Schluss mit Rassismus und Russophobie! Frieden mit Russland! Rede von Heiner Bücker am Brandenburger Tor in Berlin. Sonntag 2.10.2022

Vielen Dank für die Einladung heute hier spechen zu dürfen. Mein Name ist Heiner Bücker, ich betreibe seit 2005 das Coop Antikriegscafe in Berlin Mitte am Hackeschen Markt.

Ich bin Mitglied in der Partei Die Linke, in der Kommunistischen Plattform, Mitglied der VVN-BdA – Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes, Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten, Mitglied im Vorstand des Deutschen Friedensrats und ich vertrete hier in Berlin die internationale Friedensbewegung World Beyond War – Welt jenseits von Krieg- die über 700 Organisationen aus 192 Ländern repräsentiert. Mit anderen Worten ich bin gegen Krieg.

Wir sind auch an jedem Wochenende hier am Brandenburger Tor mit einer Organisation, Frente Unido America Latina, wo wir Staaten und progressive Bewegungen aus Lateinamerika vertreten und wo wir auch immer wieder darauf hinweisen, dass die Russophobie hier in Deutschland herrscht und dass wir uns vor Russland stellen müssen und auch vor die Staaten, die in Lateinamerika für eine multipolare Weltordnung eintreten.

Persönlich bin ich ein Bewunderer von Sahra Wagenknecht. Insbesondere wenn sie sagt: „Wenn die AfD sagt, der Himmel ist blau, werde ich noch lange nicht behaupten, er sei grün.“ und dem würde ich mich heute hier auch so anschliessen.

Allerdings gehe ich noch einen Schritt weiter als Sahra Wagenknecht und bekenne ganz offen ein Russlandversteher zu sein. Denn wir müssen Russland und auch dessen Präsidenten verstehen.

Und ich meine auch, dass Russland legitime Sicherheitsinteressen hat, die jetzt nicht respektiert werden und auch in der Vergangeneheit nicht respektiert wurden. Deshalb argumentiere ich, dass Russland eigentlich einen Verteidigungskrieg führt, und keinen Angriffskrieg. Denn dieser Krieg hat nicht in diesem Februar begonnen, sondern bereits mindestens 2014, nach einem völkerrechtswidrigen Putsch in der Ukraine.

Berlin ist die Hauptstadt Deutschlands. Zunächst gab es zahlreiche Bedenken dagegen. Aber Michael Gorbaschow hat 1991 der Wiedervereinigung Deutschlands zugestimmt. Allerdings auf Grundlage ganz konkreter Zusagen, nämlich das die NATO keinen Schritt weit nach Osten vorrückt. Alle diese Versprechen wurden gebrochen und heute steht NATO fast an der Grenze Russlands.

Die Ukraine ist kein zwar NATO Mitglied, aber NATO-Ausbilder sind im Land und die USA und der Westen haben Milliarden an Finanzmitteln und Waffen ins Land gepumpt.

Der Deutsch-Sowjetische Krieg begann vor 81 Jahren im Juni 1941 mit dem sogenannten Unternehmen Barbarossa. Ein Raub- und Vernichtungskrieg gegen die UDSSR von unvorstellbarer Grausamkeit. In der Russischen Föderation wird der Krieg gegen Deutschland als Großer Vaterländischer Krieg bezeichnet. Bis zur Kapitulation Deutschlands im Mai 1945 starben ca. 27 Millionen Bürger der Sowjetunion, die Mehrheit davon Zivilisten,

Es war ein Krieg der wie das faschistische Deutschland erklärte gegen den jüdischen Bolschewismus und die slawischen Untermenschen gerichtet war.

Heute unterstützten Deutschlands führende Kreise wieder dieselben rechtsradikalen und russophoben Gruppen in der Ukraine mit denen wir bereits während des 2. Weltkriegs kooperiert haben. Diesmal gegen Russland.

Wenn jetzt eine immer stärkere Bewaffnung der Ukraine propagiert und die völlig unrealistische Forderung aufgestellt wird, die Ukraine müsse den Krieg gegen Russland gewinnen, oder zumindest dürfe die Ukraine diesen Krieg nicht verlieren – während immer weitereSanktionspakete gegen Russland verabschiedet werden – dann zeugt dies von einer immer stärker werdenden Russophobie

Das im Frühjahr 2014 durch einen Putsch in der Ukraine installierte rechtsradikale Regime hat intensiv daran gearbeitet, eine faschistische Ideologie in der Ukraine zu verbreiten. Der Hass gegen alles Russische wurde permanent genährt und hat immer mehr zugenommen.

Die Verehrung rechtsextremer Bewegungen und ihrer Führer, die mit den deutschen Faschisten im 2. Weltkrieg zusammenarbeiteten hat immens zugenommen. Beispielsweise für die paramilitärische Organisation Ukrainischer Nationalisten (OUN), die den deutschen Faschisten bei der Ermordung abertausender Juden half, und für die Ukrainische Aufständische Armee (UPA), die zig-Tausende von Juden und andere Minderheiten ermordet hat. Die Pogrome richteten sich übrigens auch gegen ethnische Polen, sowjetische Kriegsgefangene und pro-sowjetische Zivilisten. Insgesamt kamen 1,5 Millionen, ein Viertel aller im Holocaust ermordeten Juden, aus der Ukraine. Sie wurden von deutschen Faschisten und ihren ukrainischen Helfern und Helfershelfern verfolgt, gejagt und brutalst ermordet.

Seit 2014, seit dem Putsch wurden in erstaunlichem Tempo Denkmäler für Nazi- Kollaborateure und Holocaust-Täter errichtet. Es gibt inzwischen hunderte Denkmäler, Plätze und Straßen, zu Ehren von Nazi-Kollaborateuren. So viele wie in keinem einzigen anderen Land in Europa.

Eine der wichtigsten Personen, die in der Ukraine verehrt wird, ist Stepan Bandera.

2016 wurde ein Kiewer Boulevard nach Bandera benannt. Besonders obszön deshalb, weil diese Straße nach Babi Jar führt, zu der Schlucht am Stadtrand von Kiew, an der deutsche Nazis mit Unterstützung ukrainischer Kollaborateure in zwei Tagen weit über 30.000 Juden in einem der größten Einzelmassaker des Holocaust ermordeten.

In zahlreichen Städten gibt es Denkmäler auch für Roman Shukhevych, ein weiterer wichtiger Nazi-Kollaborateur, der die Ukrainische Aufständische Armee (UPA) befehligte, verantwortlich für die Ermordung von Tausenden von Juden und Polen. Nach ihm wurden auch Dutzende von Straßen benannt.

Eine weitere wichtige, von den Faschisten verehrte Person ist Jaroslav Stezko der 1941 die sog. Unabhängigkeitserklärung der Ukraine verfasste und die Deutsche Wehrmacht willkommen hieß. Stezko versicherte in Briefen an Hitler, Mussolini, und Franco, dass sein neuer Staat ein Teil von Hitlers Neuer Ordnung in Europa sei. Außerdem erklärte er: „Moskau und die Juden sind die größten Feinde der Ukraine.“

Kurz vor der Nazi-Invasion versicherte Stezko (dem OUN-B-Führer) Stepan Bandera: „Wir werden eine ukrainische Miliz organisieren, die uns helfen wird, die Juden zu entfernen.“

Er hielt Wort – die deutsche Besatzung der Ukraine wurde von schrecklichen Pogromen und Kriegsverbrechen begleitet, an denen die OUN-Nationalisten teils führend beteiligt waren.

Nach dem Krieg lebte Stezko bis zu seinem Tod in München, von wo aus er Kontakte mit vielen Resten nationalistischer oder faschistischer Organisationen wie z.B. aus dem Taiwan Chiang Kai-sheks, aus Franco-Spaniens, und Kroatiens aufrecht erhielt. Er wurde Präsidiumsmitglied in der World Anti-Communist League.

Am Ende des Zweiten Weltkriegs war Kanada der Hauptzufluchtsort für Banderisten (35.000 Einwanderer) und baltische Nazis. Unter ihnen war Mykhailo Khomiak war, Herausgeber der wichtigsten Nazi-Zeitung in Mitteleuropa, seine Enkelin Chrystia Freeland, folgte den politischen Grundsätzen ihres Großvaters. Jetzt ist die Banderistin kanadische Vizepremierministerin.

Der deutsche Einmarsch in die Ukraine 1941 wurde mit Spruchbändern und Proklamationen wie „Ehre Hitler! Ehre sei Melnyk!“ zelebriert.

Andryi Melnyk, der jetzt entlassenene Botschafter der Ukraine in Deutschland ist ein glühender Bewunderer Banderas, an dessen Grab er in München Blumen niederlegte und dies sogar stolz auf Twitter dokumentierte. In München leben viele Ukrainer, die sich regelmäßig am Grab Banderas versammeln. Melnyk leugnete in einem Podcast die Verbrechen Banderas.

In Israel weiß man um all diese Auswüchse des Rassismus und der Russophobie in der ukrainischen Politik und schließt sich vielleicht auch deshalb den massiven antirussischen Sanktionen nicht an. Kürzlich gab es sogar einen Auftritt eines israelischen Rabbiners, der die ukrainische Politik auf das Schärfste kritisierte. Er nannte Bandera einen Faschisten, den die Ukraine verherrliche und damit Verbrecher und Mörder.

Israel hat viele Gründe … bittere, gewichtige Gründe, die scheinbar hierzulande, im „Antineonaziland“ lieber „gedeckelt“ werden.

Sicherlich verehren nicht alle Ukrainer diese menschenverachtenden faschistischen Vorbilder, aber ihre Anhänger sind in großer Anzahl in der ukrainischen Armee, in den Polizeibehörden, im Geheimdienst und in der Politik vertreten. Weit über 10.000 russischsprachige Menschen haben wegen diesem von der Regierung in Kiew angestacheltem Hass gegen Russen seit 2014 im Osten der Ukraine in der Donbassregion ihr Leben verloren.

Es ist unbegreiflich, dass die deutsche Politik wieder dieselben russophoben, rassistischen Ideologien unterstützt, auf deren Basis das Deutsche Reich 1941 willige Helfer vorfand, mit denen man eng kooperierte und gemeinsam mordete.

Alle anständigen Deutschen sollten vor dem Hintergrund der deutschen Geschichte, der Geschichte von Millionen ermordeter Juden und Abermillionen ermordeter sowjetischer Bürger im 2. Weltkrieg jegliche Zusammenarbeit mit diesen Kräften in der Ukraine zurückweisen. Auch die von diesen Kräften in der Ukraine ausgehende Kriegsrhetorik müssen wir vehement zurückweisen. Nie wieder dürfen wir als Deutsche an einem Krieg gegen Russland in irgendeiner Form beteiligt sein.

Alle mühsam aufgebauten freundschaftlichen Beziehungen zu Russland sind jetzt zerstört.

Die Russen wollen ungestört in ihrem Land und zusammen mit anderen Völkern leben – ohne ständig von westlichen Staaten bedroht zu sein, weder durch den unablässigen militärischen Aufmarsch der NATO vor Russlands Grenzen, noch indirekt durch den hinterhältigen Aufbau eines Anti-Russlands in der Ukraine unter Ausnutzung historischer nationalistischer Irrtümer.

Es geht also zum einen um die schmerzliche und beschämende Erinnerung an den so ungeheuerlichen wie grausamen Vernichtungskrieg, den das faschistische Deutschland der gesamten Sowjetunion – vor allem der ukrainischen, der belorussischen und der russischen Republik angetan hat.

Zum anderen um das ehrende Gedenken der Befreiung Europas und auch Deutschlands vom Faschismus, die wir den Völkern der UdSSR verdanken, einschließlich der daraus erwachsenden Verpflichtung, für eine gedeihliche, vernünftige und friedliche Nachbarschaft mit Russland in Europa einzustehen. Damit verbinde ich Russland verstehen und dieses Russland Verstehen (wieder) politisch wirksam zu machen.

Wladimir Putins Familie überlebte die Blockade Leningrads die ab September 1941 900 Tage andauerte und fast 1 Million Tote kostete, die meisten Menschen verhungerten.

Dies alles müssen wir verstehen und uns auch in großer Ehrerbietung vor dem sowjetischen Volk und damit auch vor dem russischen Volk verneigen. Wir müssen die eskalierende Russophobie als extreme Form von Rassimus zurückweisen. – Frieden mit Russland

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