Kritik an Daniele Ganser und seiner Analyse zu China in der Corona-Krise


Dr. Daniele Ganser: Corona und China: Eine Diktatur als Vorbild?

In diesem Vortrag von Daniele Ganser kann man aber auch ganz klar die falsche Analyse fast aller Corona-Kritiker erkennen, die sich im Umfeld von Querdenken bewegen. Es findet hier nämlich eine völlig undifferenzierte Auseinandersetzung mit dem Ansatz der chinesischen Regierung in Bezug auf die Covid-19 Krise statt.

Chinas Rolle in der Corona-Krise wird von Ganser genauso wie auch in den Mainstream-Medien falsch eingeschätzt. Allein die Wahl des Begriffs Diktatur als Titel des Videobeitrags deutlicht dies. Im Video selbst wird dann vom Historiker Ganser zunächst das Narrativ von der Niederschlagung der „Volksrevolution“ auf dem Platz des Himmlischen Friedens, und dem „Massaker auf dem Tiananmen-Platz“ im Jahr 1989 bemüht.

Inzwischen ist aber anhand von zahlreichen Quellen belegt, dass im Sommer 1989 ein aus dem Ausland gesteuerter Versuch von Regimechange in Peking exerziert wurde. Selbst die Washington Post schrieb in einem Artikel vom 5. Juni 1989, dass gewalttätige Demonstranten – in Gruppen von über 100 Personen, bewaffnet mit Eisenstangen und Molotov-Cocktails – unbewaffnete Soldaten angriffen, anzündeten, sie lynchten und an Bussen aufhingen. Die Tatsache, dass eine nicht näher genannte Zahl chinesischer Soldaten auf bestialische Weise von „friedlichen Demonstranten“ zu Tode gequält wurden, sollte einem Historiker wie Daniele Ganser bekannt sein.

In den westlichen Medien, die Ganser sonst so massiv kritisiert, wird teilweise von bis zu 10.000 Toten berichtet. Sie sollen von chinesischen Truppen auf dem Platz des Himmlischen Friedens massakriert worden sein. Dieses Narrativ wird bisweilen sogar im westlichen Mainstream massiv bestritten. Erst nachdem unbewaffnete chinesische Soldaten reihenweise bestialisch umgebracht wurden, änderte die chinesische Regierung ihre Vorgehensweise und schickte nun schickte bewaffnete Truppen und ließ den Tiananmen-Platz räumen.

Mit dieser fundamental falschen Einschätzung des „Massakers auf dem Tiananmen-Platz“ leitet Ganser dann über zum angeblichen Motiv der Diktatur Pekings, nämlich etwas derartiges nie wieder zuzulassen und ein totales Überwachungssystem zu errichten. Die kommunistische Diktatur habe entschieden, ein solches demokratisches Aufbegehren sich nicht wiederholen dürfe und habe deshalb zum Mittel der totalen Überwachung gegriffen.

Wie uns Ganser das Überwachungssystem, dass in China „Sozialkreditsystem“ genannt wird, erklären will ist schlicht irreführend. Das Sozialkreditsystem gilt nämlich tatsächlich für alle Bürger, auch für Führungspersonal in Wirtschaft und Politik. Und in China wird sehr viel Kritik an Regierung, Behörden und der Partei geübt. Insofern ist das Sozialkreditsystem auch ein sehr wirksames Mittel gegen die Korruption. Hunderttausende von Korruptionsfällen sind inzwischen Gegenstand juristischer Verfahren geworden. Viele korrupte Parteimitglieder wurden aus der KP ausgeschlossen.

Gansers Beschreibung über den Fall von Dr. Li Wenliang, ein chinesischer Augenarzt in der Stadt Wuhan, ist ebenfalls irreführend. Li Wenliang hatte frühzeitig die Gefahren der durch die neue Coronavirusvariante SARS-CoV-2 verursachten Lungenentzündung COVID-19 erkannt und seine ärztlichen Kollegen davor grwarnt. Er wurde dafür von den chinesischen Behörden wegen „Verbreitung von Gerüchten“ gemaßregelt, nachdem er von der Polizei verhört worden war, Li erkrankte später im Verlauf der COVID-19-Pandemie selbst an einer Lungenentzündung und starb im Alter von 33 Jahren an den Folgen dieser Infektion. Später wurde er aber von höchster Stelle rehabilitiert und postmortem zudem noch geehrt.

Desweiteren bemüht Ganser noch die Fälle anderer chinesischer Oppositioneller, so auch die Aussagen von Ai Wei Wei. der die chinesische Strategie im Kampf gegen das Coronavirus in einer deutschen Talkshow so erklärte; „Das totalitäre System funktioniert eher wie das Militär. Man sagt, unser System ist überlegen, unser System ist effizienter als in den demokratischen Systemen anderswo in der Welt'“.

Gansers Analyse, die niedrigen Todeszahlen in China seien falsch und fingiert und entsprächen staatlicher Propaganda ist ebenfalls durch nichts belegt. Er kritisiert aber den Lockdown, und meint es sei eine chinesische Erfindung und China sei eine Diktatur.

Chinesische Blogs und Chats auf Wechat, Sina Weibo zeigen zudem, dass in China Kritik an der Regierung, den Behörden und an der kommunistischen Partei durchaus auch öffentlich geübt wird.

Der Lockdown in Wuhan wurde auch nicht einfach von Präsident Xi persönlich und völlig willkürlich verfügt. Er wurde
vielmehr von einer Kommission unter Führung des Epidemiologen Prof. Nanshan vorgeschlagen. Auch andere internationale Wissenschaftler waren an dem Konzept beteiligt. Prof. Zhong Nanshan ist wegen seiner schonungslosen Kritik an den chinesischen Behörden während des SARS-Ausbruchs, der unter seiner Führung unter Kontrolle gebracht wurde.

Chinas staatliche Behörden und Medien haben auch kontinuierlich über Neuausbrüche in allen Teilen des Landes und ihre berichtet. Es ist daher abstrus den chinesichen Behörden zu unterstellen, viele Tausend Tote und Millionen von Erkrankten zu verheimlichen.

In China wurden die Lockdowns sehr schnell wieder gelockert und zwar regional gesteuert. Daniele Ganser wendet sich gegen Lockdowns, weil diese eine chinesische Erfindung sein sollen und China eine Diktatur sei. Die chinesischen Zahlen hält er für Regierungspropaganda sein.