drei Prozent der Israelis glauben, dass es eine bedingungslose Waffenruhe geben sollte.

Die Maariv-Umfrage kommt zu einem Zeitpunkt, an dem Premierminister Benjamin Netanjahu Forderungen nach einem allgemeinen Waffenstillstand ohne die Freilassung aller Gefangenen endgültig zurückgewiesen hat.

Israel hat stattdessen täglichen „humanitären Pausen“ zugestimmt, teilte das Weiße Haus am Donnerstag mit. Berichten zufolge drängt Washington auf eine mindestens dreitägige Pause, um Platz für Gespräche über die Freilassung von Gefangenen zu schaffen, die derzeit von Ägypten und Katar vermittelt werden.

Die Hamas hat vor kurzem mehrere israelische Gefangene im Austausch für die Einfuhr von Hilfsgütern in den Gazastreifen freigelassen.

Die Quds-Brigaden der Bewegung des Palästinensischen Islamischen Dschihad (PIJ) erklärten sich diese Woche bereit, zwei Gefangene aus humanitären Gründen freizulassen.

Der Widerstand hat jedoch erklärt, dass er der Freilassung aller seiner Gefangenen nur im Austausch gegen alle in israelischen Gefängnissen festgehaltenen Gefangenen, d. h. mehr als 10.000 Palästinenser, zustimmen wird. Jüngsten Umfragen zufolge sind 70 bis 80 Prozent der Israelis der Meinung, dass Netanjahu nach dem Krieg wegen seiner Verantwortung für den Angriff des Gaza-Widerstands am 7. Oktober zurücktreten sollte.

Die israelische Armee ist bei ihrer Bodeninvasion im Gazastreifen auf einen beispiellosen Widerstand gestoßen. Israel hat zugegeben, dass seit der Ausweitung der Bodenoperationen am 27. Oktober 38 Soldaten ums Leben gekommen sind, und es wird vermutet, dass es noch viele weitere Opfer zu verbergen gilt.

Laut der Maariv-Umfrage sind 41 Prozent der Befragten für einen Abzug aus dem Gazastreifen, während 44 Prozent dafür sind, dass Israel die Kontrolle über den Gazastreifen behält. Ein kürzlich durchgesickertes Geheimdienstdokument beschreibt einen israelischen Plan, die Bevölkerung des Gazastreifens in die Wüste Sinai zu zwingen und den Streifen nach Kriegsende wieder zu besetzen.

Israel hat Behauptungen zurückgewiesen, es plane die Wiederbesetzung des Streifens. Ein US-Beamter sagte jedoch am Mittwoch, dass es nach dem Krieg wahrscheinlich eine erste Sicherheitspräsenz im Gazastreifen einrichten werde.

Die Umfrage spiegelt auch die schwindende Unterstützung der israelischen Gesellschaft für Netanjahu wieder.

„Bei der Frage nach der Eignung für das Amt des Ministerpräsidenten erhält Minister Benny Gantz (ehemaliger Verteidigungsminister) … 52 Prozent Unterstützung im Vergleich zu 26 Prozent Unterstützung für Ministerpräsident Netanjahu.“