Archive for November 1st, 2022

1. November 2022

Russland spendet 25.000 Tonnen Weizen an den Libanon sowie 10.000 Tonnen Brennstoff für den Stromsektor (The Cradle)

https://thecradle.co/Article/news/17633

Der libanesische Minister für öffentliche Arbeiten und Verkehr, Ali Hamieh, sagte der Nachrichtenagentur RIA Novosti  , dass der Libanon 25.000 Tonnen Weizen und 10.000 Tonnen Treibstoff kostenlos von der Russischen Föderation erhalten werde.

„Russland wird den Libanon mit 25.000 Tonnen Weizen und 10.000 Tonnen Brennstoff für die Kraftwerke des Landes beliefern“, sagte der Minister.

Der Libanon erlebt seit über drei Jahren eine tiefgreifende finanzielle, wirtschaftliche und politische Krise. Das Bankensystem ist fast vollständig lahmgelegt, die Landeswährung hat gegenüber dem Dollar mehr als das 20-fache abgewertet und als Folge sind mehr als 70 Prozent der Bevölkerung unter die Armutsgrenze gefallen.

Der Minister stellte später auf Twitter klar, dass der russische Botschafter im Libanon ihn über die Anweisungen des russischen Präsidenten über die Entsendung von Hilfe an den libanesischen Staat informiert habe.

Die Termine für die Lieferung von Weizen und Treibstoff werden ihm zufolge zu einem späteren Zeitpunkt festgelegt. 

Der russische Landwirtschaftsminister Dmitri Patruschew wiederum sagte zuvor, dass Moskau bereit sei, in den nächsten vier Monaten kostenlos bis zu 500.000 Tonnen Getreide an die ärmsten Länder zu liefern und ukrainisches Getreide vollständig zu ersetzen, indem es zu vernünftigen Preisen in alle interessierten Länder exportiert Preise.

Der Minister sagte, in diesem Jahr seien in Russland bereits 150 Millionen Tonnen Getreide geerntet worden. Das Exportpotenzial für die laufende Saison schätzt das Ministerium auf mehr als 50 Millionen Tonnen.

Wie der russische Präsident Wladimir Putin zuvor sagte, stimmte Russland einem Getreideabkommen zu, um den ärmsten Ländern zu helfen, aber nur drei bis fünf Prozent gingen an die Bedürftigen.

Die USA hatten den Libanesen im August 2021 über ihre Botschafterin in Beirut, Dorothy Shea, versprochen, dass sie dem Libanon helfen würden, bis spätestens März letzten Jahres Strom und Gas aus Ägypten und Jordanien über syrisches Territorium zu importieren. Doch das Versprechen ist noch nicht eingelöst.

Letzte Woche schlossen der Libanon und Israel die von den USA vermittelten Verhandlungen ab, die 2020 zur Festlegung der Seegrenze begannen, indem sie ein historisches Abkommen zum Abschluss brachten und unterzeichneten .

1. November 2022

Von der Leyen nervös: EU-Staatsanwaltschaft ermittelt wegen Pfizer-Deal. Die unerschrockene Korruptionsexpertin Laura Kövesi will herausfinden, wer bei den milliardenschweren Pharma-Deals mitgeschnitten hat. – Von Michael Maier (Berliner Zeitung)

https://www.berliner-zeitung.de/wirtschaft-verantwortung/von-der-leyen-nervoes-eu-staatsanwalt-ermittelt-wegen-pfizer-deal-li.281403

1. November 2022

Einflusskampf um Zentralasien (german-foreign-policy.com)

 Die Bundesregierung sucht Differenzen zwischen Kasachstan und Russland zu nutzen, um einen Keil zwischen beide Staaten zu treiben. Astana tue gut daran, dass es weder die Abspaltung der Krim noch die russische Annexion von Teilen der Ukraine anerkenne, erklärte Außenministerin Annalena Baerbock zu Wochenbeginn bei einem Treffen mit ihrem kasachischen Amtskollegen; es gelte nun, die Kooperation mit Berlin auszubauen. Allerdings erkennt Kasachstan auch die Abspaltung des Kosovo nicht an. Baerbock setzte sich zudem für enge Zusammenarbeit in der Herstellung grünen Wasserstoffs ein. Ein Unternehmen aus Dresden hat dazu in der vergangenen Woche eine Vereinbarung über ein Großprojekt in Kasachstan unterzeichnet, das ab 2032 jährlich zwei Millionen Tonnen Wasserstoff für die EU herstellen soll. Bisher gehört Kasachstan zu Deutschlands größten Öllieferanten. Weil das Erdöl über einen russischen Hafen exportiert wird, lässt sich allerdings nicht ausschließen, dass es von dem EU-Ölembargo betroffen ist, das in Kürze in Kraft tritt. Kasachische Ölförderer suchen bereits nach alternativen Exportrouten – allerdings bislang ohne echten Erfolg.

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https://www.german-foreign-policy.com/news/detail/9069

1. November 2022

„Druschba Pipeline offenhalten! PCK & Schwedt müssen leben! Nordstream 2 in Betrieb nehmen!“ – Rede von Hans Bauer, Vorsitzender der GRH in Schwedt 29.10.22

Solidaritätskundgebung in Schwedt am 29.10.22, Platz der Befreiung

Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger,
liebe Freunde und Genossen!

Wenn ich mir als ehemaliger DDR-Bürger Vergangenheit und Gegenwart von Schwedt vor Augen führe, so erkenne ich darin die Geschichte der DDR/Ostdeutschlands seit mehr als 60 Jahren.

Schwedt ist nicht nur schlechthin ein Ort im heutigen Brandenburg. Diese Stadt hat Geschichte geschrieben. Wie auch andere Städte in Brandenburg, wenn ich u. a. an Eisenhüttenstadt (Eisenhüttenkombinat Ost), an Brandenburg (Stahlwerk) oder an Wilhelm-Pieck-Stadt Guben (Chemiefaserwerk) denke. Mit dem Bau der Erdöltrasse wurde Schwedt zu einem Symbol der Erdölindustrie in der DDR. Wurde eine Art Hauptschlagader für die Wirtschaft unseres Landes. Nach dem Probebetrieb 1964 versorgte die über 3 000 km lange Pipeline von Tjumen in Sibirien bis nach Schwedt die Industrie der DDR zuverlässig mit Erdöl, Grundlage für die Chemieindustrie. Schwedt selbst wurde eine moderne sozialistische Stadt. Das PCK beschäftigte über 8 000 Mitarbeiter, die Stadt wuchs auf fast 55 000 Einwohner. Weitere Industrie siedelte an. Kindergärten und Erholungsheime, moderne Bildungs-, Kultur- und Sporteinrichtungen entstanden.

Die Trasse war aber mehr als ein wirtschaftliches Schwergewicht. Sie wurde nicht zufällig Druschba-Trasse genannt. Von den Bürgern auch als solche verstanden: Freundschaft zwischen der DDR und der SU sowie anderen sozialistischen Staaten. Vor allem aber zwischen den Völkern. Da war nichts verordnet. Das war den meisten ein Bedürfnis. Uns als Deutschen aber auch Dank und Verpflichtung gegenüber den Völkern der Sowjetunion, die uns vom Faschismus befreit hatten. Das waren unsere Lehren aus der Geschichte, im Gegensatz zur alten Bundesrepublik.

Tausende insbesondere junge Menschen waren an der Montage dieses großartigen Werkes beteiligt. Bau und Nutzung der Trasse waren Ausdruck einer friedlichen, auf Völkerfreundschaft und auf das Wohl der Menschen gerichteten Politik.

Und dann, liebe Teilnehmer, 1990 die Annexion der DDR durch die BRD!
Die ganze Unmenschlichkeit des Kapitalismus kam über uns. Ostdeutschland wurde privat verramscht. Deindustrialisiert. Menschen ihres Lebens entwürdigt, sogar verfolgt und bestraft. Ostdeutschland wurde zur Kolonie des Westens. Alles sollte nun nichts mehr wert sein. Auch Schwedt erlebte diesen Niedergang. Die Zahl der Einwohner sank um ca. 40 % auf 30 000. Die Arbeitslosen-Quote ist heute überdurchschnittlich.

Aber dank der Pipeline und des preiswerten russischen Erdöls blieb Schwedt auch lukrativ für den kapitalistischen Markt. Das PCK wurde privatisiert und 1991 als Aktiengesellschaft neu gegründet, später die PCK-Raffinerie GmbH. Es wurde investiert, modernisiert und natürlich profitiert.

Über die Erdölleitung „Druschba“ kommen heute rund 25 Prozent des Rohölbedarfs Deutschlands. Ostdeutsche Länder, einschließlich Berlin, werden von Schwedt versorgt. Die Zahl der Mitarbeiter im PCK beträgt etwa 1200 – 15% der damals Beschäftigten.
Immerhin ein gewisser Aufwind unter kapitalistischen Verhältnissen.

Und nun droht die nächste Deindustrialisierung. Durch eine Politik der Unfähigkeit, Unwilligkeit und Feindschaft. Betroffen ist dieses Mal ganz Deutschland, Ostdeutschland aber besonders, wie Schwedt. Verantwortlich dafür Politiker, die Realitäten nicht anerkennen und eigentlich gemeingefährlich für Land und Leute sind. Sie regieren vor allem im Interesse anderer, in- und ausländischer Konzerngruppen, deutscher und US-amerikanischer, sowie natürlich auch zum eigenen Vorteil. Sie scheren sich nicht um ihre Wähler. Wie sie offen verkünden. Sie regieren mit Sanktionen insbesondere gegen die Russische Föderation und mit Kriegsbeteiligung in der Ukraine. Hetzen seit Jahrzehnten gegen Russland, wollen es gar „ruinieren“, wie die Baerbock es fordert. Statt Friedensbemühungen betreiben sie Kriegspolitik. Militarisieren mit Milliarden. Und verteilen für das Volk Almosen. Ruinieren das eigene Land zum Schaden der Menschen. Was kümmert sie ihr Amtseid. An der Spitze die grüne Kriegspartei, assistiert von den Sozialdemokraten. 

Liebe Anwesende!

Diese Politik äußert sich im nunmehr achten Sanktionspaket gegen Russland. Lebenswichtige wirtschaftliche Beziehungen zu diesem Lande werden gekappt, indem von dort keine Rohstoffe mehr bezogen werden sollen. Politiker sägen den Ast ab, auf dem wir alle sitzen. Dieses „Sanktionspaket …. kehrt wie ein Bumerang zum Werfer zurück“, so der russische Botschafter in Deutschland.
Deutschlands Politiker beziehen lieber klimafeindliche und teure Rohstoffe aus Übersee und arabischen Staaten.

Wieviel Dummheit, die Gaspipelines Nordstream 1 und 2 zu blockieren. Über deren Zerstörung scheinheilig empört, sie untersuchen zu wollen. Sich zu weigern, Russland aber dabei einzubeziehen. Dabei sind die Nutznießer dieser Terrorakte bekannt.

Nun soll auch durch die Drushba-Pipeline ab Januar 2023 kein Erdöl mehr nach Schwedt fließen. Ein Leck in Polen dürfte Vorwarnung und kein Zufall sein.
Das ist Wirtschaftskrieg, den deutsche Regierungen gemeinsam mit der NATO und der EU seit vielen Jahren führen.

Liebe Freunde!

Es entzieht sich jeglicher Logik, Sanktionen zu beschließen, denen zufolge kein Gas und Öl mehr aus Russland bezogen werden soll, weil Putin kein zuverlässiger Partner sei, andererseits aber seit Jahrzehnten zuverlässig Gas und Öl aus Russland bezogen zu haben. Das ist ohne Sinn und Verstand!

Liebe Protestteilnehmer!

Der Aufstand im Osten zeigt die Unzufriedenheit mit dieser Politik.  Aber auch, wie viele Menschen mit Russland verbunden sind. Das entspricht ihren Erfahrungen und ist auch mit der unerträglichen Russophobie, den Fakes an Informationen nicht auszutreiben. Was Politiker hier von sich geben, erinnert an finsterste Goebbelsche Propaganda gegen Russland im faschistischen Deutschland.

Und jetzt vor wenigen Tagen haben sie nachgelegt. Wer für Russland Partei ergreift, kann wegen Volksverhetzung bestraft werden. Verfahren laufen bereits. Meinungsfreiheit ade! Die Klassenjustiz lässt grüßen.
Höchste Zeit, dass Sie abtreten, Habeck, Baerbock, Lindner, Scholz & Co!

Todenhöfer, kein Linker, fordert: „Geht, bevor man Euch davonjagt“. und selbst CSU-Söder stellt auf dem Parteitag fest: „Eine der schwächsten Regierungen, die die Bundesrepublik je gehabt hat“.

Wir sind hier auf dem Platz der Befreiung: Befreit uns von Eurer dummen und gefährlichen Politik – oder das müssen wir wohl selbst tun!!

Diese Regierungsampel erinnert mich an eine Kreuzung. Die Ampel ist defekt. ROT, GELB, GRÜN leuchten gleichzeitig. Was passiert? Gefahr von Chaos. Und das geschieht in Deutschland. Wenn sich nichts verändert, kommt es zur Katastrophe. Das dürfen wir alle nicht zulassen.

Liebe Freundinnen und Freunde,

da wird vor wenigen Tagen im Bericht des Ostbeauftragten zum 3. Oktober von Vorhaben der Bundesregierung in dieser Wahlperiode berichtet. Auch von Defiziten in der Kolonie Ost. Geplant ist als Lösung ein zentrales Projekt in Ostdeutschland, die Gründung und der Bau eines Zukunftszentrums. Bis 2028. Das ist die wichtigste Schlussfolgerung aus dem Bericht. Unglaublich. Offenbar wollen die Verantwortlichen nicht hören und sehen, was sich hierzulande wirklich abspielt.

Was ist also zu tun? Den Druck auf der Straße erhöhen. Nicht einschüchtern lassen. Nicht von Diffamierungen und Drohungen unfähiger und unwilliger Politiker.

Und gekauften Journalisten in den Medien, in Reportagen und Talkshows nicht auf den Leim gehen. Wir aus der DDR wissen doch, was seit 32 Jahren über unser eigenes Leben erzählt wird. Das wir so nicht erlebt haben, wie gebetsmühlenartig versucht wird, es uns einzureden.

Apropos Rede. Bundespräsident Steinmeier, selbst als damaliger Außenminister zum faschistischen Putsch in der Ukraine beigetragen, beschwor in seiner Rede an die Nation den Zusammenhalt in der Gesellschaft. Tatsächlich besteht dieser heute schon gleich gar nicht, falls er überhaupt mal existiert hat. In einem muss ich ihm allerdings zustimmen. Er sagte: „Deutschland braucht in der Krise neue Widerstandskraft“. Ja, diese Widerstandskraft können er und seinesgleichen auf der Straße erleben. Und sie wächst – gegen diese Kriegspolitik, den deutschen Größenwahn und die Zerstörung des eigenen Landes.

Unsere Forderungen müssen unüberhörbar sein. Und mit Nachdruck. Frankreich und auch Tschechien machen es vor. Gemeinsam mit vielen anderen fordern wir:

Schluss mit den Sanktionen und mit der Kriegstreiberei.

Die Drushba-Pipeline muss offen bleiben

PCK & Schwedt müssen leben

1. November 2022

Die lange Geschichte antijüdischer Vorurteile und Gewalt durch ukrainische Nationalisten und wie die Sowjetukraine dagegen kämpfte – Von Dmitri Kovalevich (Orinoco Tribune)

Von Dmitri Kovalevich

Während Ivy-League-Professoren die Sowjetunion mit Nazi-Deutschland gleichsetzen, bekämpften die Sowjets die Nazis und beendeten die gewalttätigen antijüdischen Pogrome – die nun zurückzukehren drohen.

In der Ausgabe der London Review of Books vom 21. Juli 2022 erschien ein Essay von Abigail Green, in dem sie die Bücher von Jeffrey Veidlinger In the Midst of Civilised Europe: Die Pogrome von 1918-21 und der Beginn des Holocaust, in dem die frühe Geschichte der unabhängigen Ukraine analysiert wird, insbesondere die Jahre der „Volksrepublik Ukraine“ von Ende 1917 bis 1920. Die „Volksrepublik“ war eine kurzlebige, pro-kapitalistische Regierung, die sich mit Deutschland und dem Rest des kapitalistischen Europas verbündete, um die bolschewistische Revolution von 1917 zu bekämpfen und sie in Blut zu ertränken.

Unter dem Titel „Es fiel alles auseinander“ analysiert der LRB-Aufsatz die antijüdischen Vorurteile und die extreme Gewalt, die die „Volksrepublik Ukraine“ unter der Führung des berüchtigten Diktators Symon Petliura prägten. Diese Geschichte ist für die heutige Ukraine von großer Bedeutung, denn die derzeitigen Machthaber des Landes identifizieren sich mit der Regierung, die diese tragische Geschichte mitverursacht hat. Heute leugnen sie, dass Rassismus und nationaler Chauvinismus gegen Juden, Roma und andere unterdrückte Völker in der Ukraine weit verbreitet sind, und sie leugnen, dass neonazistische und andere rechtsextreme Ideologien weit verbreitet sind, auch in den eigenen Reihen der Regierung.

Der LRB-Aufsatz ist sehr informativ, aber in einer Hinsicht ist er sehr enttäuschend. Denn er geht kaum auf die systematischen Bemühungen der frühen Führer der 1920 gegründeten Ukrainischen Sozialistischen Sowjetrepublik und der 1922 gegründeten Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken (UdSSR oder „Sowjetunion“) ein, antijüdische und andere Vorurteile zu bekämpfen. Die sowjetische Ukraine entstand in Opposition zur „Volksrepublik“ und der abscheulichen Ideologie des Hasses gegen Juden und andere nationale Minderheiten, die sie vertrat.

Die Sowjetukraine und die gesamte Sowjetunion kämpften während ihrer Gründung und in den darauf folgenden Jahren gegen alle Formen von Rassismus und nationaler Diskriminierung. Diese Geschichte wird in dem LRB-Essay ausgelassen. Diese Auslassung deutet auf eine tiefe Ambivalenz, wenn nicht gar Feindseligkeit gegenüber den Zielen und den dauerhaften Errungenschaften der bolschewistischen Revolution von 1917 hin. Sie passt auch zu den vorherrschenden antirussischen Vorurteilen, die heute in den westlichen Ländern infolge der von der Russischen Föderation eingeleiteten antifaschistischen Militäroperation in der Ukraine herrschen.

Dmitriy Kovalevich ist der Sonderkorrespondent in der Ukraine für „New Cold War“. Er verfasst einen monatlichen Lagebericht über die Ukraine; seinen letzten Bericht (August 2022) finden Sie hier. Der folgende Essay von ihm dient dazu, die großen Lücken im Essay der London Review of Books zu füllen. Der Aufsatz ist eine Koproduktion von New Cold War und CovertAction Magazine.

Die Einleitung stammt von den Herausgebern der beiden Publikationen.

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Die heutige Ukraine und ihre historischen Vorläufer waren lange Zeit ein Kreuzungspunkt, an dem verschiedene Kulturen, Zivilisationen und Völker lebten. Sie war und ist ein zutiefst multinationales Gebilde und war in früheren Jahrhunderten unter verschiedenen Namen bekannt.

In den letzten 30 Jahren hat die Ukraine aktiv eine Politik der Assimilierung nationaler Minderheiten verfolgt und versucht, die in diesem historischen Gebiet lebenden ethnischen Russen, Ungarn, Griechen und Moldawier zu „ukrainisieren“. Diese Politik kann als einer der Gründe für den derzeitigen Konflikt im Donbass angesehen werden. Sie sind ein formaler Grund für die russische Militärintervention, die im Februar dieses Jahres begann, weil die „Ukrainisierungs“-Politik auf eine Diskriminierung hinausläuft, die nicht-ukrainischen Ethnien die gleichen Rechte verweigert und sogar mörderische Gewalt gegen diejenigen anwendet, die protestieren.

Wenn heute Russen und russischsprachige Ukrainer von ukrainischen Ultranationalisten als die wichtigsten „Feinde“ des Landes betrachtet werden, so waren es früher die ukrainischen Juden, die als Feinde betrachtet und diskriminiert wurden und Gewalt ausgesetzt waren. Nationalistische Pogrome zu Beginn des 20. Jahrhunderts, die Jahre des Holocaust in Deutschland und den östlichen Nachbarländern sowie die Abwanderung nach Israel nach dem Zweiten Weltkrieg haben die Zahl der Juden in der Ukraine erheblich verringert. Die wirtschaftlichen Probleme der 1990er Jahre trugen ebenfalls zu einer beschleunigten Abwanderung von ethnischen Deutschen, Griechen und Russen aus der Ukraine bei und vereinfachten die einst sehr komplexe ethnografische Karte des multinationalen Landes.

Zwischen städtischem und ländlichem Leben

Der Antisemitismus in der Ukraine hat leider lange und tiefe Wurzeln, die wahrscheinlich so alt sind wie die jüdische Bevölkerung in diesem Land. Die erste bekannte Erwähnung der künftigen Stadt Kiew ist der so genannte „Kiewer Brief“ aus der Zeit um 930 n. Chr., der in Ägypten gefunden wurde. Er ist in hebräischer Sprache verfasst und von Vertretern der Kiewer Einwohner mit jüdischen, türkischen und slawischen Namen unterzeichnet und zeugt von dem multinationalen Charakter der Stadtgemeinschaft in ihrer Anfangszeit.

Mindestens seit dem 16. Jahrhundert kam es in der Ukraine jedoch regelmäßig zu antijüdischen Pogromen (gewalttätige Ausschreitungen mit dem Ziel der Tötung oder Vertreibung ethnischer Minderheiten, insbesondere der Juden). Anfangs waren sie Ausdruck der Religionskriege und des kirchlichen Obskurantismus jener Zeit. Christliche Priester riefen oft zu Pogromen gegen „Ungläubige“ auf.

Im Jahr 1768, während des „Koliivshchyna“-Aufstands gegen die polnischen Großgrundbesitzer und die polnisch-litauische Staatengemeinschaft, fand das berüchtigte „Uman-Massaker“ statt, bei dem die gesamte jüdische und polnische Bevölkerung der Stadt Uman im Namen des christlichen Glaubens abgeschlachtet wurde. Die Stadt liegt zwischen Kiew und Odessa, im damaligen östlichen Teil des Staatsgebietes.

Heute reisen chassidische Juden jedes Jahr nach Uman, um das Neujahrsfest nach dem jüdischen Kalender zu feiern. Es ist kein Zufall, dass die Pilger nach Uman kommen. Der Begründer des Chassidismus, Nachman von Breslov, verfügte, dass sein Leichnam am Ort des Massensterbens von Juden begraben werden sollte, da er diesen Ort als heilig ansah. „Koliivshchyna“ ist zu einer „Inspiration“ für das moderne, rechtsextreme Asowsche Bataillon und die Partei Svoboda („Freiheit“) geworden. In der Vergangenheit haben sie den 14. April mit Fackelmärschen begangen. Die meisten Menschen in der heutigen Ukraine kennen diese Geschichte nicht.

 „Koliivshchyna“ war einer der Faktoren, die zum Zusammenbruch des polnisch-litauischen Staatlichkeit im späten 18. Jahrhundert führte. Nach der Teilung Polens und dem Beitritt eines Teils Polens zum Russischen Reich legten die zaristischen Behörden Russlands den sogennten Ansiedlungsrayon (Grenzen) für die Juden fest. Ihnen war es damit untersagt, sich frei im Lande niederzulassen und Landwirtschaft zu betreiben. Nur in einigen Städten in den westlichen Teilen des russischen Reiches durften Juden siedeln.

In der Zeit des Feudalismus galt Grund und Boden als die wertvollste Ressource, während die städtischen Unterschichten als die unterste Kategorie von Bürgern angesehen wurden. Erst mit der Entwicklung des Kapitalismus verlagerte sich das Zentrum des wirtschaftlichen Lebens in die Städte. Eine weitere Komponente des ukrainischen Antisemitismus war also der Widerspruch zwischen Stadt und Land. Seit dem 19. Jahrhundert wurde der zentrale Teil der meisten ukrainischen Städte als jüdische Viertel bezeichnet. In der Regel handelt es sich dabei um enge, verwinkelte Straßen mit ein- oder zweistöckigen Häusern. Solche Viertel gibt es noch in Kiew, Uman, Zhytomyr, Tscherkassy, Krementschug und anderen Städten.

Gefährlich gebildet

Ab Mitte des 19. Jahrhunderts begann die gebildete Gesellschaft des Russischen Reiches, sich revolutionäre und liberale Ideen zu eigen zu machen. Die ersten revolutionären Ideen wurden in der Regel von den gebildeten Teilen der Gesellschaft aufgegriffen, d. h. von Menschen, die zumindest lesen und schreiben konnten, während der Großteil der Bauernschaft Analphabeten waren. Die jüdischen Gemeinden in der Ukraine brachten ihren Kindern im Gegensatz zu den meisten ukrainischen und russischen Bauern das Lesen und Schreiben bei, so dass die Juden die revolutionären Ideen früher als der Rest der (ländlichen) Gesellschaft aufnahmen. Trotz ihrer Bildung wurden sie jedoch auf der sozialen Leiter niedriger eingestuft als ein ungebildeter ukrainischer Bauer.

In dieser Zeit schürten die zaristischen lokalen Behörden zur Bekämpfung abweichender Meinungen die antijüdischen Vorurteile, indem sie Juden und gebildete Studenten einfach zu „Schädlingen“ erklärten, die die soziale Ordnung und das Christentum untergraben. In unserer Zeit, in der alle Menschen lesen und schreiben können, ist es schwierig, die Vorstellungen von Gemeinschaften zu verstehen, in denen völliger Analphabetismus herrschte, wie in den bäuerlichen Gemeinschaften in den meisten Teilen des russischen Reiches. Der Glaube an Zauberer und Hexen, das Verursachen von Verletzungen und Krankheiten durch den „bösen Blick“, das Misstrauen gegenüber der Medizin und den Gebildeten, die man für fähig hielt, magische Rituale durchzuführen und damit Schaden anzurichten – solche Überzeugungen waren weit verbreitet und sehr schädlich für das soziale Gefüge.

Im 19. Jahrhundert kam es im Russischen Reich und in der Westukraine (die damals zur österreichisch-ungarischen Monarchie gehörte) zu massiven Choleraausbrüchen. Auch Großbritannien wurde heimgesucht. Viele der Opfer waren frühe Mediziner und Ärzte (obwohl es damals nur wenige wirklich ausgebildete Mediziner gab). Es herrschte der Glaube, dass die Mediziner absichtlich christliche Gläubige ansteckten. Maßnahmen zur Desinfektion von Cholera-Brunnen und anderen Wasserquellen führten zu gewalttätigen Aufständen, da man glaubte, die Sanitätsdienste würden die Brunnen nicht reinigen, sondern vergiften.

Auch Kartoffelunruhen wüteten im ganzen Reich. Die Versuche der Regierung, die Bauern zum Kartoffelanbau zu zwingen, stießen auf großes Unwissen und Widerstand. Nach Vergiftungsfällen, die durch den fälschlichen Verzehr von Kartoffelbeeren verursacht wurden, kamen viele Bauern zu der Überzeugung, dass die Gebildeten die Kartoffeln zur Vergiftung des einfachen Volkes einsetzen wollten. Kartoffeln wurden im Volksmund als „Äpfel des Teufels“ bezeichnet und galten als Omen für das Kommen des Antichristen.

P. Pawlow, ein Kantonist einer Kompanie des preußischen Regiments in der russischen Armee, erinnert sich: „Die alten Leute glaubten, dass diese gebildeten Leute die Diener des Antichristen sind, denn sie sind zwar gebildet, aber so übergebildet, dass sie „Gott vergessen haben„. Wenn wir heute Pommes frites bestellen und gereinigtes Wasser trinken, fällt es uns schwer, das Bewusstsein unserer ungebildeten Vorfahren zu verstehen.

In einer solchen Umgebung gediehen die lächerlichsten Vorurteile. Das Auftauchen eines Fremden in einem Dorf konnte mit dem Tod eines Kindes an Tuberkulose, dem Verlust von Vieh oder einem Hagelschlag, der die Ernte vernichtete, zusammenfallen. Unter solchen Umständen war das Schicksal des Fremden in der Regel nicht zu beneiden.

Wenn die fremde Person außerdem einem anderen Glauben hatte oder anderer ethnischer Herkunft war, konnte er oder sie zum Zauberer oder zur Hexe erklärt werden. Zugleich wurden auch Ukrainer, Russen, Polen und Vertreter anderer Nationen häufig Opfer antijüdischer Gewalt. Das jahrhundertelange Zusammenleben führte natürlich zu vielen Mischehen, so dass jede Person als „heimlicher Jude“ verdächtigt werden konnte, wenn ihr Verhalten, ihr Bildungsniveau oder ihre Kultur etwas abwich. In einer Reihe von Fällen reichte es schon aus, wenn eine Person einfach nicht gerne in die Kirche ging.

Voreingenommenheit und Vorurteile

Die absurdesten Vorurteile betrafen in der Regel Kinder. Roma wurden regelmäßig beschuldigt, Kinder zu stehlen, und Juden wurden beschuldigt, christliche Säuglinge bei der Durchführung religiöser Rituale zu töten. Erstaunlicherweise sind solche Stereotypen unter ukrainischen Nationalisten und Neonazis auch heute noch lebendig. Im Juli 2022 sagte Michail Kowaltschuk, Mitglied des Kiewer Stadtrats und Vorsitzender der rechtsextremen Nationalen Patriotischen Bewegung, dass orthodoxe Juden „Ritualmorde an Kindern begehen“.

„Meistens sind ihre Opfer kleine Kinder, Kinder von Nicht-Juden [Gojim]. Der Satanismus ist eine der Formen des Judentums, bei der den Opfern und der Fütterung ihrer Herren – der dunklen Mächte [des Gottes Jahwe] – besondere Aufmerksamkeit geschenkt wird“, schrieb Kowaltschuk.  In jedem zivilisierten Land würde ein solcher Politiker wegen Aufstachelung zum Rassenhass strafrechtlich verfolgt werden.

Die Wellen antisemitischer Pogrome auf dem Gebiet der heutigen Ukraine sind auch deshalb bemerkenswert, weil Frauen aktiv daran beteiligt waren, sowohl während des Bürgerkriegs 1918-21 als auch während der Nazi-Besatzung. In den Erinnerungen von Zeugen und Opfern der Pogrome ist von der Raserei der ukrainischen Frauen die Rede, die den Jüdinnen buchstäblich die Kleider vom Leib rissen.

Dieser Hass war zum Teil darauf zurückzuführen, dass städtische Frauen mehr Möglichkeiten hatten, sich zu kleiden, ihre eigene Kleidung zu nähen und Kosmetika zu verwenden, selbst wenn sie Vertreterinnen der städtischen armen Schichten waren.

Jüdische Schneiderinnen und Näherinnen in der Ukraine waren berühmt für ihr Können und ihre Fähigkeit, aus den billigsten Materialien schöne Kleider zu nähen. Seit dieser Zeit erzählt ein beliebter Witz in der Ukraine von einem jüdischen Schneider aus Berdychiv (einer kleinen Stadt in der Region Zhytomyr mit einer großen jüdischen Bevölkerung), der das neue Kleid einer Aristokratin begutachtet.

„Schönes Kleid! Woher kommt es?“, fragt der Schneider.

„Es ist aus einer Pariser Boutique“, lautet die Antwort.

„Und wie weit ist das von unserem Berdychiv entfernt?“

„Tausende von Kilometern!“

„Meine Güte, das mag zwar weit weg in der Provinz sein, aber sie nähen nicht schlecht.“

Gleichzeitig herrschte in den ländlichen Gemeinden eine traditionelle, paternalistische Moral vor, die die Frauen mit einer Fülle von Verboten umgab, die zwar oft frivol waren, aber jeden ihrer Schritte regelten. In einer ländlichen Gemeinde wurde eine Frau, die es wagte, außerhalb von Feiertagen helle Farben zu tragen, die die einfachsten Kosmetika benutzte oder ihren Kopf in der Öffentlichkeit nicht bedeckte, als Prostituierte gebrandmarkt und geächtet. Junge städtische Jüdinnen wiederum, die im städtischen Umfeld in der Regel mehr Freiheiten genossen, galten als gefährliche „Konkurrentinnen“, die in der Lage waren, der Familie den Ehemann zu stehlen und eine kinderreiche Mutter ohne Ernährer zurückzulassen. In solchen Situationen war nach der traditionellen Moral nicht der Mann schuldig, mit einer anderen Frau durchgebrannt zu sein, sondern die Frau, weil sie zu attraktiv aussah.

Alkoholmissbrauch war eine weitere häufige Ursache für antijüdische Vorurteile. Da es Juden verboten war, in der Landwirtschaft tätig zu sein, eröffneten viele von ihnen Kneipen und Bars in städtischen Gebieten. Dort versoffen die städtischen Unterschichten und Bauern ihr Geld. Der Hass der Trunkenbolde und ihrer Frauen, die aufgrund der Trunkenheit mittellos und ohne Lebensunterhalt dastanden, entlud sich oft gegen die Besitzer der Kneipen und Bars und eskalierte manchmal in einem antisemitischen Pogrom. In einer Zeit wachsender sozialer Spannungen konnte jeder Funke, jede betrunkene Schlägerei in einer Kneipe, zu einem irrationalen und sinnlosen Aufruhr führen, in dessen Folge eine ganze Stadt niedergebrannt werden konnte. Dies konnte das Leben der einfachen Menschen kaum verbessern.

Wenn man die Wurzeln des Antisemitismus analysiert, sollte man verstehen, dass er auch von reaktionären Kräften geschickt eingesetzt wurde, wenn es darum ging, „Dampf abzulassen“ und der Unzufriedenheit Luft zu machen. Anstatt Wut und Zorn gegen die Reichen und die herrschenden Autoritäten zu richten, wurde sie gegen „die Anderen“ gerichtet. In der ukrainischen Gesellschaft wurde der Antisemitismus zu Beginn des 20. Jahrhunderts künstlich angeheizt, als die Unzufriedenheit mit dem herrschenden Gesellschaftssystem wuchs.

„Die Oktoberrevolution durchschlug schließlich den gordischen Knoten aller möglichen Verleumdungen und zeigte mit eigenen Augen, dass unter dem Deckmantel antisemitischer und anderer nationaler und religiöser Pogrome die revolutionäre Bewegung in Wirklichkeit geschlagen, das Klassenbewusstsein der arbeitenden und bäuerlichen Bevölkerung überschattet und die Reaktion künstlich gefördert wurde. Das alte Regime konnte nicht ohne Pogromdroge leben, ohne religiöse und stammesbedingte Vorurteile zu schüren, ohne ein Volk gegen ein anderes aufzuhetzen“, schrieb der sowjetische Professor Samuel Lozinsky in seinem 1929 veröffentlichten Werk Social Roots of Antisemitism.

Um nach der Gründung der ukrainischen Sowjetrepublik antisemitischen Ressentiments entgegenzuwirken, mussten zunächst die Ursachen, die sie hervorgerufen hatten, überwunden werden. In erster Linie ging es um die Ausrottung des Analphabetismus. In einem Land, in dem die meisten Bauern Analphabeten waren und das Bildungsbürgertum größtenteils abgewandert war ( sog. Weiße Emigranten), erforderte eine solche Aufgabe zunächst die Ausbildung von Zehntausenden von Lehrern und die Gründung von Dutzenden von neuen Universitäten, die auch ihr Lehrpersonal benötigten. Das Alphabetisierungsprogramm erstreckte sich jedoch nicht auf die Westukraine, die bis 1939 zu Polen gehörte. In diesem Teil der Ukraine herrschte bis in die 1950er Jahre ein hohes Maß an Analphabetismus und Klerikalismus.

Unmittelbar nach der Februarrevolution 1917 wurde der Ansiedlungsrayon abgeschafft, der es den Juden verboten hatte, sich überall in den Hauptstädten und ländlichen Gebieten niederzulassen und landwirtschaftliche Flächen zu besitzen. Während des Bürgerkriegs in der Ukraine musste die Bevölkerung in den jüdischen Vierteln Selbstverteidigungseinheiten bilden, um sich vor Nationalisten und zahlreichen Räuberbanden zu schützen. Ein großer Teil dieser Einheiten schloss sich später der Roten Garde an. Die Prinzipien des Internationalismus machten die Roten zur am wenigsten gefährlichen politischen Kraft im Bürgerkrieg. In der Westukraine entstand 1920 die kurzlebige Galizische Sowjetrepublik, in der sofort drei Sprachen zur Amtssprache erklärt wurden: Ukrainisch, Polnisch und Jiddisch.

Bekämpfung der Ungleichheit in der frühen Sowjetzeit

Nach dem Ende des Bürgerkriegs und der Flucht der Bourgeoisie 1921 herrschte ein akuter Mangel an Fachkräften und einfach gebildeten Menschen. Es war unmöglich, Personal für die Verwaltung oder Offiziere der Roten Armee zu ernennen oder zu wählen, die noch nicht lesen, schreiben und rechnen konnten. Bei den Ernennungen mussten die beruflichen Fähigkeiten berücksichtigt werden. Aus diesem Grund war in den ersten Jahren der Sowjetmacht der Anteil der Ukrainer jüdischer Herkunft in der Regierung höher als ihr Anteil an der Gesamtbevölkerung. Diese Tatsache wurde später von der Nazi-Propaganda ausgenutzt.

Ab April 1923 begannen die Bolschewiki in der Ukraine, eine Politik der Förderung der Einheimischen („Korenisierung“) zu betreiben. Damals betrachteten die Führer der regierenden bolschewistischen Partei den großrussischen Chauvinismus als ein großes Hindernis für die wirtschaftliche und soziale Entwicklung, da er die nationalen und sozialen Bestrebungen der vielen Völker und Nationalitäten in der Sowjetunion ignorierte. In der Praxis äußerte sich die Korenisierung in der Bevorzugung nationaler Minderheiten in Führungspositionen in der bolschewistischen Partei und im Staatsapparat, in der Schaffung nationaler Autonomien und in der beschleunigten Entwicklung nationaler (ethnischer) Kulturen.

Die Korenisierungspolitik in der Ukraine führte zu beachtlichen Ergebnissen. Im Jahr 1926 machten ethnische Ukrainer 54 % der Beamten der Ukrainischen SSR aus. Die Ukrainisierung der bolschewistischen Partei entwickelte sich sogar noch schneller. Im Jahr 1920 machten die Ukrainer 20,1 % der Kommunisten im neuen Land aus; 1925 waren es bereits 52 % und 1933 60 %.  Auf der Grundlage dieser Daten erscheinen spätere Behauptungen antisowjetischer Stimmen auf internationaler Ebene über einen von der Regierung der Sowjetunion in Moskau verübten „Völkermord“ an den Ukrainern (einen so genannten „Holodomor“) unsinnig. Jede Politik der Regierung der Sowjetunion in der Ukrainischen SSR wurde zwangsläufig zu einem großen Teil von ethnischen Ukrainern durchgeführt. Diese stellten damals jedoch die Mehrheit des Personals im ukrainischen Staatsapparat und in der bolschewistischen Partei der ukrainischen Sowjetrepublik.

1924 wurden in der Sowjetunion das Komitee für die Landorganisation der jüdischen Arbeiter (Rus. KomZET) und die Gesellschaft für die Landordnung der jüdischen Arbeiter gegründet. Sie hatten die Aufgabe, einen Teil der jüdischen Bevölkerung auf dem Land anzusiedeln. Sie taten dies in Zusammenarbeit mit der American Jewish Joint Agricultural Cooperation („Agro-Joint“).

Die meisten der auf diese Weise entstandenen jüdisch betriebenen Landwirtschaftsbetriebe befanden sich in der Ukraine und auf der Krim. Die ersten jüdischen Siedlungen/Gemeinden wurden in der Region Cherson gegründet. Im Jahr 1926 wurden im Steppengebiet der Krim und in der Nähe der ukrainischen Städte Krivoy Rog und Zaporozhye jüdisch betriebene Bauernhöfe gegründet. In den Jahren 1927-1930 wurden auf diesen Ländereien jüdische Nationalregionen geschaffen, in denen nicht nur die alltägliche Kommunikation, sondern auch die Büroarbeit und der Schulunterricht auf Jiddisch abgewickelt wurden. In denselben Jahren wurden in der UdSSR Dutzende von anderen nationalen Regionen gebildet – polnische, deutsche, finnische, bulgarische und andere.

Erwähnenswert ist auch, dass die Kommunistische Partei der Ukraine von 1925 bis 1928 von einem Bolschewiken jüdischer Herkunft, Lazar Kaganowitsch, geleitet wurde, der aus der Region Kiew stammte.

Ende der 1920er Jahre waren in der Ukraine 100.000 Juden in der Landwirtschaft beschäftigt. Dies war vor 1917 verboten.

Die Aufteilung des Territoriums der Sowjetrepubliken in nationale autonome Regionen und nationale Regionen sorgte für eine umfassende Entwicklung der jiddischen Kultur, die in den jüdischen nationalen Regionen in Belarus und der Ukraine einen offiziellen Status erhielt.

In einer Reihe von Regionen der Ukraine wurden Gerichtsverfahren in Jiddisch geführt. In Kiew, Odessa und anderen Städten entstand ein Netz von Theatern in jiddischer Sprache. An den Universitäten von Moskau, Kiew, Charkow, Minsk und anderen Städten wurden jüdische Abteilungen und Lehrsäle eingerichtet, und es entstanden Forschungsinstitute für jüdische Folklore, Sprache und Linguistik.

Ein jüdischer Schriftsteller aus Warschau, Israel Joshua Singer, schrieb 1926 über Minsk (Belarus): „Vier Sprachen – Weißrussisch, Russisch, Polnisch und Jiddisch – kamen mir am Bahnhof entgegen. Sie blickten von einer grauen Wand auf mich herab… Ich begegnete ihnen auf Schritt und Tritt, in jedem Volkskommissariat, in jedem Büro – überall.“

1939 gab es 98.216 jüdische Studenten an den Universitäten der UdSSR (11,1 % der Gesamtzahl der Studenten). Zur gleichen Zeit betrug der Anteil der Juden an der Bevölkerung der UdSSR 1,78 %.

1934 wurde im Fernen Osten die Jüdische Autonome Region gegründet, in der Jiddisch die offizielle Sprache war. In der Ukraine wurde in dieser Zeit eine Werbekampagne für die Einwanderung in diese erste jüdische nationale Einheit durchgeführt (das war vor der Gründung des Staates Israel).

Es wurde ein Jüdisches Staatstheater eröffnet und die regionale Bibliothek wurde nach dem jiddischen Autor und Dramatiker Sholem Aleichem benannt. Der Bestand der Bibliothek umfasste eine umfangreiche Literatur zu jüdischen Themen. 1939 lebten etwa 18.000 jüdische Siedler in der Jüdischen Autonomen Region. Doch die Auswanderung in den Fernen Osten stieß bei den ukrainischen Juden nicht auf große Begeisterung. Jüdische religiöse Organisationen unterstützten dieses Projekt nicht. Der Bau von Städten hatte gerade erst begonnen.

Gleichzeitig fühlte sich die jüdische Bevölkerung in den ukrainischen Städten und Dörfern vor dem Angriff Nazi-Deutschlands recht sicher. Tragischerweise waren es die wenigen Tausend jüdischen Familien aus der Ukraine, die vor 1941 in die Jüdische Autonome Region zogen, die dem folgenden Holocaust entgehen sollten.

Das Ergebnis der Korenisierungspolitik war die Herausbildung eines multiethnischen Bildungssystems. Im Frühjahr 1938 gab es in der Ukrainischen SSR 21.656 Schulen, in denen in 21 Sprachen unterrichtet wurde. Es gab 18.101 Schulen mit ukrainischer Unterrichtssprache, 1.550 Schulen mit russischer, 512 mit deutscher, 312 mit jüdischer (jiddischer), 163 mit moldawischer, 54 mit bulgarischer, 50 mit polnischer, 19 mit usbekischer, 14 mit tschechischer, 12 mit griechisch-hellenischer, neun mit weißrussischer, fünf mit tatarischer, vier mit armenischer, zwei mit turkmenischer, zwei mit kirgisischer und je eine mit schwedischer und kasachischer Sprache. Es gab 838 gemischtsprachige Schulen.

Viele nationale Schulen waren zu klein. In der tschechischen Schule in Kiew zum Beispiel gab es nur 19 Schüler und drei Klassen. Einige der Schüler konnten nicht gut Russisch, und es gab nicht genügend Lehrer und Materialien für ein umfassendes Studium der tschechischen Sprache.

In den späten 1930er Jahren begann die Korenisierung zu scheitern. Einige Historiker sind der Ansicht, dass dies auf die Umleitung von Ressourcen in Erwartung eines bevorstehenden Weltkriegs zurückzuführen ist. Aber es ging um mehr als das. Zunächst einmal gab es in der Sowjetunion noch keine gemeinsame Sprache. In vielen der abgelegenen Regionen des zaristischen Russlands sprachen und verstanden nur wenige Menschen Russisch. Sie hatten nur sporadische Kontakte mit den zentralen russischen Behörden, die in der Regel von Vertretern der lokalen Stammesaristokratie (oft über Dolmetscher) abgewickelt wurden.

Häufig lebten die Gemeinden in den nationalen Randgebieten weiterhin nach ihren eigenen Gesetzen, übten ihre Religion aus und hielten ihre Elite an der Macht, sofern sie Steuern zahlten und der Zentralregierung gegenüber formal loyal blieben. Während der Beseitigung des Analphabetismus in der frühen Sowjetzeit wurden die Menschen in der Sowjetunion in ihrer Muttersprache unterrichtet und die russische Sprache wurde als zweite Sprache gelehrt. Infolgedessen sprachen viele nur schlecht Russisch.

Während der militärischen Übungen der Roten Armee in den 1930er Jahren herrschten Zustände, die als „babylonisches Pandämonium“ bezeichnet wurden. In einem Bataillon, das sich aus Kirgisen, Russen, Tataren, Ukrainern, Juden, Baschkiren, Armeniern und Tschetschenen zusammensetzte, konnten die Soldaten einander oft nicht verstehen oder nicht begreifen, was ihre Offiziere von ihnen erwarteten.

Die Industrialisierung in den 1930er Jahren trug zur Abwanderung von Arbeitern aus den nationalen Republiken in andere Regionen bei. In den Schulen, die in den neuen Industriestädten und -regionen gegründet wurden, wurde weiterhin in der Muttersprache unterrichtet, aber die Absolventen dieser „nationalen“ Schulen hatten Schwierigkeiten, an Universitäten in anderen Republiken außerhalb ihrer nationalen Regionen zu studieren. Die sprachliche Vielfalt der 1920er Jahre wurde auf das obligatorische Studium der Sprache der jeweiligen nationalen Republik oder des nationalen autonomen Gebiets sowie auf Russisch als Sprache der interethnischen Kommunikation reduziert. Diese Entscheidung sorgte für Unzufriedenheit unter den nicht-russischen Studenten. Sie sahen es als ungerecht an, dass russischstämmige Studenten die russische Sprache bereits gut beherrschten und daher bei der Ausübung ihrer beruflichen Tätigkeit im Vorteil waren.

In der Zeit nach der Revolution versuchte die UdSSR, die Idee einer universellen Sprache für die internationale Kommunikation zu fördern, ähnlich wie die Kunstsprache Esperanto. Wirtschaftliche Berechnungen ergaben jedoch, dass die Ausbildung des Lehrpersonals, die Übersetzung der gesamten Literatur in eine neue Sprache und die Umschulung aller Erwachsenen und Kinder zu viel Zeit in Anspruch nehmen und enorme Mittel erfordern würden.

Neben der Herausbildung und Entwicklung nationaler Kulturen wurde der Propagierung des Internationalismus mit den Mitteln der Kultur besondere Aufmerksamkeit gewidmet. Damals hatte der lateinische Begriff „Propaganda“ noch nicht den negativen Beigeschmack der englischen Sprache angenommen. Einer der populärsten Filme war die Komödie „Circus“ von 1936. Sie kritisierte den Rassismus in den Vereinigten Staaten.

1939-1941: Antisemitismus als Problem für die Integration der Westukraine

1939 sahen sich die Bewohner der heutigen Westukraine nach der Unterzeichnung des Molotow-Ribbentrop-Nichtangriffspakts im August desselben Jahres plötzlich mit der Sowjetunion verbunden. In den vorangegangenen 20 Jahren hatte sich in der Ukraine eine sowjetische Realität entwickelt, während viele Bewohner der Westukraine bereits unter dem Einfluss der damals in ganz Europa verbreiteten faschistischen Ideen standen.

Besonders unnatürlich war für viele der neuen „westlichen“ Ukrainer die Tatsache, dass Juden als Bürger volle Rechte genossen. Der Nationalsozialismus und andere Formen des imperialistischen Nationalismus lehrten, dass Nicht-Juden durch ihr Geburtsrecht Vorteile hatten, und nicht dadurch, dass sie etwas mit ihren eigenen Händen oder ihrem eigenen Verstand erreicht hatten.

Nach den Pogromen der Nazis und Banderisten im Jahr 1941 in den Städten der Westukraine versuchten lokale Nazis und radikale Nationalisten, die Juden sozusagen „in ihre Schranken zu weisen“, d. h. sie in den Status von Menschen und Bürgern zweiter Klasse zurückzustufen. Für die rechtsgerichteten Ultranationalisten kam die Gleichstellung mit den Juden einem Umsturz der gesamten sozialen Hierarchie gleich. Mit den Pogromen von 1918-1919 und 1941-1943 strebten die Rechten die Rückkehr zur „Normalität“ an. Der Volksgesang der ukrainischen Nationalisten im Jahr 1941 war derselbe wie heute: „Fremder, denk daran, der Ukrainer ist hier Herr!“ 

Der kanadische Historiker ukrainischer Herkunft John-Paul Himka hat über die Motive der Antisemiten in Lemberg in der Westukraine geschrieben und die Pogrome von 1918 und 1941 verglichen:

Vieles von dem, was William W. Hagen über die Beweggründe und das Verhalten der Pogrombeteiligten in Lemberg 1918 schrieb, gilt auch für die Beteiligten in Lemberg 1941. Seine Beobachtung, dass das Pogrom von 1918 ein soziales Ritual war, bei dem „öffentliche Dramen gespielt wurden, um eine aus der rechtmäßigen Ordnung gefallene Gesellschaft zu reparieren“, lässt sich sicherlich auf 1941 übertragen. Dies war die Bedeutung der Rituale, die Juden mit dem Kommunismus identifizierten. Die Wahrnehmung, dass die Juden vor dem Krieg von der untersten Stufe der sozialen Hierarchie in die oberste aufgestiegen waren, erklärt das vehemente Beharren darauf, die Juden „in ihre Schranken zu weisen“. Der soziale Aufstieg der Juden unter den Sowjets verstieß gegen die in der polnischen und ukrainischen Volkskultur tief verwurzelte Auffassung, dass die Juden „passiv, machtlos und wehrlos“ bleiben sollten. Wie schon 1918 waren „karnevaleske Elemente von zentraler Bedeutung“ für den „Charakter und den Zweck“ der Pogrome von 1941. Dies wird dadurch bestätigt, dass während beider Pogrome jüdische Arbeitskräfte zur Reinigung von Straßen und Latrinen eingesetzt wurden. Außerdem rechtfertigte „die Karnevalstradition sexuelle Freizügigkeit, und gewalttätige sexuelle Zurschaustellung war für beide Pogrome charakteristisch.

– Das Lemberger Pogrom von 1941: The Germans, Ukrainian Nationalists, and the Carnival Crowd“, veröffentlicht in den Canadian Slavonic Papers, April 2015 (36 Seiten)Mit anderen Worten: Die Wut des faschistischen Mobs war auf den Wunsch zurückzuführen, Sklaven zu besitzen. Aber es war auch eine unbeabsichtigte Anerkennung des Fortschritts und der Entwicklung der jüdischen Gemeinschaft in der Sowjetukraine vor der Besetzung durch die Nazis.

Im Gegensatz zur Westukraine, die bis 1941 nur anderthalb Jahre unter sowjetischer Herrschaft stand, gab es 1941 in den östlichen/zentralen/südlichen Teilen des Landes weniger Ausbrüche von gewalttätigem Antisemitismus unter den Ukrainern. Dort wurde der Holocaust hauptsächlich von den deutschen Besatzungsbehörden oder von den aus der Westukraine und Polen eingewanderten Banderisten betrieben.

Kurz gesagt, die sowjetische Politik der Bildung für alle und die zentrale Stellung des Internationalismus in der sowjetischen Weltanschauung erwiesen sich als wirksam bei der Verhinderung und Begrenzung des Holocausts, als er sich entfaltete. Tragischerweise bedurfte es mehrerer Jahre eines katastrophalen Krieges in der Ukraine und in ganz Osteuropa, um den deutschen Nationalsozialismus und den Holocaust zu besiegen, den die Nazis und ihre lokalen Kollaborateure anrichteten.

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Dmitri Kovalevich ist ein ukrainischer Journalist und Aktivist der verbotenen ukrainischen kommunistischen Organisation „Borotba“.

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1. November 2022

Waffeninspektion durch US-Truppen: Laut Medienberichten sind US-Soldaten in der Ukraine aktiv

Wie US-amerikanische Nachrichtenportale unter Bezugnahme auf eine anonyme Quelle berichten, sind Streitkräfte des US-Militärs in der Ukraine. Sie seien mit der Inspektion der vom Westen gelieferten Waffen beauftragt, wird ein hochrangiger Beamter des Verteidigungsministeriums zitiert.

Er könne nicht sagen, wo genau die US-Soldaten ihre Inspektionen durchführen, fügte aber hinzu, dass sie in sicherer Distanz zur Frontlinie ihre Aufgaben abarbeiten. Bisher hätte die ukrainische Seite bei der Waffeninspektion kooperiert, sagte der Beamte, der nach eigenen Angaben mit der Sache vertraut ist.

Die Inspektionen sind Teil einer umfassenderen Aktion, die das Außenministerium bereits letzte Woche angekündigt hat. Damit soll sichergestellt werden, dass westliche Waffen nicht in die Hände von russischen Streitkräften, auf den Schwarzmarkt oder in die Hände von Extremisten gelangen. Dem Beamten wurde Anonymität zugesichert.

Bisher hat US-Präsident Joe Biden eine direkte Beteiligung von US-Truppen an den Kämpfen in der Ukraine ausgeschlossen.

1. November 2022

Medienbericht: Uneinigkeit unter US-Republikanern über Hilfe für Ukraine wächst

Die Kontroverse über die Hilfe für die Ukraine wächst in den Reihen der Republikanischen Partei der USA, meldet The Washington Post.
Die Zeitung berichtet, dass der Widerstand oder die Skepsis gegenüber weiteren US-Geldern für Kiew in den vergangenen Wochen zunehme, nachdem der republikanische Minderheitenführer im US-Repräsentantenhaus Kevin McCarthy gewarnt habe, dass seine Partei die Hilfe für die Ukraine einstellen oder einschränken würde, falls sie bei den Zwischenwahlen die Kontrolle über das US-Repräsentantenhaus erlangen sollte. Die Zeitung behauptet:
„Eine seltene Spaltung in der Republikanischen Partei ist entstanden. Eine, die wahrscheinlich zu einem offeneren Kampf eskalieren wird, wenn die Republikaner die Kontrolle über den Kongress erlangen und mit eindringlichen Forderungen von Biden und emotionalen Bitten des ukrainischen Präsidenten Wladimir Selenskij konfrontiert werden.“

Eine Gruppe republikanischer Abgeordneter hatte sich zuvor gegen eine von den Demokraten eingebrachte Bestimmung in einem verbindlichen Gesetzesentwurf ausgesprochen, die es dem US-Justizministerium ermöglicht hätte, der Ukraine Millionen von US-Dollar aus den von Russland beschlagnahmten Vermögenswerten zukommen zu lassen. Der Zeitung zufolge formulierten die meisten Republikaner ihre Einwände unter dem Gesichtspunkt der fiskalischen Verantwortung und sagten, es sei besser, mehr Geld für die Lösung innenpolitischer Probleme auszugeben.

1. November 2022

Blinken möchte telefonieren. Beziehungen und Ukraine-Krieg: Gespräch zwischen chinesischem und US-Außenminister – Von Jens Walter (junge Welt)

https://www.jungewelt.de/artikel/437820.china-und-usa-blinken-m%C3%B6chte-telefonieren.html

1. November 2022

Der 3%-Plan zur Beendigung des Hungers – Von World Beyond War (informationclearinghouse.info)

Das Coop Anti-War Cafe ist das Berlin-Chapter der weltweiten World Beyond War Bewegung.
Die Annahme, dass das Pentagon freiwillig bereit sein könnte, das Budget zu kürzen erscheint allerdings sehr natv.

Dennoch hier der sicherlich wohlgemeinte Vorschlag:

http://www.informationclearinghouse.info/57314.htm

Hier ist ein Vorschlag, der den Hunger auf der ganzen Welt beenden könnte. Nie wieder muss ein Mensch Mangel an Nahrung zum Leben haben. Nie wieder muss ein einzelnes Kind oder Erwachsener die Schrecken des Hungers erleiden. Hunger als Gefahr für jedermann kann der Vergangenheit angehören. Alles, was benötigt wird, abgesehen von Grundkenntnissen in der Verteilung von Ressourcen, sind 3 Prozent des Militärbudgets der Vereinigten Staaten oder 1,5 Prozent aller Militärbudgets der Welt.

In den letzten Jahren wurde das US-Militärbudget dramatisch erhöht. Dieser Plan würde sie auf 97 Prozent ihres derzeitigen Niveaus zurückführen, eine Differenz, die weitaus kleiner ist als der Betrag, der für jedes Jahr nicht berücksichtigt wird . Die US-Militärausgaben würden mehr als doppelt so hoch bleiben wie die der von der US-Regierung bezeichneten häufigsten Feinde – China, Russland und Iran – zusammen.

Aber die Veränderung der Welt wäre gewaltig, wenn der Hunger beseitigt würde. Die Dankbarkeit gegenüber denen, die es getan hatten, würde gewaltig sein. Stellen Sie sich vor, was die Welt von den Vereinigten Staaten halten würde, wenn sie als das Land bekannt wären, das den Welthunger beendet hat. Stellen Sie sich mehr Freunde weltweit vor, mehr Respekt und Bewunderung, weniger Feinde. Die Vorteile für die unterstützten Gemeinschaften wären transformierend. Die aus Elend und Arbeitsunfähigkeit geretteten Menschenleben wären ein enormes Geschenk an die Welt.

Hier ist, wie 3 Prozent der US-Militärausgaben es tun könnten. Im Jahr 2008 sagten die Vereinten Nationen, dass 30 Milliarden Dollar pro Jahr den Hunger auf der Erde beenden könnten, wie die New York Times , die Los Angeles Times und viele andere Medien berichteten. Die Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (UN FAO) teilt uns mit, dass die Zahl immer noch aktuell ist.

Ab 2019 betrug das jährliche Basisbudget des Pentagon plus Kriegsbudget plus Atomwaffen im Energieministerium plus Militärausgaben des Heimatschutzministeriums plus Zinsen auf defizitäre Militärausgaben und andere Militärausgaben insgesamt weit über 1 Billion US-Dollar. tatsächlich 1,25 Billionen Dollar. Drei Prozent einer Billion sind 30 Milliarden.

Die weltweiten Militärausgaben belaufen sich auf 1,8 Billionen US-Dollar, wie vom Stockholm International Peace Research Institute berechnet, sind das nur 649 Milliarden US-Dollar an US-Militärausgaben im Jahr 2018 umfasst, sodass die tatsächliche globale Gesamtsumme weit über 2 Billionen US-Dollar liegt. Eineinhalb Prozent von 2 Billionen sind 30 Milliarden. Jede Nation auf der Erde, die über ein Militär verfügt, kann aufgefordert werden, ihren Anteil zur Linderung des Hungers zu leisten.

Die Mathematik

3 % x 1 Billion US-Dollar = 30 Milliarden US-Dollar

1,5 % x 2 Billionen US-Dollar = 30 Milliarden US-Dollar

Was wir vorschlagen

Unser Vorschlag ist, dass der US-Kongress und eine zukünftige US-Regierung, die sich dem Ziel der Beendigung des Hungers verschrieben haben, damit beginnen, die Sanktionen gegen andere Nationen zu beenden, die den Hunger verschärfen, und eine jährliche Kürzung der Militärausgaben um mindestens 30 Milliarden Dollar zu erlassen. Eine Reihe von Denkfabriken hat verschiedene Wege vorgeschlagen , wie die Militärausgaben reduziert werden könnten um diesen Betrag oder mehr. Diese Einsparungen sollten speziell in Programme umgeleitet werden, die darauf abzielen, den Hunger weltweit zu reduzieren, und die direkten Kompromisse zwischen Militärkürzungen und der Beseitigung des Hungers sollten den US-Steuerzahlern und der Welt ausdrücklich präsentiert werden.

Wie diese Mittel ausgegeben würden, erfordert eine detaillierte Analyse und würde sich wahrscheinlich jedes Jahr ändern, wenn spezifische Nahrungsmittelbedürfnisse entstehen. Erstens könnten die Vereinigten Staaten ihre internationale Hilfe sowohl für sofortige humanitäre Hilfe als auch für die längerfristige landwirtschaftliche Entwicklung auf ein Pro-Kopf-Niveau erhöhen, das mit anderen großen Gebern wie Großbritannien, Deutschland und einer Reihe skandinavischer Länder vergleichbar ist. Kurzfristig sollten die Vereinigten Staaten ihre Beiträge zu den Spendenaufrufen des Welternährungsprogramms der Vereinten Nationen erhöhen, die zur Bewältigung humanitärer Krisen weltweit benötigt werden (von denen viele auf Konflikte zurückzuführen sind, die durch US-Waffenverkäufe und/oder durch die Aktionen der USA angeheizt werden das US-Militär).

Ein Teil dieser Mittel sollte auch der längerfristigen, nachhaltigen Verbesserung der Landwirtschaft und der Lebensmittelmarktsysteme in gefährdeten Ländern durch die Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen sowie verschiedene auf diese Bereiche spezialisierte Forschungsinstitute und Stiftungen gewidmet werden. Obwohl die Weltbank und andere internationale Finanzinstitutionen eine gemischte Bilanz in Bezug auf die Unterstützung der Bedürftigsten vorweisen, sollte eine Erhöhung der US-Beiträge in Betracht gezogen werden, die speziell an die Unterstützung der Landwirtschaftsministerien bestimmter ausgewählter Länder gebunden sind, um die langfristige Ernährungssicherheit zu verbessern diese Länder.

Die einzige Bedingung für diese Spenden wäre, dass die Verwendung der Gelder vollständig transparent ist, alle Ausgaben öffentlich erfasst werden und die Mittel nur nach Bedarf verteilt werden, ohne in irgendeiner Weise von politischen Absichten beeinflusst zu werden.

Die oben skizzierten Schritte könnten mit minimalen neuen Gesetzgebungsbehörden oder einer Reorganisation der US-Regierung durchgeführt werden. Eine zukünftige US-Regierung könnte Budgetanträge an den Kongress stellen und unabhängig vom Kongress Budgets verabschieden, die die vom Außenministerium verwalteten Hilfsprogramme (mit Ausnahme derjenigen im Zusammenhang mit militärischer Hilfe) dramatisch erhöhen. Dies sollte auch eine Änderung der Hilfsprioritäten beinhalten, hin zu einer Fokussierung auf die bedürftigsten Länder und einer Abkehr von politisch motivierten Programmen. Bereits bestehende Initiativen wie das unter der Obama-Regierung geschaffene, aber bis heute andauernde „Feed the Future“-Programm sollten verstärkt finanziert werden.

Häufige Fragen:

Sagt die UN FAO nicht, dass 265 Milliarden Dollar benötigt werden, um den Hunger zu beenden, nicht 30 Milliarden?

Nein, tut es nicht. In einem Bericht aus dem Jahr 2015 schätzte die UN FAO, dass 15 Jahre lang 265 Milliarden US-Dollar pro Jahr erforderlich wären, um extreme Armut dauerhaft zu beseitigen – ein viel umfassenderes Projekt, als nur das Verhungern jedes Jahr zu verhindern. Der Sprecher der FAO erklärte in einer E-Mail an World BEYOND War: „Es wäre falsch, die beiden Zahlen [30 Milliarden Dollar pro Jahr zur Beendigung des Hungers vs. 265 Milliarden Dollar über 15 Jahre] zu vergleichen, da die 265 Milliarden unter Berücksichtigung einer Zahl berechnet wurden von Initiativen, einschließlich Geldtransfers zum Sozialschutz, die darauf abzielen, Menschen aus extremer Armut und nicht nur aus Hunger zu befreien.“

Die US-Regierung gibt bereits 42 Milliarden Dollar pro Jahr für Entwicklungshilfe aus. Warum sollte es weitere 30 Milliarden Dollar ausgeben?

Als Prozentsatz des Bruttonationaleinkommens oder pro Kopf geben die USA viel weniger Hilfe als andere Länder. Außerdem sind 40 Prozent der derzeitigen US-„Hilfe“ keine Hilfe im gewöhnlichen Sinne; es sind tödliche Waffen (oder Geld, mit dem man tödliche Waffen von US-Unternehmen kaufen kann). Hinzu kommt, dass die US-Hilfe nicht nur bedarfsorientiert ausgerichtet ist, sondern weitgehend auf militärischen Interessen basiert. Die größten Empfänger sind Afghanistan, Israel, Ägypten und der Irak, Orte, die nach Ansicht der Vereinigten Staaten am dringendsten Waffen benötigen, nicht Orte, die eine unabhängige Institution als den größten Bedarf an Nahrungsmitteln oder anderer Hilfe erachtet.

Privatpersonen in den USA spenden bereits hohe Preise für wohltätige Zwecke. Warum brauchen wir die Hilfe der US-Regierung?

Weil Kinder in einer Welt voller Reichtum verhungern. Es gibt keine Beweise dafür, dass die private Wohltätigkeit abnimmt, wenn die öffentliche Wohltätigkeit zunimmt, aber es gibt viele Beweise dafür, dass die private Wohltätigkeit nicht alles ist, was sie sein soll. Die meisten US-amerikanischen Wohltätigkeitsorganisationen gehen an religiöse und Bildungseinrichtungen in den Vereinigten Staaten, und nur ein Drittel geht an die Armen. Nur ein kleiner Bruchteil geht ins Ausland, nur 5 %, um den Armen im Ausland zu helfen, nur ein Bruchteil davon, um den Hunger zu beenden, und ein Großteil davon geht an Gemeinkosten verloren. Der Steuerabzug für wohltätige Spenden in den Vereinigten Staaten scheint zu  bereichern die Reichen. Einige mögen „Überweisungen“, also Gelder, die von Migranten, die in den Vereinigten Staaten leben und arbeiten, nach Hause schicken, oder die Investition von US-Geldern im Ausland für irgendeinen Zweck, als Auslandshilfe zählen. Aber es gibt einfach keinen Grund, warum die private Wohltätigkeit, ganz gleich, worin sie Ihrer Meinung nach besteht, nicht gleich bleiben oder zunehmen könnte, wenn die öffentliche US-Hilfe näher an das Niveau internationaler Normen herangeführt würde.

Nimmt Hunger und Unterernährung weltweit nicht ohnehin ab? 

Nein. Die Zunahme von Konflikten auf der ganzen Welt und klimabedingte Faktoren haben   in den letzten Jahren dazu beigetragen, dass 40 Millionen Menschen unterernährt sind. Obwohl es in den letzten 30 Jahren nur langsame Fortschritte bei der Verringerung der Unterernährung gegeben hat, sind die Trends nicht ermutigend und etwa 9 Millionen Menschen sterben jedes Jahr an Hunger .

Was du tun kannst

Unterstützen Sie den 3-Prozent-Plan zur Beendigung des Hungers im Namen Ihrer Organisation.

Helfen Sie uns, Werbetafeln an wichtigen Orten in den Vereinigten Staaten und auf der ganzen Welt aufzustellen, indem Sie hier einen Beitrag leisten . Sie können sich keine Werbetafel leisten? Verwenden Sie Visitenkarten: Docx , PDF .

Schließen Sie sich an oder starten Sie ein World BEYOND War Chapter in Ihrer Nähe, das Bildungsveranstaltungen veranstalten, Gesetzgeber beeinflussen und solche Erklärungen verbreiten kann.

Wenden Sie sich an World BEYOND War, um sich an dieser Kampagne zu beteiligen.

Schreiben Sie einen Kommentar oder einen Leserbrief, indem Sie die Informationen auf dieser Seite, Ihre eigenen Worte und diese Tipps verwenden .

Drucken Sie diesen Flyer in Schwarzweiß auf farbigem Papier aus: PDF , Docx . Oder drucken Sie diesen Flyer aus .

Bitten Sie Ihre lokale Regierung, diese Resolution zu verabschieden .

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