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14.4.2020
Längst ist Ecuador zum Epizentrum von COVID-19 in Lateinamerika geworden. Hunderte Leichen säumten zuletzt vor allem die Straßen der Hafenstadt Guayaquil. Die Kapitulation vor dem Corona-Virus ist auch eine direkte Folge der drakonischen IWF-Politik.
Ecuador? Ecuador, da war doch was…? Ja, es war die ecuadorianische Botschaft in London die dem Whistleblower und Gründer der Enthüllungsplattform WikiLeaks, Julian Assange, Asyl gewährte. Das war vor dem von Washington und seinen transatlantischen Partnern begrüßten Machtwechsel in Quito.
Auch das arme Land mit seinen 17 Millionen Einwohnern an der nordwestlichen Küste Südamerikas befindet sich schon längst im Bannkreis von COVID-19. Offiziell führt Ecuador weniger als 7.500 Corona-Infizierte und 333 damit verbundene Todesfälle. Doch die Zahlen der Regierung von Lenín Moreno sind mit Vorsicht zu genießen, wenn laut anderer Quellen „die Behörden allein in der Stadt Guayaquil, dem Epizentrum der Pandemie, täglich über 100 Leichen einsammeln“ müssen.
Unter dem Druck von COVID-19 ist die medizinische Infrastruktur samt der Versorgung mit medizinischen Gütern im Wesentlichen zusammengebrochen. Ärzte und Krankenschwestern verarbeiten Müllsäcke nicht nur zu Schutzanzügen, sondern auch zu Schutzmasken. Ein weitaus größeres Problem als der Mangel an Ausrüstung sei jedoch der Mangel an Ärzten.
„Ich habe meinen [kranken] Vater zu Hause, weil kein Krankenhaus in der Lage ist, ihn oder andere zu behandeln (…) Aber glauben Sie mir, es sterben Menschen. Es gibt kein medizinisches Personal, keine Krankenschwestern. Es gibt niemanden, der arbeitet (…)“, erklärt Cäsar Figueroa, ein Krankenpfleger in Guayaquil.“
Dutzende von Videos sind im Umlauf, in denen Leichen zu sehen sind, die auf den Straßen liegen. Die verantwortlichen Behörden sind der Herausforderung nicht mehr gewachsen. Auch Särge werden inzwischen knapp, sodass Verstorbene in Kartons begraben oder einfach in Lastwagencontainern entsorgt werden.
Der als „der Mathematiker“ bekannte Datenanalyst aus Guayaquil Juan José Illingworth, kommt aufgrund seiner Analysen allein für die ecuadorianischen Provinz Guayas auf mindestens 7.600 mit Corona in Zusammenhang stehende Tote (Stand 9. April). Ohnedies ist die Hafenstadt Guayaquil eine der am stärksten betroffenen Metropolen Lateinamerikas.
In den vergangenen drei Wochen bargen Polizei und Militär offiziell fast 800 Leichen in der besonders von der COVID-19 betroffenen Stadt. Eine Spezialeinheit sammelte 771 Leichen ein, erklärte der Chef einer eigens eingerichteten Corona-Sondereinheit, Jorge Wated, auf Twitter. Weil die Leichenhallen voll sind, seien weitere 631 Leichen von der Sondereinheit aus Krankenhäusern fortgebracht worden.
Bereits im vergangenen Monat trat der ecuadorianische Gesundheitsminister zurück und verurteilte die Unfähigkeit der Regierung Morenos. „Die Situation in Ecuador ist äußerst beschissen. Ich weiß nicht, wie man all das was vor Ort passiert, auf Englisch erklären kann. Der neue Gesundheitsminister ist ein unglaublicher Idiot. Ob Corona-Virus oder nicht, das Land hat große Probleme mit dieser äußerst inkompetenten Regierung“, beschreibt die ecuadorianische Journalistin Camila Escalant in drastischen Worten die Situation vor Ort.“
Verantwortlich für die katastrophale Lage sei vor allem auch die Regierung Morenos. „Vertrauen Sie mir, ich war schon drinnen [in Krankenhäusern, Anm. d. Red.]. Die Situation ist prekär. Es gibt keine Handschuhe, keine Masken. Es ist nichts zu sehen. Ganz Ecuador ist ein Land des Nichts. Es gibt keine Regierung. Es gibt keinen Präsidenten“, ergänzt Escalante.“
Seit seinem Sieg bei den Präsidentschaftswahlen im Jahr 2017 dreht Moreno die Uhren wieder zurück. Eine wohlfahrtsstaatliche Maßnahme nach der anderen wurde eingestellt. Unter dem früheren Präsidenten Rafael Correa diente ein Teil der Devisen aus den Ölvorkommen des Landes dazu, den Inlandspreis für Kraftstoff zu subventionieren und damit die Kaufkraft der sozial schwachen Bevölkerungsteile und den Binnenmarkt zu stärken. Es war eine Umverteilung von Staatseinkünften an die Bürger.
Unter Correas Nachfolger kam wieder eine neoliberale Wirtschaftspolitik zum Zuge, die in erster Linie der Unternehmerseite nützt. Während Moreno den ecuadorianischen Großbetrieben etwa Steuerschulden in Höhe von 2,3 Milliarden US-Dollar erließ, wurde zeitgleich die Subventionierung des Benzinpreises eingestellt. Dies war eine der Konditionen für den Erhalt eines IWF-Kredits in Höhe von 4,2 Milliarden US-Dollar. Der Kredit selbst war unmittelbar nach der Ausweisung von Assange aus der ecuadorianischen Botschaft in London in Aussicht gestellt worden
