In Washington regiert die Ordnung des Kapitals

http://canempechepasnicolas.over-blog.com/2021/01/l-ordre-du-capital-regne-a-washington.html
(Übersetzung aus dem Französischen dp)

von Jean Lévy, 7 Janvier 2021

Donald Trump gibt also auf: Soeben hat er seinem Nachfolger „einen geordneten Übergang“ versprochen. Wie auf einer Parade, sind alle französischen Medien in Reih und Glied mit dem „tiefen Staat“ Washingtons angetreten, erklärten die vehemente Agitation des Präsidenten zum gescheiterten „Staatsstreich“, weil einige hundert Demonstranten in die Halle des US-Kongresses eindrangen und eine Wahl anprangerten, die sie für „gefälscht“ halten.

In der Tat geht die stürmische Präsidentschaft eines Vertreters des überwiegend industriell ausgerichteten US-Kapitals zu Ende. Trump verfolgte daher eine Politik zur Unterstützung seiner Volkswirtschaft, was außenpolitisch zu einer isolationistischen Politik führte. Bezeichnenderweise hat er im Gegensatz zu seinen Vorgängern keine neuen Kriege geführt. Sein Nationalismus brachte ihn in Konflikt mit den Giganten der expandierenden Computerindustrie, den großen US-amerikanischen Internetkonzernen und dem Sillicon Valley, die ihrem Wesen nach, keine Grenzen kennen und daher ultra-globalistisch agieren. Das jeweilige Streben nach maximalem Profit hatte zur Folge, dass sie zwei unterschiedliche und unversöhnliche Strategien verfolgten.

Hierzu sei angemerkt, dass die von Trump verteidigten Interessen mit den Forderungen der Arbeiter übereinstimmten: die Priorisierung ihrer Industrien und damit die Verteidigung ihrer Arbeitsplätze. Daher die starke Unterstützung der Arbeiter für Trump, der 2020 zwei Millionen Stimmen mehr erhielt als 2016. Die letzten Patronen, die Trump am Abend des 6. Januar anlässlich der Bestätigung des neuen Präsidenten auf dem Capitol Hill abfeuerte, könnten den Wunsch des besiegten Präsidenten signalisieren, sich als Opfer des “ Washingtoner Rudels“ darzustellen und so seine Rache im Jahr 2024 vorzubereiten.

In Wirklichkeit handelt es sich weder um einen Staatsstreich noch um einen Putsch. Beides hätte die Zusammenarbeit von Polizei und Militär erfordert, die an diesem Tag im Trump Lager völlig abwesend waren. Die etablierte Ordnung wird doch nicht durch ein paar Hundert unbewaffneter Menschen gestürzt.

Die Empörung der französischen Medien und Politiker, die sich sklavisch dem US-Außenministerium unterwerfen, ist nur ein Ausdruck der historischen Unterwerfung der französischen Bourgeoisie unter die Interessen Washingtons. Mit Joe Biden wollen sie den Beschützer zurückgewinnen, den sie vor Trump verehrten, wie auch die Verbindung unseres Landes mit den Kriegstreibern des Pentagon mittels der NATO, die den Kalten Krieg gegen Russland und China beschleunigen.

Das ist ein Grund zur Sorge. Deshalb ist unsere Begeisterung über den Wechsel des Präsidenten in den Vereinigten Staaten nicht gerade groß.

Anmerkung der Übersetzerin: Dass die Internetgiganten nun in großem Maßstab Trump zensieren und seine Konten sperren, ist sicherlich nicht nur Rache, sondern gibt einen Vorgeschmack auf die Zensuren, die all jenen blühen, die es wagen, gegen die Interessen dieser Kraken vorzugehen und zu mobilisieren.

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