Archive for Dezember 7th, 2020

7. Dezember 2020

Die Weltenrichter (II): EU bekommt ein neues Sanktionsregime (german-foreign-policy.com)

Die EU inszeniert sich mit einem neuen Sanktionsregime als globaler Richter und Rächer bei tatsächlichen oder angeblichen Menschenrechtsverbrechen. Ein entsprechendes Sanktionsgesetz, das sich weitgehend am US-amerikanischen „Global Magnitsky Act“ orientiert, haben die EU-Außenminister am gestrigen Montag gebilligt. Es gestattet es der Union, Bürger fremder Staaten, denen schwere Menschenrechtsverstöße vorgeworfen werden, mit dem Einfrieren von Guthaben und mit Visasperren zu bestrafen. Dabei zielt es politisch nur auf Vertreter nicht verbündeter Staaten; Verantwortliche für Folter und staatliche Morde im Westen müssen mit keinerlei Folgen rechnen. Zuletzt hatte das Kosovo, dessen Eliten seit Jahren schwerste Menschenrechtsverbrechen vorgeworfen werden, einen „Magnitsky Act“ mit Sanktionen gegen tatsächliche oder angebliche Missetäter im Ausland beschlossen. Ein EU-Diplomat wurde schon im vergangenen Jahr mit der Aussage zitiert, das neue Sanktionsgesetz solle vor allem zeigen, „dass wir Muskeln haben“. Es ist als Instrument im Kampf um die Weltmacht konzipiert.

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https://www.german-foreign-policy.com/news/detail/8464/

7. Dezember 2020

Rede Jutta Kausch (Berliner Friedenskoordination) Kundgebung u. Menschenkette 5.12. Berlin „Rüstung runter! Geld für Soziales, Gesundheit, Bildung, Kultur und Umweltschutz rauf! Friedens- und Entspannungspolitik jetzt!“


Nächste Woche also soll über den Bundeshaushalt 2021 abgestimmt werden. Wir stecken mitten in einer schweren Wirtschaftskrise. Die Wirtschaft stagniert schon länger. DieCorona-Pandemie überdeckt sie zwar, dennoch ist die Krise da. Und es verdienen einige nicht schlecht, trotz, und auch wegen Corona. Solidarität, ein in diesen Zeiten stark missbrauchter Begriff, wird immer nur vom gemeinen Volk erwartet. Das ist unanständig. Ein solidarisches Verhalten derjenigen, die in den „guten“ Zeiten viel Rendite gemacht haben, den Menschen gegenüber, die heute nicht wissen, wie sie über den nächsten Monat kommen, ist ausgesprochen gering.

Fürs Zahlen ist der Staat zuständig, fürs Kassieren die Aktionäre, Konzerne, Unternehmer. Wir haben heute ja
schon gehört, wofür Geld dringend benötigt wird, und auch ich bin der Meinung, dass staatliches Geld da ausgegeben werden soll, wo es dem Menschen nützt.

Aber: Aufrüstung nützt dem Menschen nicht. Selbst wenn die Nation, die Gemeinschaft, das Volk, also wir, Geld im Überfluss hätten, wäre eine Aufrüstung, wie sie im nächsten Bundeshaushalt und über diesen hinaus, geplant ist, unnötig, ja, sie wäre ein Verbrechen.

Wir brauchen die neuen, präziseren Atombomben nicht, die die USA anschaffen wollen, um sie hier auf deutschem Boden zu stationieren, z.B. in Büchel, und die tief ins Erdreich eindringen können, um Kommandozentralen zu zerstören.

Wir brauchen keine Atombomber, von denen AKK 45 anschaffen will, die dann die erwähnten US-Atomwaffen ins Ziel tragen sollen, damit Deutschland weiterhin nuklearer Teilhaber ist. Und das Ziel, wo soll das sein? Wenn man die Medien verfolgt, kann das nur Russland sein. Denn das ist und bleibt Feindbild Nr. 1.

Wir brauchen keine aggressiven Manöver an russischen Grenzen. Russland gibt gegenwärtig 65 Milliarden für sein Militär aus, die NATO bringt es auf das Fünfzehnfache und hält viermal so viele Soldaten unter Waffen wie Russland.

Wir brauchen keine Bundeswehreinsätze in der Welt, um unsere Werte zu verteidigen, die darin bestehen, uns die wertvollen Ressourcen in den Ländern des Südens zunutze zu machen, möglichst zum Nulltarif.

Wir brauchen auch keine europäische Militarisierung. Um „Verantwortung zu übernehmen“ gibt es viel
Wirkungsvolleres. Wir brauchen keine Cyberwaffen und wir brauchen keinen Raketenabwehrschirm.

Wir brauchen das alles nicht.

Wir brauchen eine Regierung, die unser Grundgesetz ernst nimmt und daran ihre Politik ausrichtet, die nach Innen und die nach Außen. Unser Grundgesetz hat wunderbare Artikel. Z.B. Artikel 25: „Die allgemeinen Regeln des Völkerrechts sind Bestandteil des Bundesrechtes“. Und das Völkerrecht hat als wichtigste Rechtsquelle die Charta der Vereinten Nationen. Die wiederum hat in ihrem ersten Artikel folgendes bestimmt: „den Weltfrieden und die internationale Sicherheit zu wahren und zu diesem Zweck wirksame Kollektivmaßnahmen zu treffen, um Bedrohungen des Friedens zu verhüten und zu beseitigen, Angriffshandlungen und andere Friedensbrüche zu unterdrücken und internationale Streitigkeiten oder Situationen, die zu einem Friedensbruch führen könnten, durch friedliche Mittel nach den Grundsätzen der Gerechtigkeit und des Völkerrechts zu bereinigen oder beizulegen.“

Und im Artikel 26 unseres Grundgesetzes heißt es: „Handlungen, die geeignet sind und in der Absicht vorgenommen werden, das friedliche Zusammenleben der Völker zu stören, insbesondere die Führung eines Angriffskrieges vorzubereiten, sind verfassungswidrig. Sie sind unter Strafe zu stellen“.

Und all die Maßnahmen, die jetzt von der Bundesregierung zur massiven Aufrüstung der Bundeswehr gefordert und angestrebt werden, sind genau das: Maßnahmen zur Vorbereitung eines Angriffskrieges. Denn, wie hat es die VVN Friedrichshain-Kreuzberg in ihrem Aufruf zum heutigen Tag so wunderbar formuliert: „Der territoriale Bestand der Bundesrepublik Deutschland und ihrer Rechtsordnung wird heute von keinem fremden Staat in Frage gestellt. Bedroht werden die Freiheiten der Bürger*innen eher von autoritären Strömungen im eigenen Land und nicht von ausländischen Streitkräften. Die geplante Förderung der Kriegsfähigkeiten des Militärs wird gerade diese autoritären Strömungen weiter stärken.“ Es gibt keine Anzeichen einer Bedrohung durch Russland, oder China, da muss man sich nur die Rüstungsausgaben von NATO und Russland ansehen oder die Stationierung ihrer Truppen vor der Haustür der anderen.: Vor der US amerikanischen Küste steht keine russische Armee und macht Manöver, vor Russlands Grenzen aber steht die NATO, und auch die Chinesen sind zu Hause und eher an ihrer Seidenstraße interessiert als an Trassen für Panzer oder Flugraum für Drohnen.

Wir brauchen eine Regierung, die sich um das Wohl ihrer Bürgerinnen und Bürger kümmert. So eine brauchen wir. Deshalb wollen wir, dass die Rüstung runtergeschraubt wird und lediglich der Landesverteidigung dient. Und eine Friedens- und Entspannung endlich ausschließliches Ziel deutscher Außenpolitik ist.

7. Dezember 2020

Sevim Dagdelen und Gregor Gysi: Treffen mit Edward Snowden in Moskau

7. Dezember 2020

Spaniens Ex-Regierungspräsident Zapatero fordert die Europäische Union auf, ihre Position zu Venezuela und der Maduro-Regierung zu ändern

Der ehemalige spanische Regierungspräsident José Luis Rodríguez Zapatero, hält sich derzeit in Venezuela auf um an der Beobachtung der Parlamentswahlen teilzunehmen. 

Der frühere sozialistische Präsident, der 2018 eine gescheiterte Vermittlung zwischen der Regierung von Nicolás Maduro und der Opposition befürwortete, forderte die Europäische Union über ihre Haltung zu den Wahlen und über die Sanktionspolitik gegenüber Venezuela „gelassen und ruhig nachzudenken“.

„Die Diplomatie der Europäischen Union basiert auf der friedlichen Lösung von Konflikten, sie basiert auf der Einhaltung von Verfahren, und ich möchte, dass die Europäische Union nach diesen Wahlen darüber nachdenkt, wie die Sanktionspolitik, insbesondere die Politik des US-Präsidenten zu bewerten ist“, sagte Zapatero, der zusammen mit dem ehemaligen bolivianischen Präsidenten Evo Morales an der Beobachtung der Wahlen teilnahm. Nach Zapateros Meinung kann eine Nichtanerkennung der Wahlergebnisse „zu der größten Absurdität führen, die die Geschichte des Völkerrechts gekannt hat.

Das Büro von Josep Borrell, hoher Vertreter für auswärtige Angelegenheiten, bat Nicolás Maduro im September um eine Verschiebung dieser Wahlen, da sie keine Garantien für einen fairen Wettbewerb bieten würden. Die Europäische Union hat diesen Antrag als Voraussetzung für die Teilnahme an der Wahlbeobachtung festgelegt, die die Voraussetzung für die Anerkennung dieser Wahlen sein sollte. 

Die Regierung Venezuelas lehnte den Antrag jedoch mit der Begründung ab, dass die Versammlung laut Verfassung im Januar vereidigt werden müsse. 

7. Dezember 2020

Deutsche Iran-Politik ordnet sich Washingtons Forderungen unter (RT)

https://kurz.rt.com/2cyn

7. Dezember 2020

Elecciones Parlamentarias en Venezuela

https://cutt.ly/LhQl8Vo

7. Dezember 2020

10 Thesen zur Corona-Pandemie (IPPNW-AK „Süd-Nord“)

Quelle:
https://ippnw.de/commonFiles/pdfs/corona-thesen.pdf

Die „Corona-Kontroverse“ – Handelt es sich um eine ernste Erkrankung, und wenn ja, wie ist
angemessen damit umzugehen? – verläuft quer durch politische Lager und Organisationen
und betrifft auch uns als IPPNW. Das ist von Belang, weil wir eine Organisation von Ärztinnen sind und unsere friedenspolitische Glaubwürdigkeit gerade darauf in hohem Maße fußt. Die Autorinnen des vorliegenden Papiers wollen dabei helfen, die emotionalisierte Debatte zu
versachlichen, zu strukturieren und ihr vor allem eine gemeinsame medizinische Basis geben,
ohne die die Erhebung politischer Forderungen jeder sinnvollen Grundlage entbehrt. THESENPapier meint dabei, dass wir damit nicht Wahrheiten behaupten, sondern ein Set von
medizinischen, epidemiologischen und politischen Grundannahmen anbieten wollen:
Ausgangshypothesen, die eine sinnvolle gemeinsame Basis sein können für dann zu
formulierende Kontroversen bezüglich theoretischer und praktischer Schlussfolgerungen. Wer
diese Grundlagen nicht teilt, möge gerne entsprechende Antithesen formulieren.

  1. Worum handelt es sich bei SARS-Cov2 und Covid-19 medizinisch?
    Das neue Corona-Virus SARS-Cov2 sowie die dadurch verursachte Erkrankung Covid-19 – über
    deren Charakteristika das Robert-Koch-Institut (RKI) einen „Steckbrief“ publiziert hat1
    – ist eine
    ernste medizinische Bedrohung, die nach gut sieben Monaten weltweit schon einer
    sechsstelligen Zahl von Menschen das Leben gekostet hat und dabei ist, weitere Leben zu
    kosten. Die Zahl variiert je nach Zählweise (WHO, Johns Hopkins University, …) und unterliegt
    Unsicherheiten (siehe 3.), liegt aber letztendlich in dieser Größenordnung. Da die Infektion oft
    symptomarm oder symptomlos verläuft2
    , werden viele Infektionen gar nicht erkannt – je nach
    Screening-Methode der verschiedenen Länder in sehr unterschiedlicher Größenordnung.

  2. Wichtige Charakteristika von Covid-19 (medizinisch und epidemiologisch)
    Typisch ist das sehr komplexe Erscheinungsbild, das auch über 6 Monate nach Identifikation
    des Erregers kaum Vorhersagen über den jeweiligen individuellen und den epidemiologischen
    Verlauf erlaubt.
    Bekannt ist z.B., dass außer den Atemwegen auch Gerinnungssystem, Darm, Nieren, Leber,
    Nerven und Gehirn befallen werden können. Dass vorerkrankte und ältere Menschen ein
    höheres Risiko haben, bei einer Infektion an SARS-Cov2 schwer an Covid-19 zu erkranken oder
    zu versterben – und dass schwere und tödliche Verläufe auch außerhalb der Risikogruppen
    auftreten. Dass Covid-19 schon vor dem Auftreten von Symptomen ansteckend ist. Und dass
    eine frühere Erkrankung an einem der alten, „banalen“ Corona-Viren keine Immunität gegen
    SARS-Cov2 zu bewirken scheint.
    Weitgehend unbekannt sind viele Pathomechanismen bei schweren Verläufen, ob Covid-19
    eine nachhaltige Immunität bewirkt, wie sie sicher feststellbar ist, welche epidemiologische
    Rolle Kinder spielen und wie der weitere pandemiologische Verlauf sein wird (weitere Wellen,
    1 http://www.rki.de/DE/Content/InfAZ/N/Neuartiges_Coronavirus/Steckbrief.html – Zugriff auf Version vom
    21.08.20 am 31.08.20
    2 ~80 % – http://www.aerzteblatt.de/archiv/214667/Pathologie-der-schweren-COVID-19-bedingtenLungenschaedigung
    Gesamtdauer der Pandemie…). Selbst die Hauptwege der Übertragung und die sinnvollsten
    Schutzmaßnahmen dagegen sind z.T. bis heute nicht völlig geklärt.
  3. Was ist unter einem/r „Covid-19-Toten“ zu verstehen?
    Als Covid-19-ToteR gilt einE verstorbeneR PatientIn, bei der/dem Covid-19 als todesursächlich
    im Totenschein vermerkt wurde. Also keineswegs nur ein Todesfall mit positivem PCR-Test auf
    SARS-Cov2, wie viele KritikerInnen meinen.
    In der Praxis bezieht sich die/der den Tod bescheinigende Ärztin/Arzt dabei auf klinische,
    radiologische, (oft) PCR- und (selten) Obduktions-Befunde.
    Der PCR-Nachweis kann laut WHO und RKI die Diagnose stützen, ist aber nicht Bedingung.
    Anmerkung: Die Rate schwer fehlerhafter deutscher T-Scheine wurde in einer Studie der
    Universität Rostock von 2017 (also vor Covid-19) auf über 25% taxiert.3
    „Schwer fehlerhaft“ ist
    hier allerdings nicht gleichbedeutend mit falscher Diagnose.
  4. Motive hinter dem sogenannten Lockdown: medizinisch –
    oder neoliberal-kapitalistisch?

    An den ab März 2020 praktisch weltweit verhängten Abschottungs- und StilllegungsMaßnahmen („Lock Down“) gibt es kein primäres Interesse seitens der ApologetInnen des
    neoliberalen Gesellschaftsmodells. Vielmehr waren gerade sie es, die frühe Distanz- und
    Drosselungsmaßnahmen etwa bei Fußballspielen, Faschings- und Wahlkampfveranstaltungen
    verhinderten. In von Rechts-Populisten wie Trump, Johnson und Bolsonaro regierten Ländern
    blieb dies besonders lange so, in Italien und Spanien soll diese Verzögerung maßgeblich die
    hohe Mortalität bedingt haben.
  5. Primärmotive der politischen EntscheiderInnen
    Im Verlauf der so entstandenen Krise stand die Bundesregierung bald vor einer Dynamik, die
    ihr über den Kopf zu wachsen drohte. Zumal sich nicht vorhersagen ließ, ob die anrollende
    Pandemie sich zu einer Katastrophe wie die Spanische Grippe von 1918 auswachsen könnte.
    Im Versuch, dieser nun doch eingeräumten Gefahr etwas entgegenzusetzen, lag die primäre
    Motivation für den (letztlich global und fast flächendeckend angewandten) Lockdown.
  6. Zu bedenkende sekundäre Interessen:
    Bald hinzu kam sehr wahrscheinlich das Interesse, die Gelegenheit zu nutzen, Notstandsrecht
    und Aussetzung demokratischer Kontrolle einmal exzessiv in praxi zu testen (nachdem u.a. mit
    Blick auf militärische Planungen in Deutschland 2016 die Bevölkerung aufgefordert worden
    war, sich erhebliche Trinkwasser- und Nahrungsvorräte zuzulegen.)
  7. Ist „Corona“ schlecht oder gut für Neoliberalismus und Kapitalismus?
    Auch wenn einzelne Sektoren wie IT-Branche und Online-Handel z.T. massiv profitieren,
    schadet der „Lockdown“ summa summarum dem neoliberalen Wirtschafts- und Gesellschaftsmodell, seine Auswirkungen bedrohen es sogar existenziell. Auch wenn seine VerfechterInnen
    3 http://www.uni-rostock.de/universitaet/kommunikation-und-aktuelles/medieninformationen/detailansicht
    /n/die-meisten-todesbescheinigungen-weisen-fehler-auf-16349 Original-Studie (Auszug): link.springer.com/
    article/10.1007/s00194-017-0193-7 – Anmerkung: Wer sie komplett lesen will, muss (wie in neoliberalen
    Gesundheitssystemen üblich) dafür bezahlen (oder, anders ausgedrückt, sich den Zugang dafür kaufen – in
    diesem Fall vom Springer-Nature-Konzern).
    bestrebt sind, möglichst viele Kosten und Lasten auf die schwächeren Teile der Gesellschaft
    abzuwälzen – und dabei auf viel zu wenig Widerstand stoßen. In der Außenwahrnehmung
    überlagern sich die Folgen dieses Abwälzens mit den Auswirkungen zahlreicher Fehler des
    Lockdown-Ansatzes, der als neues, einschneidendes und unter Zeitdruck entstandenes Konzept per se stark fehlerbehaftet ist. Schwierig bei der Beurteilung des Lockdown: Nicht nur
    die Krankheit, sondern auch die Maßnahmen dagegen schaden – und zwar nicht nur der
    Wirtschaft, sondern vor allem auch den Menschen (Beispiel: Vernichtung von Arbeitsplätzen –
    was sich in Ländern ohne Sozialversicherung noch weit gravierender auswirkt als hier, siehe
    9.). Zudem zu beachten: Beides lässt sich hinterher weit besser beurteilen als vorher.
  8. Die Pandemie hat historisches Potential:
    Ungeachtet aller Kompensationsversuche in Gestalt von Lastenabwälzung (s.o.) und Rettungspaketen: Primär setzt der Lockdown im Handumdrehen die bisher für unverrückbar
    gehaltenen Wachstums- und Selbstregulations-Dogmen des Marktes außer Kraft (Beispiele
    sind Drosselung von Flugverkehr und Flugzeugproduktion, Rettungspakete und dafür
    notwendige Neuverschuldung). Die neoliberalen Dogmen sind auch bei der Bewältigung der
    Folgen massiv hinderlich, da finanzkapitalistische Mechanismen wie z.B. Börsen die
    Schwächung von Betroffenen potenzieren statt dämpfen. Dass Giganten wie die Lufthansa
    plötzlich nur noch durch faktische Verstaatlichung rettbar sind, wird sich auf Dauer nicht
    verbergen lassen. Hier wird die intrinsische Dysfunktionalität unseres neoliberalen Gesellschaftsmodells offenbar – eine historische Chance zu seiner Überwindung. Diese wird von der
    Sozialen Bewegung bisher kaum gesehen. Stattdessen wird z.T. erbittert darüber debattiert, ob
    die Corona-Maßnahmen medizinischen Schutz oder Panikmache bezwecken – u.E. ein Irrweg,
    der letztendlich dem Erhalt des bestehenden Modells nutzt.
    Denn seine Überwindung wird durch die Krise keineswegs garantiert – vielmehr besteht, wenn
    niemand da ist, die/der eine emanzipatorische Alternative formuliert und einfordert, durchaus
    das Risiko einer Eskalation der bereits bestehenden Herrschaftsverhältnisse – die dann durch
    Demokratie-Abbau und Auftrieb für rechtsgerichtete HeilsbringerInnen aus unzufriedenen,
    „systemkritischen“ Teilen des Bürgertums heraus in einen neuen Totalitarismus münden
    könnte (wie es auch zu Weimarer Zeiten zu beobachten war).
    Die Verwirrung wird zudem dadurch erhöht, dass es unter den „Corona-ZweiflerInnen“ neben
    vielen Rechten und unzufriedenen, aber politisch naiven BürgerInnen auch durchaus Linke gibt
    – die ebenso wie die Unzufriedenen an eine neoliberale Motivation für den Lockdown glauben
    (das Fehlen von Primärmotiven verdrängend und ihre Argumentation auf Sekundärphänomene stützend).
  9. Und sie hat eine Nord-Süd-Dimension:
    Aus unserer Sicht resultiert eine größere Nord-Süd-Dimension, als a priori sichtbar:
    Übereinstimmung zwischen „Nord“ und „Süd“ (reichen und armen Ländern) besteht darin,
    dass es bisher keine kausale Therapie oder Impfung gibt und dass Schutz nur durch
    strukturierte Abstands-, Hygiene- und Aufklärungsmaßnamen möglich ist.
    Groß ist der Nord-Süd-Unterschied aber bei den Ressourcen für Diagnostik, Behandlung und
    epidemiologischer Kontrolle. Und noch größer bei den sozioökonomischen Auswirkungen von
    Schließungs- und Abstandsmaßnahmen sowie den Reserven, um diese aufzufangen: Der UNGeneralsekretär hat daher vor einer „Pandemie des Hungers“ infolge der Covid-19-Pandemie
    gewarnt. Diese droht vor allem als Folge der Maßnahmen dagegen.
    Wobei auch Menschen im Norden durch Letztere in wirtschaftliches und psychisches Elend
    gestürzt werden und dadurch zu Tode kommen. Sodass auch hier eine Abwägung zwischen
    den Folgen der Erkrankung und denen der Schutzmaßnahmen Not tut, um mehr Nutzen als
    Schaden zu stiften.
    Im Süden muss diese Abwägung aus den o.g. Gründen künftig erheblich andere Maßstäbe
    anlegen. Was nur möglich ist, wenn der letztlich diktatorische Druck der neoliberalen Globalisierung auf die Politik dieser Länder eingedämmt und der Krieg des Nordens gegen den Süden
    ausgesetzt wird – wenigstens für die Dauer der Pandemie.

    Konkret bedeutet dies einen Katalog von sieben Punkten:

    #freier Wissens- und Technologietransfer auf medizinischem Gebiet
    #Unterstützung durch WHO und OECD für bedürftige Länder bei der Aussetzung von Patentrechten und #der Erteilung von Zwangslizenzen für die Produktion notwendiger Medikament
    #Aussetzung der WTO-Regeln für die ärmsten und durch Kriege und Sanktionen geschwächten Länder, die Schutzmaßnahmen für ihre Volkswirtschaften wie Zölle, Arbeits- und Umweltschutz-Regulierungen verbiete
    #sofortiger Waffenstillstände in allen internationalen Konflikten, wie vom UN-Generalsekretär geforder
    #sofortige Aussetzung wirtschaftlicher Zwangsmaßnahmen („Sanktionen“), wie von der UN Hochkommissarin für Menschenrechte gefordert – insbesondere gegen alle kriegsgeschädigten Lände
    #Aussetzung aller militärischen Großmanöver weltweit und Umwidmung des NATO-2%-Zieles
    für den Gesundheitsschut
    #Stopp aller Modernisierungsprogramme für Atomwaffen weltweit.

    10) Zum Ursprung von SARS-Cov2 und Covid-19:
    Dazu gab und gibt es weiterhin mehrere Hypothesen (u.a. der Fledermaus-Ursprung). Im
    Interesse wirksamer Eindämmung sollte hier weiter geforscht werden, ohne Denkverbote
    (etwa bezüglich einer durch menschlichen Einfluss geförderten oder auch menschengemachten Genese).
    Handlungsvorschläge:

    Initiative zur Rettung der WHO vor ihrer Zerstörung –
  • zum einen vor Forderungen nach ihrer Abschaffung wie seitens der USA
  • aber auch Deformierung ihres Charakters als UN-basierte Institution in Richtung einer
    Kapital- und Konzern-Basierung.
  • Quantifizierung der Schäden und insbesondere Zählung der Toten in Deutschland nicht
    nur durch Covid-19, sondern auch durch die Maßnahmen dagegen.

    Christoph Krämer (Chirurg und Viszeralchirurg, Rettungsmedizin)
    Dr. med. Helmut Lohrer (Facharzt für Allgemeinmedizin, Corona-Schwerpunktpraxis)
    Marlene Pfaffenzeller (Nervenärztin und Psychotherapeutin)
    Barbara Schwegler (Chirurgin und Viszeralchirurgin, Rettungsmedizin)
    Dr. med. Wolfgang Thon (Internist, Onkologe)
    Dr. habil. Günter Rexilius (psychologischer Psychotherapeut)
    Dipl.-Med. Barbara Bodechtel (HNO-Ärztin)

    Ihre Rückmeldungen und Beiträge zur Corona-Diskussion nehmen wir gerne entgegen.
    Bitte mailen Sie an: forum@ippnw.de
7. Dezember 2020

Attentat auf den Atomwissenschaftler Fakhrizadeh-Mahabadi im Iran / Mohssen Massarrat über die „Doppelmoral“ der Bundesregierung’ (Sputniknews)


Hier zum Artikel:
https://sptnkne.ws/E8af