Deutsche Welle antwortet dem Außenminister von Venezuela, Jorge Arreaza: „Wir sind immer offen für den Dialog. Der beste Weg, um die Position der Regierung widerzuspiegeln, ist ein Interview. Und das haben wir wiederholt angefordert.“

Sehr geehrter Herr Minister Arreaza Montserrat,

danke für Ihr Schreiben, das wir mit leichtem Befremden zur Kenntnis genommen haben.
Sie unterstellen der DW in der Tonalität einer Anklage, dass wir angeblich „mit ideologischem Bekehrungseifer im Gewand einer journalistischen Analyse“ mit „Falschmeldungen und offener Propaganda“ eine „Redaktionslinie gegen Ihr Land zum Ausdruck bringen“.Diesen unhaltbaren Behauptungen muss ich entschieden widersprechen.

Fakt ist, dass die DW über Venezuela mit journalistischer Ausgewogenheit und Objektivität berichtet. Wir unterscheiden in unserer Berichterstattung zwischen Nachrichtenmeldungen, Autorenstücken und Kommentaren. Erstere geben ein aktuelles Geschehen ohne Hintergründe wieder und beziehen sich auf Meldungen anerkannter internationaler Nachrichtenagenturen, gegebenenfalls durch weitere Quellen ergänzt, z.B. Links zu erwähnten Dokumenten oder Organisationen.

Autorenstücke sind namentlich gekennzeichnet, für die Bereitstellung von zusätzlichen Hintergrundinformationen konzipiert und stützen sich vornehmlich auf eigene Recherchen, u.a. Gespräche mit Experten. Kommentare geben die persönliche Meinung der/s ebenfalls namentlich genannten Autors/in wieder und sind deshalb stets eindeutig als solche gekennzeichnet. Sie sind Ausdruck des universellen Rechts auf Meinungsfreiheit und können schon deshalb nicht „eine Haltung der Deutschen Welle“ reflektieren. Wenn Sie gelegentlich unsere Kommentare zur Politik der deutschen Bundesregierung lesen, wird Ihnen auffallen, wie breit das Meinungsspektrum ist und welche Bedeutung die Meinungsfreiheit für die DW hat.
Bei dem von Ihnen kritisierten Artikel vom 14. Januar handelt es sich um eine Nachrichtenmeldung, die Aussagen von Tamara Sujo bei einer von der Organisation Amerikanischer Staaten organisierten Pressekonferenz u.a. in Anwesenheit der Vizepräsidentin des EU-Parlaments wiedergibt. Sie monieren, dass in dieser Meldung keine anderen Stimmen und keine Angaben zu Sujos persönlicher Vorgeschichte auftauchen. Dies ist bei aktuellen Nachrichtenmeldungen nicht üblich, wie Sie z.B. auch an Nachrichtenmeldungen über Präsident Maduro sehen können, in denen weder Gegenmeinungen zu seinen Aussagen auftauchen noch erwähnt wird, dass er von zahlreichen Staaten, u.a. den USA, nicht als Staatsoberhaupt anerkannt wird.

Maduro reta a Guaidó a participar en próximos comicios | Las noticias y análisis más importantes en América Latina | DW | 05.02.2021 (https://www.dw.com/es/maduro-reta-a-guaid%C3%B3-a-participar-en-pr%C3%B3ximos-comicios/a-56462061)
Maduro acusa a Facebook de censurar videos sobre ″goticas milagrosas″ | Las noticias y análisis más importantes en América Latina | DW | 03.02.2021 (https://www.dw.com/es/maduro-acusa-a-facebook-de-censurar-videos-sobre-goticas-milagrosas/a-56435956)

Sie kritisieren außerdem, dass wir in einem Hintergrundstück eines Autors über die Probleme unabhängiger Medien in Venezuela den Präsidenten der Interamerikanischen Pressegesellschaft SIP zitieren, ohne ausführlich auf seine Biographie einzugehen, die ihm Ihrer Meinung nach kein Recht auf Äußerungen zu Venezuela gibt. Das wiederum ist Ihre persönliche Meinung, die aber nichts an der Funktion des zitierten Herrn ändert, und in dieser Funktion wird er zitiert. Zudem werfen Sie uns vor, in diesem Artikel nicht ausführlich auf die Hintergründe Ihrer Proteste gegen die britische Regierung wegen finanzieller Unterstützung privater Medien eingegangen zu sein. In der Tat sind wir Ihnen dankbar für die Bestätigung, dass Sie Ihren Protest nicht nur wegen des Gespräches mit der Pressegewerkschaft eingelegt haben, sondern dass es Ihnen tatsächlich um britische Finanzhilfen für unabhängige Medien in Venezuela ging. Dies werden wir in unserer künftigen Berichterstattung gerne berücksichtigen.

Zu guter Letzt kritisieren Sie den Meinungsartikel unseres Korrespondenten in Bogotá und werfen ihm eine unangemessene Rhetorik vor. Wie Sie wissen, gelten für Kommentare andere Regeln als für Berichte, daher sind sie entsprechend gekennzeichnet. Dass die darin zum Ausdruck gebrachte Meinung nicht allen Leser/innen gefällt, liegt in der Natur der Sache, deshalb möchte ich hier nicht im Einzelnen auf Ihre Angriffe gegen den Kollegen eingehen.

Sie sollten aber wissen, dass auch in unserer Redaktion die Meinungen der Kolleginnen und Kollegen durchaus unterschiedlich sind, und dass bei den lebhaften Diskussionen über das Für und Wider, das Pro und Contra immer wieder Ideen für weitere Artikel entstehen, die dann auch umgesetzt werden. So ist in der Folge des von Ihnen kritisierten Kommentars ein Hintergrundstück publiziert worden, das sich mit den Folgen der unterschiedlichen internationalen Sanktionen gegen Venezuela befasst:
Sanciones: ″Occidente perdió a Venezuela″ | Venezuela en DW | DW | 28.01.2021 (https://www.dw.com/es/sanciones-occidente-perdi%C3%B3-a-venezuela/a-56372349)

Auch die ebenfalls nicht einheitliche Meinung im Europaparlament dazu haben wir ausführlich einem Hintergrundstück dargestellt:
Bruselas y el rompecabezas de Venezuela | Las noticias y análisis más importantes en América Latina | DW | 21.01.2021 (https://www.dw.com/es/bruselas-y-el-rompecabezas-de-venezuela/a-56301403)
Ich finde es bedauerlich, dass Sie unsere täglichen Bemühungen um eine ausgewogene Berichterstattung nicht wahrnehmen und faktisch sogar konterkarieren. So ist, wie Sie sicherlich wissen, unserem Korrespondenten letzthin eine Akkreditierung für eine Berichterstattung über die Parlamentswahlen im Dezember verweigert worden. Auch auf unsere zahlreichen Anfragen für ein Interview mit Präsident Maduro haben wir über mehrere Jahre hinweg nie eine Antwort bekommen.

Wir würden weiterhin gerne auch die Position Ihrer Regierung aus erster Hand abbilden können. Deshalb bekräftige ich hiermit unser Interesse an einem ausführlichen TV-Interview mit Präsident Nicolás Maduro sowie vorsorglich schon jetzt an einer Akkreditierung unseres Korrespondenten für die bevorstehenden Regionalwahlen.

Haben Sie vielen Dank für Ihre Unterstützung. Ich sehe einer positiven Antwort entgegen.
Hochachtungsvoll

Christoph Jumpelt
Corporate Spokesperson
Directorate General