PS: Wenngleich wir mit einigen Punkten der Analyse von Jacques Baud nicht 100%ig übereinstimmen, so ist dieser Beitrag in großen Teilen deckungsgleich mit unserer Einschätzung der Lage.
LINK HIER
Die Annexion des Donbas. Lange lehnte Russland die Unabhängigkeit ab. Dann trieb der Westen den Donbas sogar in die Russische Föderation – von Jacques Baud, Buchautor und Analyst für den Schweizerischen Nachrichtendienst und beteiligt an den NATO-Missionen in der Ukraine.
Nach dem faschistischen Putsch in Chile: »Das Wandbild der chilenischen Brigade ›Pablo Neruda‹ und seine Entstehung«
Die Vernissage unserer Ausstellung vom vergangenen Samstag kann jetzt auf YouTube angesehen werden! Wir zeigen seltene Vorarbeiten und freie Gedankenskizzen sowie einen verkleinerten Nachdruck des Wandbildes der chilenischen Brigade ›Pablo Neruda‹.
VIDEO LINK HIER

Ganz nach dem Geschmack der in Chile heute noch aktiven Anhänger des 2006 verstorbenen Diktators Augusto Pinochet (UZ, Unsere Zeit)
Niger warnt vor einem militärischem Eingreifen Frankreichs
Link zum Video hier

Niger warnt vor einem Angriff Frankreichs. Darin wird behauptet, Paris habe Männer und Ausrüstung in benachbarte westafrikanische Länder entsandt – darunter ein Kriegsschiff, das angeblich jetzt in Benin angedockt sei, was Niamey dazu veranlasst habe, die militärische Zusammenarbeit mit Porto-Novo abzubrechen.
Der Putsch in Niger ist über einen Monat alt und erfreut sich vor Ort der Unterstützung der Bevölkerung.
Der regionale Block ECOWAS drohte – mit Unterstützung Frankreichs – schon früh, militärisch einzugreifen, falls der Putsch nicht rückgängig gemacht würde, hat aber bisher nicht gehandelt, obwohl seine Bereitschaftstruppe aktiviert wurde.
Jeder Krieg – ob mit oder ohne französische Truppen vor Ort – hätte katastrophale und weitreichende Folgen für die Region. Burkina Faso und Mali haben geschworen, jeden Angriff auf Niger als Angriff auf sich selbst zu behandeln.
Kriegsbegeisterung lässt nach. Ukraine macht mit gleich zwei Fotoausstellungen in Berlin mobil (UZ, Unsere Zeit)
„Russland ruinieren” (II) german-foreign-policy.com
(Eigener Bericht) – Der Versuch Deutschlands und der EU, auf die Einfuhr russischen Öls zu verzichten, ist gescheitert. Neue Branchenstatistiken zeigen, dass die Menge der Mineralölerzeugnisse, die die Bundesrepublik aus Indien bezieht, in den ersten sieben Monaten 2023 auf mehr als das Zwölffache des Vorjahreswerts in die Höhe geschnellt ist. Indien wiederum konnte seinen Export nur steigern, weil es die Einfuhr russischen Erdöls massiv ausgeweitet hat. Es gelangen also mutmaßlich große Mengen davon nach Deutschland – allerdings mit beträchtlichen Preisaufschlägen, von denen indische Milliardäre profitieren. Zudem nimmt die EU, während die Einfuhr kostengünstigen russischen Pipelinegases massiv reduziert wurde – auch wegen der Zerstörung der Nord Stream-Pipelines –, mehr als die Hälfte des teureren russischen Flüssiggases ab. Zugleich erholt sich die russische Wirtschaft und verzeichnet neues Wachstum. Außenministerin Annalena Baerbock, die im Februar 2022 erklärt hatte, die Sanktionen würden „Russland ruinieren“, hat deren Scheitern vor kurzem bedauernd damit entschuldigt, dass nicht näher erläuterte „Logiken von Demokratien nicht in Autokratien greifen“.
hier weiterlesen
https://www.german-foreign-policy.com/news/detail/9345
Handelt es sich bei den erweiterten BRICS-Staaten wirklich um eine neue internationale Institution oder nur um die Blockfreien-Bewegung 2.0? (gilbertdoctorow.substack.com)
https://gilbertdoctorow.substack.com/p/is-the-expanded-brics-truly-a-new
In der Woche seit dem Ende des 15. Brics-Gipfeltreffens in Johannesburg gab es in den westlichen Medien viele Kommentare, die darauf abzielten, die Vorstellung zu widerlegen, dass dort etwas Wesentliches geschehen sei, das die Entstehung einer multipolaren Welt fördern würde, was die Botschaft gewesen war der fünf Mitgliedsstaaten in ihrer Abschlusserklärung.
Einige Analysten sagen, dass die Aufnahme von sechs neuen Mitgliedern, die am 1. Januar 2024 in Kraft tritt, und die Pläne für eine noch größere Erweiterung im nächsten Jahr, um mehr der 23 Nationen aufzunehmen, die Interesse an einem Beitritt bekundet hatten, kaum mehr als eine Neugestaltung des Blocks bedeuten der Blockfreien Nationen, die während des Kalten Krieges ein Diskussionsforum zwischen den Ländern des globalen Südens war und kaum mehr. Andere Kritiker weisen darauf hin, dass es gravierende Widersprüche zwischen den nationalen Interessen der Gründungsmitglieder Indien und China gebe und dass dieses Problem auch zwischen den neuen Mitgliedern, etwa zwischen Iran und Saudi-Arabien, entstehen werde, so dass die Chancen für einen Konsens der BRICS-Staaten schwinden in politischen Angelegenheiten und insbesondere in der Geopolitik wird es gering ausfallen; Entsprechend gering werde sein Gewicht auf der Weltbühne sein, heißt es.
Was die erste Angriffslinie auf die BRICS-Staaten betrifft, so übersieht sie die Veränderungen in der Gewichtung der Volkswirtschaften und der politischen Stellung der Länder des Globalen Südens seit den 1970er und 1980er Jahren, als die blockfreie Bewegung ihre Blütezeit erlebte. Die BRICS-Länder erwirtschaften derzeit nach Kaufkraftparität 37 % des globalen BIP, gegenüber 30 % bei den G7. Wenn alle Länder, die sich jetzt für den Beitritt bewerben, aufgenommen werden, wird dies mehr als 50 % des globalen BIP und einen noch größeren Anteil der Weltbevölkerung ausmachen. Die Stärke aller politischen Maßnahmen, die sie der internationalen Gemeinschaft empfiehlt, geht weit über bloße moralische Zwänge hinaus und muss berücksichtigt werden.
Was die zweite Angriffslinie auf die BRICS-Staaten angeht, so haben die Kommentatoren die Logik ihrer Ausweitung nicht verstanden, die genau darin besteht, Länder, die in wichtigen Regionen in Konflikt geraten sind, zusammenzubringen und sie mit der Hilfe globaler Partner zu versöhnen. Die von China in diesem Frühjahr vermittelte Aussöhnung zwischen Iran und Saudi-Arabien kann mit der Unterstützung anderer BRICS-Mitglieder in vertraulichen regelmäßigen Treffen auf Arbeitsebene sowie auf den regelmäßigen Gipfeltreffen hinter verschlossenen Türen gefestigt werden. Hierbei handelt es sich um die Friedensmission der BRICS-Staaten, die ad hoc als Ergänzung zu den Vereinten Nationen agieren wird.
Die Lektion hier ist eine, die die Vereinigten Staaten noch nicht ansatzweise gelernt haben: dass die Einbeziehung zerstrittener Nationen ein weitaus besserer Weg ist, zu politischer Mäßigung und Koexistenz zu gelangen, als der Ausschluss und die Schaffung von „Paria-Staaten“ durch Sanktionen.
Mehrere politische Beobachter im Westen haben auf die vor einigen Tagen von den chinesischen Behörden bekannt gegebene Entscheidung hingewiesen, dass Präsident Xi nicht am nächsten G20-Treffen in Indien teilnehmen wird. Ebenso wie Wladimir Putin scheint Xi in seiner geschäftigen Agenda keinen Platz für eine Institution gefunden zu haben, die seit 2009 als wirksameres und weithin akzeptiertes Gremium für die globale wirtschaftliche und politische Steuerung angepriesen wurde als die G7.
Westliche Beobachter haben diese Herabstufung der G20 noch nicht in den Kontext der neu gegründeten BRICS-Staaten gebracht. Lasst uns das jetzt tun.
Machen wir zunächst einen Schritt zurück zu der Entscheidung der G7-Mitglieder vom März 2014, nicht am geplanten G8-Treffen in Sotschi teilzunehmen und die Mitgliedschaft Russlands in ihrer Gruppe auszusetzen. Damit sollte Russland für seinen Schritt bestraft werden, die Krim nach dem von den USA inszenierten Staatsstreich im Februar 2014 in Kiew zu übernehmen und zu annektieren.
Bestrafung? Ich glaube, dass es für Wladimir Putin eine reine Erleichterung war, sich nicht den sieben anderen Mitgliedern dieses Kollektiv-West-Clubs anschließen zu müssen. Russland befand sich während der G8-Beratungen in den Jahren, seit Boris Jelzin als G8-Mitgliedschaft als Beschimpfung für seine Nichtaufnahme in die NATO vorgeworfen wurde, auf Schritt und Tritt in der demütigenden Minderheit. Die Suspendierung ersparte Putin die Notwendigkeit, als Erster die zutiefst unangenehmen und unproduktiven Sitzungen zu beenden.
Das letzte Treffen der G20 in Indonesien im November 2022 zeigte, dass dieser Club stark unter den geopolitischen Bruchlinien zwischen Russland-China auf der einen Seite und den Mitgliedern des Kollektivs Westen auf der anderen Seite litt. Die Schärfe und Politisierung jedes Themas auf der Tagesordnung beeinträchtigte den Nutzen solcher Zusammenkünfte. Ist es dann verwunderlich, dass sowohl Russland als auch China sich demonstrativ dafür entschieden haben, ihre Spitzenvertreter nicht zum Gipfel zu entsenden, und dass diese Entscheidung im Anschluss an das sehr erfolgreiche BRICS-Treffen in Südafrika getroffen wurde?
BRICS ist genau die im Entstehen begriffene Institution, in der sich der globale Süden allein treffen kann, ohne Zeit und Mühe damit zu verschwenden, sich gegen den Druck zu verteidigen, den die Vereinigten Staaten und ihre Verbündeten auf jedes internationale Treffen, an dem sie teilnehmen, ausüben.
Als eine der beiden Supermächte in der bipolaren Welt des Kalten Krieges war Russland natürlich kein Mitglied des Blocks der Blockfreien Staaten, obwohl es dort Freunde suchte. Die UdSSR leistete den Unabhängigkeitsbewegungen in den europäischen Kolonien, insbesondere in Afrika, erhebliche finanzielle und militärische Unterstützung. Und die neu befreiten Staaten schickten ihre talentierten Jugendlichen zum Studium nach Moskau. Ihre Politiker hatten oft eine starke ideologische Affinität zum sowjetischen Marxismus.
Die führende Rolle Moskaus bei der Gründung und Erweiterung der BRICS-Staaten lässt sich durch viel mehr erklären als durch den Verlust des Supermachtstatus und die zwingende Notwendigkeit, Freunde im globalen Süden zu gewinnen.
Ich habe in einem vor einigen Tagen veröffentlichten Artikel erwähnt, dass ich gelegentlich neue Perspektiven auf Russland und die Weltpolitik von dem einen oder anderen Diskussionsteilnehmer in Russlands Talkshows im Staatsfernsehen aufschnappe. Das ist die Quelle für das, was ich sagen werde, wenn ich auf den vorangehenden Punkt eingehen werde, nämlich dass sich Russlands Ansatz gegenüber dem globalen Süden heute dramatisch von dem Ansatz der UdSSR gegenüber dem blockfreien Block und den Entwicklungsländern im weiteren Sinne unterscheidet.
Der tiefgreifende Unterschied lässt sich an den Reden Wladimir Putins vor den besuchenden afrikanischen Delegationen erkennen, die in Moskau Gespräche auf höchster Ebene führten, bevor die meisten zum BRICS-Treffen nach Südafrika reisten. Sie sehen es wieder in der Rede, die Putin vor dem BRICS-Wirtschaftsforum hielt. Und Sie sehen es in der Sprache der Erklärung, die den BRICS-Gipfel abschloss.
Um diesen Unterschied zu verstehen, muss man genau hinschauen und sein Denkvermögen aufsetzen. Es sind nicht nur westliche Medienkommentatoren, die den Punkt nicht verstehen. Ich glaube, dass der Vorsitzende der Kommunistischen Partei der Russischen Föderation, Gennadi Sjuganow, es auch nicht versteht. Umgeben von all den Gästen aus der Dritten Welt, die nach Moskau kommen, scheint er zu glauben, dass die guten alten Zeiten der Sowjetunion zurückgekehrt sind.
Das haben sie nicht. Es ist etwas ganz Neues im Gange.
Die Ideologie der UdSSR kam aus dem Westen. Der Marxismus, mit oder ohne die Ergänzungen oder Verzerrungen des Leninismus, war tief im westlichen Denken über die Menschheit und die menschliche Gesellschaft verankert. Der gemeinsame Nenner dabei ist, dass alle Menschen gleich sind, dass die gesellschaftliche Entwicklung im Laufe der Zeit überall auf der Erde den gleichen Verlauf nimmt.
Dieses Konzept passt gut zum Globalismus und zum wirtschaftlichen Neoliberalismus. Es passt auch gut zur neokonservativen geopolitischen Ideologie, was niemanden überraschen sollte, da die ursprünglichen neokonservativen Denker in New York ehemalige kommunistische Sympathisanten waren, wie uns Francis Fukuyama in seiner Geschichte der Bewegung erzählt.
Unter dem Druck der Sanktionsregime, die erstmals 2014 im Namen der „internationalen Gemeinschaft“ verhängt und seit Beginn der Sondermilitäroperation im Jahr 2022 drastisch verschärft wurden, lehnt der Kreml nun den Globalismus dieser von den USA dominierten internationalen Gemeinschaft rundweg ab. Die bevorstehende Entscheidung zum Austritt aus der WTO ist eine Bestätigung dafür.
Russland lehnt heute die Vorstellung eines einheitlichen Entwicklungspfads für die gesamte Menschheit rundweg ab. Stattdessen sagt Russland, dass sich jedes Land im Einklang mit seinen nationalen Traditionen und Werten entwickeln sollte. Jeder muss seinen eigenen Weg zur Verwirklichung seines wirtschaftlichen und menschlichen Potenzials finden. Dies ist eine neue und umfassendere Version des Konzepts, dass jeder Staat seine eigene Religion hat, in die sich die Nachbarn nicht einmischen dürfen, wie im Westfälischen Frieden von 1648 verankert. Wie wir wissen, vertreten Russland und China seit langem auf der Weltbühne den Grundsatz der Nichteinmischung in die Angelegenheiten souveräner Staaten. NB: Westfalen hat eine Welt souveräner Staaten angenommen, während Europa dies beiseite geschoben hat, als aus der Europäischen Gemeinschaft die Europäische Union wurde.
Russland geht davon aus, dass diese neue Herangehensweise an den globalen Süden als Verteidiger der Souveränität und des unverwechselbaren Charakters jeder Nation es und die BRICS-Staaten zu einem viel attraktiveren Partner für den globalen Süden macht, als es die UdSSR seinerzeit war oder als der kollektive Westen mit seinen Arroganz und neokoloniale Vorurteile können heute sein.
©Gilbert Doctorow, 2023©Gilbert Doctorow, 2023
Die Vertreterin des russischen Außenministeriums, Maria Sacharowa über westliche Politik: So eine bipolare Störung habe ich noch nie gesehen
Link zum Video hier

„50 Jahre Militärputsch in Chile: Gedenken und Lehren“ – Artikel von Außenminister der Russischen Föderation Sergei Lawrow in der Zeitung Rossijskaja Gaseta
Von Sergei Lawrow in der russischen Zeitung Rossijskaja Gaseta
Vor 50 Jahren, am 11. September 1973, ereignete sich in Chile etwas, was die Weltgemeinschaft zutiefst erschütterte. Infolge eines blutigen Staatsstreichs wurde die Regierung der Unidad Popular gestürzt und die Militärdiktatur einer Junta unter der Führung von General Pinochet errichtet. In aller Welt waren Fotos von Kampfflugzeugen, die den Präsidentenpalast La Moneda im Zentrum Santiagos überflogen, und von dem rechtmäßig gewählten Präsidenten Salvador Allende, der in den letzten Minuten seines Lebens einen Helm trug und mit einer Waffe in der Hand die demokratischen Grundlagen des Staates verteidigte, zu sehen.
Die Putschisten wurden von dem großen chilenischen Dichter und Nobelpreisträger Pablo Neruda wütend gebrandmarkt: „Bestrafer der chilenischen Geschichte, Hyänen, die die Siegesfahne zerreißen“. Neruda starb kurz nach dem Putsch und gilt zu Recht als eines der legendären Opfer.
Der Putsch im fernen Chile erschütterte auch unser Land, in dem Salvador Allende gut bekannt war und Moskau mehrmals besucht hatte, auch als Präsident. Die Sowjetunion beteiligte sich aktiv an der internationalen Solidaritätsbewegung mit dem chilenischen Volk und gewährte vielen politischen Emigranten Asyl. Wir forderten und erzielten die Freilassung des heldenhaften Sohnes dieses Landes, Luis Corvalan, aus der KZ-Haft und lehnten es ab, ein wichtiges Fußballspiel im Nationalstadion von Santiago auszutragen, das in ein Gefängnis verwandelt und mit dem Blut chilenischer Patrioten getränkt worden war. In unserem Land sangen die Menschen die Lieder des brutal hingerichteten nationalen Tribuns Victor Jara: „Wir werden siegen“ und „Solange das Volk geeint ist, ist es unbesiegbar“.
Ich fürchte mich nicht davor, dies zu sagen: Die Tragödie Chiles ist zu unserer Tragödie geworden, die Geschichte Chiles ist zu einer Seite unserer Geschichte geworden.
Die Ereignisse vor einem halben Jahrhundert unterbrachen die demokratische Tradition Chiles für 17 Jahre, wurden zu einem politischen Wendepunkt in der modernen Geschichte des Landes und lieferten der Welt wichtige Lehren für kommende Generationen.
Es ist weithin bekannt, dass die Regierung der Unidad Popular unter der Führung des Sozialisten Salvador Allende 1970 als Ergebnis der freien Willensbekundung der chilenischen Wähler im Rahmen des in der Verfassung der Republik vorgesehenen Wahlverfahrens an die Macht kam. Gleichzeitig hatte das Projekt der Unidad Popular eine deutliche internationale Bedeutung und war darauf ausgerichtet, die Abhängigkeit vom Ausland zu überwinden und die nationalen und lateinamerikanischen Grundlagen zu stärken. Die Linkskoalition strebte die politische und wirtschaftliche Autonomie Chiles an und lehnte Methoden der Einflussnahme auf Länder wie Diskriminierung, Druck, Intervention oder Blockade ab. Die Koalition wollte Abkommen, die dem Land Verpflichtungen auferlegten und seine Souveränität einschränkten, überprüfen und gegebenenfalls aufkündigen. Die Koalition beabsichtigte, Beziehungen zu allen Ländern unabhängig von ihrer politischen und ideologischen Ausrichtung zu unterhalten. Sie betrachtete die Organisation Amerikanischer Staaten (OAS) als ein Instrument des nordamerikanischen Imperialismus und forderte die Schaffung einer wirklich repräsentativen Organisation der lateinamerikanischen Länder.
Diese strategischen Pläne der chilenischen Führung stellten, wenn man der bekannten neokolonialen Logik des Weißen Hauses folgt, für die Vereinigten Staaten fast eine existenzielle Bedrohung dar. Washington verachtete und verachtet nach wie vor die Idee, dass andere Staaten das Recht haben, ihr eigenes politisches und sozioökonomisches Entwicklungsmodell zu wählen, dass sie sich von nationalen Interessen leiten lassen können, die staatliche Souveränität stärken und die kulturelle und zivilisatorische Identität respektieren.
Ich möchte nicht auf die politische und wirtschaftliche Entwicklung Chiles in jener Zeit eingehen. Dies ist eine rein innenpolitische Frage Chiles, und nur das chilenische Volk selbst kann dies beurteilen. Aber es ist offenkundig, dass viele der Probleme, mit denen die Regierung Allende konfrontiert war, nicht nur maßgeblich eskaliert wurden, sondern auch direkt von westlichen Politikern und Unternehmen verursacht wurden.
Die freigegebenen Dokumente aus US-amerikanischen Archiven bestätigten nur, was unmittelbar nach dem Staatsstreich kein Geheimnis war. Schon vor dem Amtsantritt Allendes wurden in Washington die Weichen für seine Absetzung gestellt, wobei das gesamte Arsenal politischer Erpressung und politischen Drucks eingesetzt wurde. Es wurde alles unternommen, um die innenpolitische Lage zu destabilisieren.
Dabei kamen die unterschiedlichen Methoden zum Einsatz: ein vielschichtiger Wirtschaftskrieg (einschließlich äußerer Isolierung und der Androhung von Restriktionen gegen Chiles ausländische Partner), die Finanzierung der Opposition, der kritisch eingestellten „zivilgesellschaftlicher Organisationen“ und der berüchtigten „fünften Kolonne“, der informationelle und psychologische Druck sowie die Desinformation der Bevölkerung durch kontrollierte Medien, die Anregung einer Abwanderung von Fachkräften und einer Verwirrung in der Berufsbewegung, die Gründung und Förderung rechtsextremer Organisationen und radikaler Kampfgruppen sowie politische Erpressung, Provokationen und Gewalt gegen Anhänger der neuen Regierung. Anders gesagt, die USA setzten alles, was später den allgemeinen Begriff „Farbrevolutionen“ erhielt, aktiv ein.
Allende selbst versuchte im Dezember 1972 von der Tribüne der UN-Generalversammlung aus, der Weltgemeinschaft die Lage emotional zu vermitteln: „Sie wollten uns von der Welt isolieren, uns wirtschaftlich strangulieren. Sie wollten unseren Handel mit Kupfer, unserem wichtigsten Exportprodukt, lahmlegen und uns die Möglichkeit nehmen, Auslandskredite aufzunehmen. Es ist uns klar, dass wenn wir die Finanz- und Wirtschaftsblockade, der unser Land ausgesetzt ist, offenlegen, es nicht nur für die Weltöffentlichkeit, sondern sogar für einige unserer Landsleute schwierig ist, das zu verstehen, denn es handelt sich nicht um einen offenen Angriff, wovon die ganze Welt weiß. Im Gegenteil, dieser Angriff erfolgt heimlich und indirekt, was ihn jedoch nicht weniger gefährlich für Chile macht.“
Heute sind umfangreiche Unterlagen öffentlich zugänglich, die die unrühmliche Rolle des US-Außenministeriums, der Central Intelligence Agency (CIA) und anderer US-Behörden bei diesen Ereignissen aufzeigen. Zum Beispiel kann man sich mit den 1998 freigegebenen Dokumenten über das „Projekt Fubelt“ vertraut machen – CIA-Operationen, die darauf abzielten, S. Allende zu stürzen. Seymour Hersh, ein bekannter unparteiischer US-amerikanischer Journalist und Pulitzer-Preisträger, war einer der ersten, der die subversiven Aktivitäten des Weißen Hauses in Bezug auf Chile im September 1974 aufdeckte. Und 1982 veröffentlichte er eine Recherche zu diesem Thema: „Der Preis der Macht. Kissinger, Nixon und Chile“. Ein sehr informatives Material.
Der Zynismus der US-amerikanischen Politiker ist unglaublich. Laut CIA-Unterlagen ordnete Präsident Nixon daraufhin Maßnahmen an, um die chilenische Wirtschaft „zum Schreien“ zu bringen. Der US-Botschafter in Santiago, Edward Corry, erläuterte diese Haltung: „Wir werden alles in unserer Macht Stehende tun, um Chile in bittere Armut und Not zu stürzen. Und das wird eine langfristige Politik sein.“ Die USA organisierten einen Boykott des chilenischen Kupfers, eines strategischen Rohstoffs, durch dessen Verkauf das Land seine wichtigsten Deviseneinnahmen bezog. Sie sperrten chilenische Konten bei ihren Banken. Einheimische Geschäftsleute begannen, Kapital ins Ausland zu transferieren, Arbeitsplätze zu streichen und Lebensmittel künstlich zu verknappen.
Ein dem Senat vorgelegter Bericht mit dem Titel „U.S. Covert Operations in Chile, 1963–1973“ zeigt, dass bereits 1971 die chilenischen Transaktionen der Export-Import Bank of the United States vollständig eingestellt wurden und die Weltbank von 1971 bis 1973 keine Kredite mehr vergab.
US-Unternehmen waren in der Tat direkt an illegalen subversiven Operationen der CIA beteiligt. Dazu gehörte auch der berüchtigte Telekommunikationskonzern ITT, der noch mit dem Nazi-Reich kollaboriert hatte und den die Regierung von S. Allende zu verstaatlichen versuchte.
Dieser wahrhaft machiavellistische Modus Operandi ermöglichte es den Drahtziehern des Staatsstreichs in dem südamerikanischen Land, ihr Ziel zu erreichen. Und aufgrund des Erfolgs ihrer „Probe“ ist diese Reihe destruktiver Aktionen zu einer Art Muster geworden, das Washington und seine Satelliten auch heute noch gegen souveräne Regierungen auf der ganzen Welt einsetzen.
Der Westen verstößt ständig gegen einen so fundamentalen Grundsatz der UN-Charta, wie die Nichteinmischung in die inneren Angelegenheiten anderer Länder. Dazu gehören die inszenierte dritte Runde der Präsidentschaftswahl in der Ukraine Ende 2004, die „Farbrevolutionen“ in Jugoslawien, Georgien und Kirgisistan. Schließlich die offene Unterstützung des blutigen Staatsstreichs in Kiew im Februar 2014 sowie die beharrlichen Versuche, das Szenario einer gewaltsamen Machtergreifung in Weißrussland im Jahr 2020 zu wiederholen. Nicht unerwähnt bleiben darf die berüchtigte „Monroe-Doktrin“, die die USA wohl auf die gesamte Welt ausdehnen wollen, um den gesamten Planeten in ihren „Hinterhof“ zu verwandeln.
Eine andere Sache ist, dass eine solche neokoloniale, offen gesagt zynische Linie des kollektiven Westens zunehmend von der Weltmehrheit abgelehnt wird, die offenbar der Erpressung und des Drucks, einschließlich Gewalt, schmutziger Informationskriege und geopolitischer Nullsummenspiele müde ist. Die Staaten des Globalen Südens und Ostens wollen ihr Schicksal selbst in die Hand nehmen, eine national ausgerichtete Innen- und Außenpolitik betreiben und nicht für die ehemaligen Metropolen die „Kastanien aus dem Feuer“ holen.
Die diplomatischen Beziehungen zwischen Russland und Chile wurden unmittelbar nach dem Sturz des Pinochet-Regimes im März 1990 wieder aufgenommen. Ich bin sicher, dass dies auch in Zukunft so weitergehen wird, ungeachtet der opportunistischen Tendenzen, denen einzelne chilenische Politiker unterliegen mögen. Es gibt viele Dinge, die uns verbinden – gemeinsame Seiten der Geschichte, der große Pazifische Ozean, Handel und wirtschaftliche Zusammenarbeit, kultureller und humanitärer Bildungsaustausch. Die chilenischen Präsidenten Patricio Aylwin, Ricardo Lagos und Michelle Bachelet, die zwar unterschiedlichen politischen Richtungen angehörten, aber sich stets sehr um die Entwicklung freundschaftlicher Beziehungen zwischen den beiden Ländern bemühten, haben Russland in verschiedenen Jahren besucht. Ich zweifle nicht daran, dass die von Salvador Allende begründeten und von seinen echten Nachfolgern fortgeführten Traditionen zum Wohle der Völker unserer Länder gestärkt werden.
BRICS gegen Sanktionen und Blöcke (UZ, Unsere Zeit)
„Risiken im eigenen Hinterhof“ (german-foreign-policy.com)
Der Präsident der Ukraine, Wolodymyr Selenskyj, stellt implizit Unruhen ukrainischer Flüchtlinge in der EU in Aussicht, sollte Brüssel Kiew nicht weiterhin unterstützen. Es sei keine „gute Sache“ für Europa, wenn es „diese Leute in eine Ecke treibe“, warnt Selenskyj in einem am Sonntag veröffentlichten Interview. Hintergrund ist die interne Debatte, wie mit dem Ausbleiben des erhofften militärischen Durchbruchs der ukrainischen Streitkräfte zum Asow’schen Meer umgegangen werden soll. Auch ein von NATO-Generälen durchgesetzter Strategiewechsel hat Kiew keinen Erfolg verschafft. Stattdessen ist die Zahl der ukrainischen Kriegsopfer gewaltig; ukrainische Soldaten, die an der Front kämpfen, rechnen nach einem Bericht der Londoner Times mit dem Tod von 90 Prozent ihrer Mitkämpfer. Jede öffentliche Debatte über einen „Plan B“ wird unterdrückt; interne Diskussionen allerdings dauern an. Kiew geht nun – fürchtend, von den Verbündeten fallengelassen zu werden – zu Drohungen über: Es will Polen und die EU wegen eines Einfuhrverbots für ukrainisches Getreide vor ein Schiedsgericht der WTO stellen; Selenskyj zieht zudem dunkel eine autoritäre Transformation der Ukraine in Betracht.
Weiterlesen hier:
https://www.german-foreign-policy.com/news/detail/9343
Berlin: Gedenkveranstaltung nahe US-Botschaft für Opfer des Putsches in Chile 1973. 50 Jahre 11. September. Salvador Allendes Erbe lebt weiter. – Von Benjamin Kirchhoff und Marc Bebenroth (junge Welt)
»Das Ziel war und bleibt der Sozialismus«: Vor dem Brandenburger Tor hat Mario Berríos Miranda am Montag abend in Berlin die politische Bedeutung des Gedenkens an den faschistischen Putsch vom 11. September 1973 in Chile betont. Er sprach als Veranstalter der antiimperialistischen Kundgebung des Bündnisses »Die Geschichte ist unser«
weiterlesen hier:
https://www.jungewelt.de/artikel/458896.50-jahre-11-september-salvador-allendes-erbe-lebt-weiter.html
Zum Jahrestag des Beginns der Leningrader Blockade (Russische Botschaft in Berlin)
In diesen Tagen gedenken wir schmerzvoll des Beginns der Belagerung Leningrads durch die Kriegshorden des Nazi-Deutschlands und dessen Handlanger. Die Blockade wurde zu einem tragischen historischen Ereignis, dessen Ausmaß an Brutalität und Unmenschlichkeit in der Menschheitsgeschichte einmalig ist. Nach Beginn der Einmarsches in der Sowjetunion, den das von der Rassenideologie getriebene nationalsozialistische Regime von vornherein zum Vernichtungskrieg erklärte, machten Hitlers Feldherren deutlich, dass Leningrad vom Antlitz der Erde getilgt werden soll. Am 22. September 1941 unterzeichnete Hitler eine Direktive mit dem Titel „Über die Zukunft der Stadt Petersburg“. Dieser zufolge sollte Leningrad eng eingeschlossen werden und durch Beschuss mit Artillerie und laufendem Bombeneinsatz dem Erdboden gleichgemacht werden. Eventuelle Bitten um Übergabe und Evakuierung der Zivilisten sollten abgeschlagen werden. Laut Planung der Hitleristen sollten alle Einwohner Leningrads sterben.
Die Stadt hielt jedoch stand. Die Leningrader haben sich nicht ergeben. Für die heroische Verteidigung musste aber ein unheimlicher Preis gezahlt werden. In 900 Tagen und Nächten der Blockade forderten Hunger, Kälte und Bombenangriffe über eine Million Menschenleben. Das ist mehr als Kriegsverluste der Alliierten der UdSSR im Zweiten Weltkrieg insgesamt.
In politischen Erklärungen räumt die deutsche Staatsführung zwar ein, dass die absichtliche Vernichtung der Zivilisten in Leningrad von einem nie gesehenen Ausmaß war und Deutschland historische Verantwortung für das Leid der Leningrader trägt. Die von der russischen Seite wiederholt in den Raum gestellte Frage nach einmaligen individuellen Leistungen an überlebende Blockade-Opfer, die von Jahr zu Jahr immer weniger werden, weist Berlin aus formell juristischen Gründen jedoch konsequent zurück. Es wird dabei darauf verwiesen, dass die Frage der Entschädigungsleistungen und Nachkriegsreparationen in den bilateralen Beziehungen abgeschlossen sei. Es ist jedoch offensichtlich, dass dieser Umstand die Bundesregierung in keiner Weise daran hinderte und hindert, gegenüber den Blockade-Überlebenden eine humanitäre Geste des guten Willens umzusetzen.
Über viele Jahre werden von der Bundesregierung über die Jewish Claims Conference personenbezogene Leistungen an jüdische Blockade-Überlebende ausgezahlt. Russland hat immer wieder darauf hingewiesen, dass dieser Ansatz eingeschränkt und unfair ist. In diesem Zusammenhang wurde unsererseits vorgeschlagen, die Auszahlungen auf die Blockadeopfer aller Nationalitäten auszuweiten. Denn vor dem Tod, dem Hunger und der Kälte waren alle Nationalitäten gleich. Alle haben gleichermaßen versucht, zu überleben, unterstützten sich gegenseitig, gaben einander Wärme und teilen miteinander die letzte Brotration und Tasse heißes Wasser.
Die langjährigen Bemühungen Russlands in dieser Hinsicht bleiben jedoch fruchtlos. Trotz zahlreicher Appelle, Ersuchen und Konsultationen erklärte sich Berlin bereit, seine humanitäre Geste lediglich in Form eines bescheidenen finanziellen Beitrags für ein St. Petersburger Krankenhaus für Kriegsveteranen und zur Einrichtung eines deutsch-russischen „Begegnungszentrums“ zu gestalten (Beide Projekte kommen nur mühsam voran und sind weit davon entfernt, realisiert zu sein). Selbstverständlich lässt sich das in keiner Weise als Beitrag einstufen, der dem Ausmaß der Leningrader Tragödie angemessen ist.
In diesem Zusammenhang unterstützen wir voll und ganz den offenen Brief der Teilnehmer der Verteidigung Leningrads und der Blockade-Überlebenden an die Bundesregierung, die darin aufgefordert wird, die historische Gerechtigkeit wiederherzustellen und humanitäre Leistungen an alle heute noch lebenden Blockade-Opfer unabhängig von ihrer Nationalität auszuzahlen.
Es geht hier allerdings nicht ums Geld. Russland ist in der Lage, für ein menschenwürdiges Leben seiner Veteranen und Blockade-Opfer zu sorgen. Es geht um Gerechtigkeit und Gewissen sowie um die Aufrichtigkeit der deutschen Politiker, die von der Verantwortung für die grausamen Verbrechen des Nazi-Regimes auf dem Gebiet der UdSSR, einschließlich der Leningrader Blockade, sprechen.
Videos und Fotos der Kundgebung am 11. September in Berlin: Salvador Allende und der faschistische Putsch am 11. September 1973 – El Golpe Estado en Chile

September 11 1973: Faschistischer Putsch gegen Salvador Allende – Mario Berrios Miranda
https://youtu.be/PgG13uX_0rc
Stefan Natke, Landesvorsitzender DKP Berlin: Chile 11.9.1973 CIA-Putsch +Naziverbindungen, Chile Veranst.
https://youtu.be/9D8tpBYJAIk
Dr. Nancy Larenas, PC Chile: Golpe de la CIA contra Salvador Allende el 11 de septiembre de 1973
https://youtu.be/aTgfqzZDeaE
3 berühmte Lieder Víctor Jaras: Am 16.9.1973 von Soldaten gefoltert u. dann ermordet. Chile Kundgebung
https://youtu.be/clf9VBecUkk
Chile 11. September 1973, Faschistischer Putsch gegen Salvador Allende, Zeitzeuge berichtet, CAST/DE
https://youtu.be/5SbJBS0G0ZQ
Compositor chileno: Golpe fascista del 11 de septiembre contra Salvador Allende / Berlín 11.9.2023
https://youtu.be/tcAYnU7sXi4
Dos compositores chilenos: Golpe fascista del 11 de septiembre contra Salvador Allende, Berlin 11.9.
https://youtu.be/rbn98YT618E
Golpe del 11 de septiembre contra Salvador Allende, Representante de Partido Socialista de Chile
https://youtu.be/WH_jTogieTk
Representantes chilenos de Mo Latina – Golpe fascista del 11 de septiembre contra Salvador Allende
https://youtu.be/RMudke5l0WA
Hat der Westen alle seine Auswege aus dem Projekt Ukraine verriegelt? – Von Yves Smith (nakedcapitalism.com)
Viele Analysten und Kommentatoren haben darüber spekuliert, wie die USA und die NATO im Ukraine-Konflikt einen Weg zu einem „Endgame“ finden werden. Einige setzen aus humanitären oder pragmatischen Gründen auf eine Verhandlungslösung zwischen den USA und Russland. Auch wenn die Ukraine der Form nach an einer solchen Vereinbarung beteiligt wäre, kann man angesichts der Tatsache, dass die Ukraine nun vollständig von westlichen Waffen und Finanzmitteln abhängig ist, nicht so tun, als ob sie wirklich in der Zugführerkabine säße.
Wir haben bereits beschrieben, wie die verschiedenen Fraktionen auf Seiten der USA und der NATO viel Zeit damit verbringen, sich untereinander zu streiten, um Ideen für den Ausstieg aus dem Konflikt zu entwickeln, die sie im luftleeren Raum entwickelt haben, ohne sich mit Russland auszutauschen und ohne die wiederholten Erklärungen russischer Offizieller wirklich zu berücksichtigen, einschließlich der Vertragsentwürfe, die im Dezember 2021 und bei den abgebrochenen Friedensgesprächen in Marcy 2022 vorgelegt wurden.
Das neue Friedensgerede scheint darauf hinauszulaufen:
Waffenstillstand > *Magie* > Russland verschwindet mit dem Schwanz zwischen den Beinen, so dass wir und die Ukraine den Sieg erklären können.
Zunächst dachten wir, diese Dynamik sei das Ergebnis von Spaltungen zwischen verschiedenen wichtigen Parteien. Schließlich sind Mehrparteienverhandlungen chaotisch.
Doch bei näherem Nachdenken könnte es sein, dass der Westen sich selbst Bedingungen gesetzt hat, die ein Ende des Krieges unmöglich machen…. – es sei denn, es kommt zu einem Wechsel an der Spitze der wichtigsten Regierungen, der zu einer Lockerung der Bedingungen führt, und/oder zu einem so deutlichen Zusammenbruch des ukrainischen Militärs, dass der Westen seine selbst auferlegten Beschränkungen überdenken muss.
Der Westen möchte einen Schrödingerkrieg führen: Er will so tun, als sei seine Beteiligung an dem Konflikt unbestimmt, obwohl die USA und die NATO eindeutig Mitkriegsparteien sind. Denken Sie daran, dass die NATO-Mitglieder bisher den Versuchen der Ukraine, verschiedene Bombardierungen als Angriffe auf NATO-Mitglieder darzustellen, ausgewichen sind
Zur Erinnerung: Wir und andere haben darauf hingewiesen, dass es keinen Grund gibt, anzunehmen, dass die Konfliktparteien eine Einigung erzielen werden, denn viele Konflikte enden ohne eine Einigung. Und wie wir von Anfang an gesagt haben, gibt es keinen guten Grund für die Annahme, dass es hier zu einer Einigung kommen wird.
Für Russland hat es oberste Priorität, die Ukraine dazu zu bringen, sich zur Neutralität zu verpflichten oder sie anderweitig aus den Händen der NATO herauszuhalten, während die USA den Standpunkt vertreten, dass niemand außerhalb der NATO ein Mitspracherecht bei der Frage hat, wer Mitglied der NATO werden kann. Und für die Ukraine, oder zumindest für die Banderisten, muss der Krieg so lange wie möglich aufrechterhalten werden. Sobald die Gelder und das Material der USA und der NATO weitgehend verschwunden sind, werden die derzeitigen ukrainischen Führer der russischen Regierung ausgeliefert sein, wobei ihre persönliche Macht und ihre Aussichten auf weitere Bereicherung sehr stark eingeschränkt sein werden. Einige wenige werden vielleicht überleben und sogar Erfolg haben, aber als Gruppe werden sie einen sehr tiefen Fall erleiden.
Und wie bereits erwähnt, versuchen die USA und die NATO immer noch zu eskalieren….oder sie eskalieren bestenfalls, weil frühere Maßnahmen wie die große Gegenoffensive in der Ukraine gescheitert sind. Und schlimmer noch, westliche Experten geben zu, dass Russland seine Taktik und seine Waffen im Laufe des Krieges verbessert hat, wie Simplicius der Denker in seinem jüngsten Beitrag berichtet. Daher werden die USA, die zuvor F-16 für die Ukraine abgelehnt hatten, nun doch welche schicken. ABC hat berichtet, dass die USA nun wahrscheinlich ATACMS-Raketen schicken werden, die eine größere Reichweite haben als HIMARS. Viele Kommentatoren meinen, dass die Ukraine damit die Krim und die Kertsch-Brücke angreifen wird.1
Warum glauben wir, dass sich der Westen in eine Zwickmühle manövriert hat?
Für Russland ist der Krieg existenziell. Zu viele westliche Offizielle haben den Sieg so dargestellt, dass Russland so stark angeschlagen ist, dass Putin gestürzt wird und Russland sogar zerbricht. Die russische Meinung hat sich durch diese Äußerungen verhärtet, ebenso wie durch die Bemühungen des Westens, nicht nur den Krieg in der Ukraine zu unterstützen, sondern auch russische Sportler, Künstler und sogar die russische Kultur aus dem Verkehr zu ziehen und die Raketenangriffe der Ukraine auf die zivile Stadt Donezk fortzusetzen.
Zumindest im Moment tut das US/NATO-Kombinat so, als sei der Krieg existenziell, obwohl es, wie Ray McGovern dargelegt hat, nicht den geringsten Beweis dafür gibt, dass Russland ein Interesse daran hat, Gebiete in NATO-Ländern zu erlangen. Man denke nur daran, wie Deutschland es zugelassen hat, sich zu deindustrialisieren, und wie es nicht auf den Nord-Stream-Angriff reagiert hat, den die deutsche Presse als das Werk seines Verbündeten, der Ukraine, darstellte, und die USA können unmöglich nicht gewusst haben, was los war. Diese Maßnahmen zeigen, wie stark das Engagement ist.
Was die Haltung Russlands gegenüber der Ukraine betrifft, so hat Putin die Bemühungen der Separatisten im Donbass, sich Russland anzuschließen, vor der speziellen Militäroperation zurückgewiesen und die vier Oblaste erst nach dem peinlichen Rückzug aus Cherson und Charkiw, die Russland teilweise besetzt hatte, im vergangenen Jahr annektiert. Dadurch waren die Zivilisten, die den Russen geholfen hatten, Repressalien ausgesetzt, und andere in den Gebieten, in denen Russland Boden gewonnen hatte, waren verunsichert über Russlands Engagement. Doch nun, da sich die Stimmung in Russland verhärtet hat und der Westen nicht zurückweicht, scheint Russland dazu bestimmt zu sein, sich weitere Teile der Ukraine einzuverleiben. Und was dann mit der Westukraine geschieht, ist eine offene Frage.
Die Position der USA und der NATO, dass die NATO immer eine Politik der offenen Tür verfolgen wird, könnte sich jedoch als existenziell für die NATO erweisen. Wenn die USA sich überwinden würden, könnten sie zustimmen, die NATO-Erweiterung nach Osten zu stoppen, wo sie jetzt ist (nicht dass Russland das unbedingt glauben würde), was es der NATO ermöglichen würde, weiter zu existieren, wenn auch ein wenig angeschlagen durch die Tatsache, wie schlecht die von der NATO ausgebildeten und ausgerüsteten Streitkräfte in der Ukraine gegenüber Russland abgeschnitten haben. Stattdessen verdoppelt die NATO ihren Einsatz, zum Beispiel durch den von einem Stellvertreter des NATO-Chefs Jens Stoltenberg bei niemandem beliebten Kompromiss, dass die Ukraine im Gegenzug für eine sofortige NATO-Mitgliedschaft Land an Russland abtritt. Was an „Russland wird die NATO an seiner Grenze nicht akzeptieren“ haben Sie nicht verstanden? So etwas bestätigt nur noch mehr den Eindruck, dass der Westen kein Interesse daran hat, Russlands Sicherheitsbedürfnisse zu berücksichtigen.
Und Russland kann die Position von Anthony Blinken nicht entgangen sein, als der Chef der Generalstabschefs, Mark Milley, im letzten Herbst die Unverfrorenheit besaß, der Ukraine Verhandlungen vorzuschlagen, nachdem sie etwas Boden zurückerobert hatte, um ihre Verhandlungsposition zu verbessern. Milley musste seine Erwähnung von Verhandlungen damals zurücknehmen. Blinken verpflichtete die USA und die NATO, die Ukraine weiterhin zu bewaffnen, um den Krieg zu einem späteren Zeitpunkt wieder aufzugreifen. Die wichtigsten Auszüge aus seinem Interview mit David Ignatius in der Washington Post:
Außenminister Antony Blinken erläuterte seine Strategie für das ukrainische „Endgame“ und die Abschreckung nach dem Krieg während eines Interviews am Montag im Außenministerium….
Er unterstrich auch die Entschlossenheit von Präsident Biden, einen direkten militärischen Konflikt mit Russland zu vermeiden, selbst wenn US-Waffen helfen, Putins Invasionsstreitkräfte zu pulverisieren. „Biden hat immer betont, dass eine seiner Forderungen in der Ukraine darin besteht, dass es keinen Dritten Weltkrieg gibt“, sagte er.
Das kolossale Scheitern Russlands bei der Erreichung seiner militärischen Ziele, so Blinken, sollte die Vereinigten Staaten und ihre Verbündeten nun anspornen, sich Gedanken über die Gestaltung der Nachkriegs-Ukraine zu machen – und darüber, wie ein gerechter und dauerhafter Frieden geschaffen werden kann, der die territoriale Integrität der Ukraine aufrechterhält und es ihr ermöglicht, künftige Angriffe abzuschrecken und gegebenenfalls abzuwehren. Mit anderen Worten: Russland sollte nicht die Möglichkeit haben, sich auszuruhen, sich neu zu formieren und erneut anzugreifen.
Blinkens Abschreckungskonzept unterscheidet sich in gewisser Weise von den Gesprächen mit Kiew im vergangenen Jahr über Sicherheitsgarantien, die mit Artikel 5 der NATO vergleichbar sind. Statt einer solchen förmlichen vertraglichen Zusage sind einige US-Beamte zunehmend der Ansicht, dass der Schlüssel darin liegt, der Ukraine die Instrumente an die Hand zu geben, die sie zur Selbstverteidigung benötigt. Die Sicherheit wird durch leistungsfähige Waffensysteme – insbesondere Panzerung und Luftabwehr – sowie durch eine starke, nicht korrupte Wirtschaft und die Mitgliedschaft in der Europäischen Union gewährleistet.
Die derzeitige Betonung des Pentagons auf der Ausstattung Kiews mit Waffen und der Ausbildung für die Manöverkriegsführung spiegelt dieses langfristige Ziel der Abschreckung wider. „Die Bedeutung von Manöverwaffen liegt nicht nur darin, der Ukraine jetzt Kraft zu geben, um Territorium zurückzugewinnen, sondern auch als Abschreckung gegen zukünftige russische Angriffe“, erklärte ein Beamter des Außenministeriums, der mit Blinkens Überlegungen vertraut ist. „“Manövrieren ist die Zukunft““.
Angesichts der Tatsache, dass die derzeitige ukrainische Regierung weiterhin darauf besteht, die gesamte Ukraine von vor 2014 zurückzuerobern, ist klar, dass jede Aufrüstung der Ukraine durch den Westen zu neuen Feindseligkeiten führen würde … und zwar nicht von Russland angezettelt.
Ganz nebenbei verrät uns die Post aber auch, warum das Projekt Ukraine zum Scheitern verurteilt ist. Die USA haben sich nicht an das neue ISR-(Israel)-Paradigma angepasst, das Russland mit jedem Tag perfektioniert. Wie verschiedene Militärexperten festgestellt haben, ist ein Manöverkrieg (der u. a. davon abhängt, dass man Kräfte bündelt, um die feindlichen Linien zu durchbrechen) mit einer ebenbürtigen Macht nicht mehr möglich. Ihr Aufgebot an Männern und Material wird gesehen und angegriffen, bevor Sie Ihren großen Schlag ausführen.
Denken Sie daran, was Blinkens Position ebenfalls impliziert: Die USA glauben, dass sie einen Zweifrontenkrieg führen können. Blinken geht davon aus, dass Russland irgendwie in der Ukraine verliert, so dass die USA und die NATO in aller Ruhe aufrüsten können, um Russland im weiteren Verlauf des Krieges zu schikanieren, ähm, unter Druck zu setzen. Gleichzeitig sind die USA auch entschlossen, e
twas gegen ihren offiziellen Feind Nr. 1, China, zu unternehmen. Da die Wirtschaftssanktionen gegen China genauso gut funktionieren wie gegen Russland, was bleibt den USA und ihren pazifischen Verbündeten dann noch anderes übrig als eine militärische Eskalation? Oder wird bloße unerbittliche Propaganda ausreichen, um die leichtgläubige amerikanische Öffentlichkeit zu verunsichern?
Wenn die USA also nicht einlenken, hat Russland keine andere Wahl, als den Krieg so lange fortzusetzen, bis die Ukraine unterworfen ist oder Russland auf andere Weise einen Regimewechsel in Kiew herbeigeführt hat. Russland muss die Ukraine erobern, entweder politisch oder faktisch. Dieses Ergebnis wird noch wichtiger, wenn die USA ATACMS entsenden. Russland wird eine noch größere Pufferzone benötigen (300 km gegenüber 77 km für die zuvor entsandten HIMARS), um deren Einsatz gegen russisches Gebiet zu verhindern.
Ein unbestreitbarer Verlust der Ukraine wird jedoch, egal wie viel Schaumschlägerei die Sprecher der USA und der EU betreiben, wie insbesondere Alastair Crooke in einer kürzlich ausgestrahlten Duran-Sendung lange beschrieben hat, kleinere NATO-Mitglieder verunsichern, die daran zweifeln werden, dass sie sich darauf verlassen können, dass die NATO ihnen zur Hilfe kommt. Die NATO mag als Verteidigungsbündnis noch tauglich sein. Die Tatsache jedoch, dass die USA und die NATO-Mitglieder ein ganzes Bündel hochgejubelter Wunderwaffen entsandt haben, die so gut wie nichts gegen russische Operationen ausrichten konnten und von denen einige, wie z.B. Leopard-2- und Challenger-Panzer, auf beeindruckende Weise zerstört wurden, und dass der Westen nicht mit einer Sputnik-ähnlichen Anstrengung reagiert, um die Feuerkraft des Westens auf das russische Niveau zu bringen, bedeutet, dass es guten Grund gibt, daran zu zweifeln, wie gut der NATO-Schutzschild im Falle eines Tests standhalten würde.
Allerdings hat Crooke in einem verwandten Artikel erklärt, dass die USA (oder die Falken glauben, dass sie das tun) sich in Richtung eines langen Konflikts mit geringer Intensität bewegen, was mit den obigen Bemerkungen von Blinken übereinstimmt. Aber diese Hoffnung der USA und der Ukraine ignoriert erneut, dass der Krieg im Allgemeinen sehr stark für Russland läuft, wobei die Ukraine weiterhin Männer und Material gegen russische Stellungen wirft und Russland nur relativ geringe Vorstöße in und bei Kupiansk unternimmt, um noch mehr davon zu erreichen. Russland wollte die Ukraine zermürben und erreicht dieses Ziel auch. Und Russland kann und wird die Intensität erhöhen, wenn es Russland opportun erscheint.
Man könnte meinen, dass angesichts der schwächer werdenden Position der Ukraine und der allzu offensichtlichen Notwendigkeit für die Biden-Administration, keine sichtbare Niederlage in der Ukraine zu erleiden, der optimale Zeitpunkt zwischen März und Oktober 2024 liegen würde. Allerdings kann es dann immer noch nicht zu den erhofften Angriffen mit großen Geschossen kommen, es sei denn, die ukrainische Armee ist stark geschwächt.2 Die Kehrseite der Medaille ist jedoch, dass, wenn Russland endlich die letzte ukrainische Verteidigungslinie im Donbass durchbricht, westlich von Lugansk bis zum Dnjepr nicht mehr viel an verteidigungsfähigen Stellungen vorhanden ist.3
Mit anderen Worten: Der Weg zum Endspiel ist ein Regimewechsel. Und die schwachen Regime befinden sich alle im Westen.
1 Zwar haben die USA den Termin für die Lieferung von Abrams-Panzern auf nächstes Jahr verschoben…., doch sind sie so schwer, dass sie in der bald beginnenden Schlammsaison wahrscheinlich nutzlos wären.
Dima von Military Summary stellte heute fest, dass Russland keine massiven Raketenangriffe auf die Ukraine mehr durchführt, wie es bisher üblich war, obwohl es immer noch regelmäßig selektive Ziele angreift, wie gestern ein Munitionsdepot in Kiew, in dem sich Gerüchten zufolge abgereicherte Uranmunition befindet. Er vermutet, dass die Russen Vorräte für große Angriffe im Winter anlegen, um das Stromnetz erneut zu beschädigen. Wenn Russland tatsächlich Raketen hortet, könnte es sie auch für größere Vergeltungsschläge in Reserve halten.
2 Ein weiteres Problem ist, dass Russland weiß, dass es es mit Menschen zu tun hat, die die Realität nicht im Griff haben, und dass man in der Nähe von Verrückten keine plötzlichen Manöver durchführt, vor allem, wenn diese im Besitz von Atomwaffen sind.
3 Das macht den anhaltenden Kampf um Bakhmut rational. Das liegt an der dritten von vier Verteidigungslinien der Ukraine, aber die letzte gilt als schwach. Sollte Russland seine Truppen bis zum Dnjepr verlegen, ist es schwer vorstellbar, dass der Westen dies nicht als unbestreitbaren Beweis für einen russischen Erfolg ansieht, der die Position des ukrainischen Regimes gegenüber seinen Schutzherren bedrohen würde.










