US-Präsident Donald Trump hetzt gegen die VR China und die WHO (junge Welt)

Als einer der vielen Slogans der virtuellen Ostermarschbewegung 2020 bringt »NATO abrüsten – WHO aufrüsten!« auf den Punkt, warum US-Präsident Donald Trump die von ihm schon lange abgelehnte Weltgesundheitsorganisation der Vereinten Nationen (WHO) neben der Volksrepublik China zu einem der Intimfeinde des Weißen Hauses erkoren hat. Die durch das Coronavirus ausgelöste Krise trifft das imperialistische Zentrum mitten ins sieche Herz, weil sie sein Wesen offenlegt: Das größtenteils privatisierte Gesundheitssystem, das den kranken Menschen zum Objekt seiner Profitmaximierung degradiert, kann den Herausforderungen einer Pandemie wie der durch den Erreger SARS-CoV-2 verursachten nicht gerecht werden. Das der USA am allerwenigsten, weil Washingtons Sparprogramme im Gesundheitswesen etwas mit dem explodierenden Militärbudget des Pentagon in Höhe von einer Billion US-Dollar zu tun haben.

Schon bis Ende März hatte der Erreger das US-Gesundheitssystem quasi im Handstreich überwältigt. »Es gibt Dritte-Welt-Länder, die besser ausgestattet sind als wir in Seattle«, klagte eine medizinische Fachkraft gegenüber der Washington Post. Klare Worte, die nur wenige Tage später ein von der steigenden Zahl der Virustoten zutiefst schockierter Arzt gegenüber dem US-Sender CNN wiederholte, als er die Zustände in den Kliniken von New York City als »ein Szenario vom Typ eines Dritte-Welt-Landes« beschrieb. Selbst Donald Trump säuselte spontan in Pressemikrophone, er habe jetzt »Dinge gesehen«, die er zuvor »nur im Fernsehen und in fernen Ländern gesehen« habe, »nie aber in meinem Land«.

Doch Trump wäre nicht der »Vater aller Fake News«, wenn er nicht mit spitzem Finger auf andere Schuldige für das wachsende Pandemieelend in seinem Land zeigen würde, unter dem vor allem Schwarze, Latinos, Ureinwohner, Migranten, Arme und Obdachlose leiden. Legendär ist sein Versuch, den G-7-Verbündeten das Schimpfwort »China-Virus« vorzuschreiben. Aber neben China stellt Trump auch die WHO an den Pranger. Sie habe »zu spät« über die Pandemie informiert und stehe wegen Kooperation mit China »in dem Verdacht, vor Beijing zu kuschen«, wie die Neue Zürcher Zeitung willfährig schrieb. Auf Twitter provozierte Trumps Gezeter jüngst die Verunglimpfung der Abkürzung WHO durch den Hashtag »WuhanHealthOrganization«.

In Wahrheit hatte die WHO bereits Ende Januar den internationalen Gesundheitsnotstand ausgerufen. Und der Chinakenner und Herzchirurg Professor Paul Robert Vogt warf gestern dem Westen in der Schweizer Mittelländischen Zeitung vor, er sei »arrogant, ignorant und besserwisserisch«. Lieber solle er »aus den Erfahrungen Chinas im Umgang mit dem Coronavirus« lernen. »Das fortgesetzte, dümmliche China-Bashing« lenke nur »vom eigenen Versagen ab«, so Vogt. Der Westen habe schon im Januar gewusst, was auf ihn zukam, »und trotzdem nicht reagiert«.

https://www.jungewelt.de/artikel/376401.us-totalversagen.html