Händler und Hunnen – Gerhard Schröder über China (junge Welt)

Schröder hat nämlich am Donnerstag im deutschen Politgemüsegarten grob-materialistisch geackert. Er verkündete zur Eröffnung des chinesischen Volkskongresses im Tagesspiegel: »Werte sind schön, Interessen wichtiger«. Darunter war zu lesen: »Eine rein moralisierende Politik gegenüber China ist zum Scheitern verurteilt«. Alles nicht neu und auch nicht ganz ernst, denn dem Titel folgen eine Spalte lang taktische Fouls gegen die Volksrepublik (der Volkskongress – »ein Scheinparlament«; keine Illusionen über die Politik Beijings; in Hongkong lasse es »die Demokratiebewegung zerschlagen«, »im ganzen Land« – Unterdrückung religiöser und ethnischer Minderheiten, »Expansions- und Annexionsdrang« etc.), bevor es geschäftliche Ratschläge gibt: »nicht in den kalten Handelskrieg hineinziehen lassen, den die USA mit China führen«. Denn auch Joseph Biden wolle, dass sich die EU »in die amerikanischen Linien einreihen und gegen China mitmarschieren« solle. Und schließlich: »Der Ansatz, hier gehe es um einen grundsätzlichen Konflikt zwischen ›Demokratie und Autokratie‹, weist in die falsche Richtung.« Diese »moralisierende Außenpolitik« stoße »zunehmend auch im Verhältnis zu anderen Staaten an ihre Grenzen«, wirke »angesichts der globalen Herausforderungen wie aus der Zeit gefallen«.