US-Friedensaktivistin Elsa Rassbach kommentiert Beitrag des US-Peace-Council zu den Ereignissen vom 6. Januar 2020 in Washington


Erklärung des US-Friedensrates zu den Ereignissen vom 6. Januar 2020 in Washington DC: Die Bewegung steht vor einer ernsten Bedrohung!
https://cooptv.wordpress.com/2021/01/11/stellungnahme-us-friedensrat-zum-6-januar-washington-bewegung-ernsthaft-bedroht/

Die US-Friedensaktivistin Elsa Rassbach kommentiert die obige Erklärung folgendermassen:

Diese Analyse der gegenwärtigen Lage ist m. E. hervorragend.  Ich teile die Befürchtung, dass die Ereignisse am 06.01.2020 und die schon angekündigten weiteren bewaffneten Proteste der Rechten gegen den Amtsantritt von Joe Biden am 20.01. zum Vorwand gemacht werden, um unter Biden mit einem „multikulturellen Gesicht” die Zensur und Unterdrückung der linken Bewegungen und Kritiker*innen zu verschärfen. Es ist ganz klar, dass der knappe Wahlsieg des “kleineren Übels”, der US Demokratischen Partei, keine grundsätzliche Lösung der Krisen bringen kann.  

Gleichzeitig muss man anerkennen, dass der Wahlsieg der Demokraten im US Kongress  eine derzeit zunehmende anti-rassistische Gesinnung in der US-Gesellschaft belegt.  Wie auch Noam Chomsky bemerkt hat, haben noch nie in der US-Geschichte so viele Weiße sich mit People of Color solidarisiert als bei den Demos 2020 nach der Ermordung von George Floyd.  

Dagegen gibt es eine zunehmend brutale und gefährliche Bedrohung durch Vertreter der weißen Vorherrschaft, die jedoch gar nicht neu in der US-Geschichte ist: Das Land ist doch auf der Grundlage des Landraubs und der Vernichtung und Versklavung von People of Color entstanden. Gegen Ende des US-Bürgerkriegs wurde der US-Präsident Abraham Lincoln in 1865 durch einen fanatischen Anhänger der Konföderation der Südstaaten, die die Sklaverei nicht aufgeben wollten, ermordet.  Auch heute tragen die Rechten die Fahne der Sklavenstaaten des Südens, die im blutigen US-Bürgerkrieg damals besiegt wurden. 

Erst Anfang Januar hat die Demokratische Partei eine Mehrheit im US-Kongress gewonnen, und zwar im Bundesstaat Georgia, im tiefen Süden, durch die Wahl von einem afroamerikanischen und einem jüdischen Senator. Noch nie in der US-Geschichte gab es so viele People of Color und Frauen im US-Kongress wie heute, im Jahr 2021. Sogar eine Mehrheit der Kandidat*innen für Bidens neues Kabinett sind People of Color.  Jedoch ist zu befürchten, dass Biden und die Führung der Demokratischen Partei durch solche Identitätspolitik — wie unter der Obama-Regierung —  nur die alte neo-liberale, neo-koloniale, imperialistische Killer-Drohnen-Politik der USA “stabilisieren” wollen, was nur begrenzt möglich sein wird. 

Am Ende des US-Peace-Council-Beitrags wird leider klar, wie schwach und ausgeliefert unsere unabhängigen linken Bewegungen eigentlich sind.  Sie haben keineswegs den Grad der Organisation wie z. B. die 3. Internationale, die gegen den Faschismus in den 1930er und 40er Jahren international gekämpft hat. Gerade die Friedensbewegung ist durch Querelen und persönliche Konkurrenzen gegenwärtig sehr geschwächt. 

Aber wir tun, was wir können. 

PS:
Mein in den 1980er Jahren produzierten historischer Spielfilm, “The Killing Floor“, den ich gerade wieder in den USA und Kanada herausgebracht habe, ist thematisch verwandt. Er untersucht die Klasse vs. Rasse-Problematik in der Arbeiterbewegung in den Chicagoer Schlachthöfen 1917-1919 zur Zeit der grossen “Rassenkrawallen” in ganz USA in 1919:  https://www.filmmovement.com/product/the-killing-floor

von Elsa Rassbach, Berlin