Während sich die von den USA ausgelöste Ukraine-Krise fortsetzt, sieht sich die EU mit düsteren Aussichten auf eine Deindustrialisierung konfrontiert (Global Times)

https://www.globaltimes.cn/page/202209/1276017.shtml

Die in letzter Zeit in Europa heiß diskutierte „Deindustrialisierung“ überschattet die Bemühungen westlicher Industrieländer, ihre Industrialisierung wieder aufzubauen.  

„Deindustrialisierung“ ist in den westlichen Ländern nichts Neues. Seit den 1970er Jahren haben Industrien in Europa und den USA ihre Länder aus umfassenden Gründen verlassen. Aber die neueste Welle der „Deindustrialisierung“, mit der Europa derzeit konfrontiert ist, wird weitgehend von einem einzigen Effekt beeinflusst, nämlich steigenden Energiepreisen und importierter Inflation, wodurch alle alten Probleme, die bereits existierten, weiter aufgedeckt werden. 

Mehrere Jahrzehnte lang war der steigende Anteil der tertiären Industrien, einschließlich Finanz- und Dienstleistungsindustrien, in der westlichen Welt der allgemeine Trend. Zweitens verlagerten diese Länder ihre Fertigungsindustrien aufgrund der Globalisierung und der steigenden Produktionskosten bewusst ins Ausland. Viele entwickelte Länder haben das Ziel der „Reindustrialisierung“ im frühen 21. Jahrhundert zunehmend ins Auge gefasst.

Jetzt sind die Strom- und Gaspreise wegen des Russland-Ukraine-Konflikts in die Höhe geschossen. In einem offenen Brief an die Staats- und Regierungschefs der EU, darunter Ursula von der Leyen, die Präsidentin der Europäischen Kommission, hat der europäische Industrieverband Eurometaux jetzt Alarm geschlagen, dass nämlich die eskalierende Energiekrise in Europa eine „existenzielle Bedrohung“ für die Industrie darstellt, und man hat die Staats- und Regierungschefs der EU und der Mitgliedstaaten dazu aufgefordert: „Ergreifen Sie Sofortmaßnahmen, um ihre strategischen stromintensiven Industrien zu erhalten und dauerhafte Arbeitsplatzverluste zu verhindern.“

Wachsende Kosten werden zu einem Mangel an industriellen Rohstoffen in Europa führen, einschließlich Metallen. Zusammen mit steigenden Energiepreisen sowie dem Anstieg der Importpreise aufgrund der Abwertung des Euro wird der Rückgang der Gewinnspannen sowohl den Unternehmen als auch der gesamten Fertigungsindustrie Probleme bereiten. 

Infolgedessen belasten die Auswirkungen des Russland-Ukraine-Konflikts das ungelöste Problem der bisherigen Deindustrialisierung in Europa zusätzlich. 

Natürlich tragen auch Entscheidungsfehler zur derzeitigen Energieknappheit in Europa bei, da einige Länder radikale Energiewendeziele formuliert haben, einschließlich der Entscheidung zum Ausstieg aus der Kernenergie, deren negative Auswirkungen gerade durch die Krise in der Ukraine beschleunigt wurden. Angesichts von Energieproblemen waren einige europäische Länder gezwungen, den Kohleverbrauch zu steigern oder die Lebensdauer einiger Kernreaktoren zu verlängern, was sie nun weiter von Europas früheren Energieambitionen entfernt, sagte Wang Shuo, Professor an der School of International Relations der Beijing Foreign Studies University , sagte der Global Times. 

Darüber hinaus hatte die EU ein Verbot langfristiger Verträge für den Import von Erdgas in den Block vorgeschlagen, um ihre Abhängigkeit von ausländischen Produzenten zu beenden, bevor der Konflikt zwischen Russland und der Ukraine ausbrach, sodass jetzt kein Zugang für vorübergehende Importe mehr besteht. 

Wenn sich die deutsche Wirtschaft, als Motor der europäischen Wirtschaft, verlangsamt, während ihr exportorientiertes Modell beeinträchtigt wird, wird die gesamte Wirtschaft der Eurozone betroffen sein, was laut Wang wahrscheinlich ab dem nächsten Jahr zu einer technischen Rezession in Europa führen wird.

Was noch schlimmer ist, es gibt nicht viel Hoffnung für Europa, in den nächsten Jahren überhaupt Lösungen für Energieknappheit zu finden. Die Regierungen in der EU müssen möglicherweise auf Subventionen zurückgreifen, wenn sie mit höheren Strom-, Gas- und Ölpreisen konfrontiert werden, was ein weiteres Problem aufwirft: „Woher kommt das Geld?“ Unterdessen hat die Europäische Zentralbank Maßnahmen zur Straffung der Geldpolitik als Reaktion auf die wachsende Inflation angekündigt, eine Politik, die dem Vorschlag potenzieller Subventionen in großem Umfang widerspricht. Infolgedessen gibt es nur begrenzten politischen Spielraum für Europa, das mehr leiden wird, wenn sich die Energiekrise hinzieht, während sich der Russland-Ukraine-Konflikt weiter ausdehnt und eskaliert.

Obwohl Europa in dieser Krise ein wichtiger Akteur ist, ist es jedoch nicht in der Lage, das Problem anzugehen, da es nicht in der Lage ist, die Lösung des Konflikts in der Ukraine zu beeinflussen. 

In der Tat wird es eine zunehmende Koordination zwischen den USA und Europa in Bezug auf die Geld- und Wirtschaftspolitik geben, da die USA befürchten, dass der Konflikt zu größeren globalen Marktturbulenzen führt und die US-Interessen beeinträchtigt, aber die aktuelle US-Politik scheint die Welt bewusst weiter in diese Richtung zu drängen, in eine Krise, und anstatt sie zu lindern, da die US-Notenbank die Zinsen gerade zum dritten Mal in Folge um 75 Basispunkte angehoben hat. Damit nutzt sie ihre Geldpolitik, um ihre heimische Wirtschaftskrise auf andere Länder abzuwälzen. 

Sobald die zunehmende Deindustrialisierung Europas Realität wird, könnten die USA außerdem versuchen, davon zu profitieren, indem sie diesen Trend fördern, da die USA zu einem bevorzugten Ziel europäischer Industrien werden, die sich dafür entscheiden, den Kontinent zu verlassen. 

Das ist das Letzte, was die Europäer sehen wollen, nämlich die Bezahlung des von den USA angezettelten Russland-Ukraine-Konflikts. 

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