Welchen Weg sollte die Antikriegsbewegung gehen? Soll man „Verhandlungen“ oder ein „Ende des Kriegs“ fordern? – Von Sara Flounders (Workers World)

von Sara Flounders , veröffentlicht in Workers World , 15. November 2022

Da der Krieg in der Ukraine immer länger andauert und immer gefährlicher wird, werden seine Folgen bei vielen Angst und bei denen, die die größten Opfer bringen Widerstand hervorrufen. Die wirtschaftlichen Folgen der Rezession und der wachsenden Inflation in den USA und die weitaus größere Verwirrung in der EU, verursacht durch die Verhängung von Sanktionen gegen Russland, werden die Grundlage für eine großen Bewegung in den Vereinigten Staaten und in Europa schaffen.

Die grundlegende Frage lautet: Sollten wir versuchen, Wut und Empörung über die politischen und wirtschaftlichen Kräfte zu erregen, die diesen ominösen Krieg verursacht haben und ihn immer noch vorantreiben? Sollen wir ein ENDE der Kriege fordern? Ein Ende des Raubes von Billionen von Dollar zur Finanzierung endloser Kriege?

Oder sollte die Antikriegsbewegung versuchen, für die Kräfte im Kongress akzeptabel und unumstritten zu sein, die loyal für jede militärische Bewilligung stimmen und gleichzeitig ihre volle Unterstützung für die US/NATO-Intervention in der Ukraine bekräftigen und zum Sieg aufrufen?

Dies sind ernste Fragen für antiimperialistische Aktivisten.

Zunehmend wird die Forderung diskutiert, wonach US-Vertreter beteuern sollen, dass sie eine bestimmte Form von Verhandlungen befürworten. Natürlich wird es Verhandlungen geben. Jeder Krieg beinhaltet irgendeine Form von Verhandlungen. Das ist aber kaum das Problem.

Aber wenn wir Verhandlungen zum zentralen Slogan einer Antikriegsbewegung machen – wie einige Antikriegsgruppen diskutieren und dazu aufrufen – wird das klären, wer der Hauptfeind des Friedens ist, besonders hier im Zentrum des Weltimperialismus?

US-Präsident Joe Biden behauptet, die Verhandlungen seien vollständig eine Sache der Ukrainer. Doch das Selenskyj-Regime hat keine unabhängige Existenz. Es wurde von den USA und der NATO, dem von den USA geführten Militärbündnis, gegründet und wird von diesen finanziert, ausgebildet und ausgerüstet. Wolodymyr Zelenskij spielt diese Scharade mit, indem er fordert, dass Russland zunächst die Gebiete, die bereits für den Anschluss an Russland gestimmt haben, vollständig an die Ukraine übergibt.

Sowohl die Demokratische als auch die Republikanische Partei haben jahrzehntelange Erfahrung darin, Kriege jahrelang in die Länge zu ziehen und entsetzliche Bombenangriffe durchzuführen, während sie gleichzeitig mit dem angegriffenen Land „verhandelten“.

Während des Vietnamkrieges führten die USA von 1968 bis 1973 fünfjährige Verhandlungen mit vietnamesischen Befreiungskämpfern, die versuchten, die Bombardierung ihres Landes zu stoppen. In dieser Zeit wurde [auf Seiten der USA] die Truppenstärke auf über eine halbe Million Soldaten erhöht, und es wurden Bombenteppiche mit weißem Phosphor, Napalm, Agent Orange und anderen tödlichen Herbiziden gelegt, während gleichzeitig eine korrupte Stellvertretertruppe aufgerüstet und unterhalten wurde.

Die US-Bombardierung Syriens, die Bewaffnung Zehntausender Söldner und extremistischer Kräfte, ging Hand in Hand mit einem sogenannten Friedensprozess in Paris, Genf und London. Die USA und die NATO-Staaten haben jede Anstrengung unternommen, um eine syrische Opposition zu bilden und den Rücktritt der gewählten syrischen Regierung zu fordern. Der Prozess hat sich über 10 Jahre hingezogen, und US-Besatzungstruppen sind immer noch in Syrien. US-Kampfjets und Drohnen bombardieren weiter.

Der Irak „ verhandelt “ immer noch mit den USA, um die US-Truppen aus dem Irak abzuziehen. Und die USA liefern dem israelischen Staat einen kontinuierlichen Strom von Waffen und Unterstützung, während endlose Verhandlungen mit dem palästinensischen Volk fortgesetzt werden.

Natürlich wird jedes Land zu ungleichen Verhandlungen mit dem US-Regime und seinen zahlreichen Waffen und Stellvertreterkräften gezwungen. Kredite und Zinszahlungen müssen endlos mit dem Internationalen Währungsfonds, der Weltbank und ganzen Konsortien von Bankern ausgehandelt werden.

Es ist eine gefährliche Illusion, Verhandlungen als „ Weg zum Frieden “ zu betrachten. Verhandlungen sind eine weitere Form des anhaltenden imperialistischen Drucks. Als Antikriegsslogan schränkt „ Verhandlungen “ sofort das Verständnis des Krieges ein und wer für die NATO-Erweiterung und die Bewaffnung der faschistischen Kräfte in der Ukraine verantwortlich ist. Es macht ein Gleichheitszeichen zwischen zwei konkurrierenden Kräften.

Kann man etwas gewinnen, wenn man beim Start einer neuen Bewegung enorme und mäßigende Zugeständnisse macht? Jeder Arbeitnehmer, der mit seinem Chef verhandelt, weiß, wie ungleich die Verhandlungen immer sind. Aber er weiß auch, dass es zunächst wichtig ist, klare Forderungen zu stellen.

STOPPEN SIE DIE KRIEGE!

Die Rolle einer politischen Opposition, einer Antikriegsopposition, besteht darin, trotz all der vielen Kriege, in die der US-Imperialismus verwickelt ist, ein Ende der US-Militärintervention zu fordern.

Dieser wie auch die übrigen imperialistischen Kriege der USA müssen zumindest thematisiert und angeprangert werden, um der Propaganda der Konzernmedien entgegenzutreten. Wenn es nur um die Ukraine geht, kann die Verantwortung für den Krieg leichter auf Russland abgewälzt werden.

Die gesamte Entwicklung erhält eine breitere Perspektive, wenn der andauernde US-Krieg in Syrien, die ununterbrochenen Kriegsübungen und „Enthauptungsübungen“ gegen die DVRK, die sich ausweitenden Sanktionen gegen mehr als 40 Länder, die wöchentlichen Paraden von US-Zerstörern durch die Straße von Taiwan, die „Regime Change“-Operationen in Venezuela und im Iran und die Ausweitung der NATO-Mitgliedschaft insgesamt ein Verständnis dafür vermitteln, was vor sich geht. Die Einbeziehung dieser anderen Kriege bietet einen Kontext für das Verständnis des Krieges in der Ukraine.

Diese ehrlichere Richtung erzieht Millionen.

Eine Bewegung basiert auf einem wachsenden Bewusstsein für die dringende Notwendigkeit, zu reagieren. Vage Allgemeinplätze über die Hoffnung auf Frieden, für die alle angeblich eintreten, entziehen jedem Kampf die Kraft. Sie geben denjenigen politische Deckung, die den Krieg und seine Ziele unterstützen.

Anstatt die Bewegung auf die zurückhaltendsten Forderungen zu beschränken, die für die Demokratische Partei akzeptabel sind, sollten wir unsere Aufmerksamkeit auf die enormen Veränderungen richten, die unter unseren Füßen rumoren. Die ganze Welt, insbesondere der globale Süden, lehnt die von den USA geforderten Sanktionen ab. Antikriegs- und Anti-NATO-Demonstrationen nehmen in ganz Europa zu. Am wichtigsten ist, dass die Jugend in den USA sich am Arbeitsplatz organisiert, sich an Streiks und Arbeitsniederlegungen beteiligt und sich ihrer unsgewissen Zukunft bewusst ist. Lasst uns kämpferischere Forderungen aufstellen, die diese aufkommenden Kräfte ansprechen.


Sara Flounders ist eine politische Autorin aus den USA, die seit den 1960er Jahren in der „progressiven“ und Antikriegsorganisation aktiv ist. Sara ist Co-Direktorin des International Action Center (IAC) und Mitglied des Sekretariats der Workers World Party. Sie schreibt auch häufig für die Zeitung Workers World und veröffentlicht Artikel auf der Website des International Action Center .

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