Präsident von Eritrea: Ukraine-Konflikt ist Teil des 30-jährigen Krieges der USA gegen Russland

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Der russisch-ukrainische Konflikt ist in Wirklichkeit ein von der NATO erklärter und von Washington seit 30 Jahren geführter Krieg gegen Moskau, erklärte der Präsident Eritreas, Isaias Afwerki, gegenüber Sputnik.

Eritrea, ein Land am Horn von Afrika und an der Küste des Roten Meeres, stimmte als einer von fünf Staaten gegen die vom Westen unterstützte Anti-Russland-Resolution in der UN-Vollversammlung im März 2022, nachdem Moskau mit seiner Sonderoperation zur Entmilitarisierung und Entnazifizierung der Ukraine begonnen hatte. Später verurteilte der afrikanische Staat entschieden das beispiellose Sanktionsregime des Westens, das sich gegen Russland richtet. Was ist der Grund für die entschlossene Haltung Eritreas?

„Es geht nicht darum, dass wir der Russischen Föderation einen Gefallen tun wollen“, sagte Präsident Afwerki gegenüber Sputnik Afrika. „Diese Vorstellung von einem ‚Krieg in der Ukraine‘ oder einem ‚Krieg zwischen der Russischen Föderation und der Ukraine‘ ist nicht richtig. Es handelt sich um einen Krieg, den die NATO und Washington seit 30 Jahren gegen die Russische Föderation führen. Und Russland hat das Recht, sich zu verteidigen. Man darf keine Nationen mit Gewalt unterwerfen oder gar Gewalt anwenden, jede Art von Nötigung. Das ist nicht akzeptabel. Das ist das Gesetz des Dschungels. Wir müssen aus diesem Gesetz des Dschungels herauskommen, und die Menschen müssen frei sein, um wie menschliche Wesen zu leben. Unsere Position war sehr klar. Wir sind gegen Eindämmung. Wir sind gegen die Vorherrschaft oder Hegemonie einer einzigen Nation. Das können wir nicht akzeptieren. Und unsere Unterstützung für die Russische Föderation gegen diese hegemoniale Politik war ein natürliches Phänomen oder ein Ergebnis dessen, was wir ebenfalls getan haben.“

Dem Präsidenten zufolge begann diese Geschichte eigentlich unmittelbar nach dem Ende des Kalten Krieges und dem Zusammenbruch der UdSSR. Zu dieser Zeit hatten die USA ihren unipolaren Moment. Washington beschloss, diesen Moment so lange wie möglich zu verlängern, indem es der Welt seine Kontrolle aufzwang und sie in seine Einflusssphären einteilte. Bei dem, was die USA damals taten, ging es dem Präsidenten zufolge nicht nur darum, ihren Einfluss auszuweiten: Washington griff zu einer schrankenlosen Eindämmung anderer Nationen. Für Afwerki kommt diese Eindämmungspolitik einer Kriegserklärung gleich.

„Es war eine Kriegserklärung, weil es ein Konzept gab, das von diesen Leuten entwickelt wurde, um diejenigen einzudämmen, die konkurrieren können oder die zumindest etwas im globalen System beitragen können“, sagte Präsident Afwerki. „Das war nicht erlaubt. Und vor dem Hintergrund der Ära des Kalten Krieges gab es diese Besessenheit, Russland einzudämmen, in den letzten 30 Jahren. Das ist nichts Neues. Wenn man eine Nation daran hindert, zu wachsen, zu konkurrieren und ihren Beitrag zu leisten, dann erklärt man ihr den Krieg.

Eritrea weiß sehr wohl, was westliche Sanktionen bedeuten: Es hält deren Druck seit über zehn Jahren stand. Zuletzt verhängten die USA im November 2021 einseitige Wirtschaftsbeschränkungen gegen die Regierungspartei, die Streitkräfte, Unternehmen, Institutionen und Einzelpersonen des Landes. Das Land am Horn von Afrika wurde auch aus dem SWIFT-System (Society for Worldwide Interbank Financial Transactions) ausgeschlossen.

Dennoch beugte sich das Land nicht dem Westen und signalisierte Russland seine Unterstützung, als es größtem Druck ausgesetzt war. Afwerki betonte, dass der Fall Russlands Teil einer umfassenderen Strategie des Westens ist, die darauf abzielt, andere Nationen zur Unterwerfung zu zwingen. Dieser Strategie unterliegen nicht nur große und mächtige Länder wie Russland oder China, sondern praktisch jede Nation, die sich weigert, sich der US-amerikanischen „Ideologie der Hegemonie“ zu beugen, wird bestraft.

„Wir brauchen eine neue Weltordnung“, sagte Präsident Afwerki. „Die Notwendigkeit einer neuen Weltordnung ist offensichtlich. Das ist eine Forderung für jedes Volk, jede Nation auf der Welt. Wir müssen aus diesem Kreislauf der Eindämmung herauskommen, der Eindämmung von Russland, der Eindämmung von China, der Eindämmung von Eritrea. Dann Bestrafung für dies und das. Sanktionen hier, Sanktionen dort. Es geht nicht nur darum, sich der Herausforderung zu stellen. Sich der Herausforderung zu stellen ist eine Sache, aber was ist mit der Zeit danach? Jenseits der Herausforderung? Wir müssen uns darüber im Klaren sein, wohin wir gehen wollen. Wir müssen den Boden für die Schaffung eines neuen Umfelds bereiten. Dieses neue Umfeld muss für alle da sein Gerechtigkeit muss herrschen. Nationen und Menschen sollten die Möglichkeit haben, sich zu entwickeln. (…) Ich denke, es ist eine Frage des Übergangs. Es geht um den Übergang der letzten 30 Jahre eines Versuchs des Hegemonismus, der praktisch gescheitert ist, zu einer neuen Ordnung. Diese neue Ordnung wird das Ergebnis von Konsultationen sein müssen. Konsultationen – bilateral, multilateral, kontinental. Letztendlich werden wir zu einer Verständigung kommen, und die Grundlagen sind sehr klar.“