Ende 2018 wurde die italienische Sektion von „Aufstehen“ gegründet. Man ist immer noch sehr aktiv. Aber leider gibt es keinen Link zu den italienischen Genossen auf der deutschen Seite https://aufstehen.de/web/
Anders in Italien:
Hier findet man immer noch die Grußadresse, die Sahra Wagenknecht damals zur Gründung nach Italien sandte:
http://www.patriaecostituzione.it/2018/09/09/lettera-di-sahra-wagenknecht-di-aufstehen/
Liebe Genossinnen und Genossen,
ich wünsche eurer Initiative des 8. Septembers viel Erfolg. Wir haben in Deutschland vor wenigen Tagen die soziale und demokratische Erneuerungsbewegung „Aufstehen!“ gegründet. Bereits jetzt haben sich über 130000 Menschen dafür eingeschrieben. Das zeigt: Es gibt eine tiefe Sehnsucht nach einer grundlegenden Veränderung. Eine Sehnsucht nach einem sozialen und friedlichen Politikwechsel in Europa. Wir kämpfen für ein europäisches Deutschland in einem geeinten Europa souveräner Demokratien. Die Europäische Union soll Schutz- und Gestaltungsraum sein, aber nicht weiter Katalysator einer marktradikalen Globalisierung und der Aushöhlung von Demokratie. Wir würden uns freuen, wenn auch in Italien eine linke Sammlungsbewegung entsteht, die Druck macht für soziale Gerechtigkeit und Frieden. Es gibt in der Bevölkerung Mehrheiten für eine neue Politik: für Abrüstung und Frieden, für höhere Löhne, bessere Renten, gerechtere Steuern und mehr Sicherheit. Für höhere öffentliche Investitionen in Bildung und Infrastruktur.
In den Parlamenten sieht es allerdings ganz anders aus. In dieser Situation droht die große Gefahr, dass die politische Rechte mit ihren Angriffen auf Flüchtlinge und Sozialstaat immer stärker wird. Deshalb: Es braucht endlich wieder eine Politik für die Mehrheit in Europa. Es wäre wunderbar, wenn sich auch in Italien eine Bewegung für eine soziale Wende bilden würde.
Es ist Zeit aufzustehen! Viel Glück!
Solidarische Grüße
Dr. Sahra Wagenknecht
In der Tageszeitung junge Welt erschien der folgende Artikel:
https://www.jungewelt.de/artikel/339603.italienische-linke-sammeln-sich-aufstehen-auf-italienisch.html
In Rom haben am Sonnabend Linke verschiedener Couleur beschlossen, unter dem programmatischen Namen »Patria e Costituzione« (Vaterland und Verfassung) einen Verein zur Gründung einer »Sinistra di Popolo« (Volkslinke) ins Leben zu rufen. Zu der Versammlung im Protomoteca-Saal der Stadtverwaltung von Rom fanden sich weit mehr als 100 Vertreter vor allem des Bündnisses »Freie und Gleiche« (LeU), Kommunisten der Rifondazione Comunista (PRC), der Jugendorganisation des Partito Comunista Italiano (PCI) und anderer linker Gruppen ein. Von der Demokratischen Partei (PD) war Lianello Cosentino, Sekretär der römischen Sektion, gekommen.
Das Zentrum für eine Reform des Staates (CRS) stellt auf seiner Internetseite die Frage, ob eine neue Gründung »tatsächlich notwendig« sei. Auch Il Manifesto hegt Zweifel an den Perspektiven der neuen Bewegung.
Der LeU-Vorsitzende Pietro Grasso war nicht erschienen. Stefano Fassina, Abgeordneter der LeU, erinnerte in seiner Rede daran, dass vor genau 75 Jahren, am 8. September 1943, nach dem Sturz Benito Mussolinis und dem Waffenstillstand mit den Alliierten, Italien mit der faschistischen Achse gebrochen hatte. Einen Tag später hatten Kommunisten und Sozialisten gemeinsam mit Christdemokraten, Liberalen und Republikanern das antifaschististische Befreiungskomitee gebildet, das zum Widerstand gegen das Besatzungsregime der Hitlerwehrmacht aufrief und einen historischen Beitrag zum Sieg über den Faschismus in Europa leistete.
An diese antifaschistische Tradition und an die in der Verfassung der Italienischen Republik bis heute verankerten sozialen und demokratischen Grundsätze will die neue Volkslinke anknüpfen. Außerdem wollen die Aktivisten Themen wie Patriotismus und Souveränität gegenüber der EU in den Mittelpunkt stellen. Die linke Zeitung Il Manifesto kritisierte die Worte Fassinas als eine Vereinfachung: Damals hätten Kommunisten und Sozialisten das Befreiungskomitee dominiert, während sie heute nahezu ohne Einfluss seien.
Fassina charakterisierte die derzeitige Regierung aus der Lega und der »Fünf-Sterne-Bewegung« (M5S) als gefährlich rassistisch. Dabei bleibe die Rolle der M5S, die den Rassismus der Lega demagogisch kaschiert, verschwommen. Ebenso fehle eine klare Abgrenzung von dem in der PD unter dem ehemaligen Premierminister Matteo Renzi betriebenen Pakt mit dem Unternehmerverband Confindustria. Die Arbeiterbasis habe sich deswegen von der PD entfremdet und sei in die Hände der M5S getrieben worden.
Breiten Raum nahm die Haltung zur EU ein. Mit der neoliberalen Globalisierung abzurechnen bedeute nicht, »die EU oder die Euro-Zone zu verlassen«, führte Fassina aus. Und das, obwohl die EU als von Deutschland kolonisiert gesehen wird.
Vladimiro Giacché, Präsident des Centro Europa Ricerche (CER), leistete laut Il Manifesto den einzigen bemerkenswerten Beitrag. Giacché erinnerte daran, dass in der Verfassung das »Recht auf Arbeit« verankert sei. Diese müsse durchgesetzt werden. Die Verfassung müsse auch Priorität gegenüber den EU-Verträgen haben. Eine kulturelle und politische Initiative müsse von der Welt der Arbeit ausgehen und soziale Gerechtigkeit schaffen.
Das Projekt der Volkslinken wird heftig diskutiert. Nicht zuletzt, weil Stefano Fassina eine schillernde Karriere hinter sich hat. Der Wirtschaftswissenschaftler gehörte der alten PCI an, wechselte zu der daraus hervorgegangenen Linkspartei PDS/DS und danach in die mit der katholischen Zentrumspartei gebildete PD. Von Mai 2013 bis Januar 2014 war er Vizeminister für Wirtschaft und Finanzen. 2015 verließ er die PD und gründete die Sinistra Italia (SI) mit, die in den LeU aufging. Diesen gelang es als einziger linken Gruppierung, bei den Wahlen im März 2018 mit 3,4 Prozent der Stimmen ins Parlament einzuziehen.
Mit großem Beifall wurde die Videobotschaft »An die italienischen Genossen« der linken Sammlungsbewegung »Aufstehen« aus Deutschland begrüßt, die Sahra Wagenknecht eingesprochen hatte. Fassina hob anschließend hervor, dass man im Wesen die gleiche Ziele verfolge.
