Vor dem Hintergrund der weltweiten Corona-Krise vielen in den Schatten. Im Jemen fallen weiter Bomben und es herrscht Hunger. Syrien kommt nicht zur Ruhe. Venezuela wird von den USA militärisch bedroht. Die Ostermärsche in Deutschland finden in diesem Jahr völlig anders statt, aber sie finden statt. und der 75. Jahrestag der Befreiung Europas vom deutschen Faschismus kann vielleicht auch nicht wie geplant gefeiert werden, ist aber in diesem Jahr von allergrößter Bedeutung.
Umso wichtiger ist es uns in diesen Tagen nochmal an einen bedeutsamen Brief aus Berlin zu erinnern. Der Brief wurde am 7. März veröffentlicht und innerhalb eines Monats von mehr als 2000 Menschen in Deutschland und fast 7000 Menschen aus den USA unterzeichnet. Ein Ausdruck mehr für die Bedeutung internationaler Solidarität in diesem Jahr voller Herausforderungen und Hoffnung.
In den USA heißt es in der englischsprachigen Version des Aufrufs: „As citizens of the world, we all support this letter, written by Laura v. Wimmersperg in Berlin“. „Als Bürger dieser Welt, unterstützen wir alle diesen Brief, verfasst von Laura v. Wimmersperg in Berlin.“
Offener Brief aus Berlin an die russländische Bevölkerung
Das an der Westgrenze Ihres Landes begonnene und wegen der Corona-Krise vorübergehend ausgesetzte Großmanöver „Defender 2020“ von NATO-Staaten, mit Beteiligung Deutschlands und unter Führung der USA, ist Anlass für uns, diesen Brief an Sie zu richten.
Wir sehen in dieser gigantischen Kriegsübung eine verantwortungslose Provokation, die die Beziehung zwischen unseren Staaten belastet und die ohnehin vorhandenen Spannungen erhöht.
75 Jahre nach der Befreiung Europas vom Faschismus und der siegreichen Beendigung des Krieges maßgeblich durch die Rote Armee stehen wieder deutsche Soldaten an der russischen Grenze. Gleichzeitig werden östlich der Manöverlinie bei den Gedenkveranstaltungen und Siegesfeiern die Erinnerungen an die Nazi-Verbrechen im Bewusstsein der Menschen ganz besonders gegenwärtig sein.
Wir sind uns der großen Opfer bewusst, die Ihr Volk, die die Völker der Sowjetunion im Kampf gegen den deutschen Faschismus gebracht haben. Wir vergessen nicht: Dem vom faschistischen Deutschland begonnenen Raub- und Vernichtungskrieg von unvorstellbarer Grausamkeit fielen 27 Millionen Bürgerinnen und Bürger der Sowjetunion zum Opfer.
Es ist uns darum wichtig, Sie wissen zu lassen, dass wir Krieg ablehnen. Wir verurteilen militärische Provokationen, wie dieses Manöver an der Westgrenze Ihres Landes. Außerdem widersetzen wir uns allen neuerlichen Versuchen, die Geschichte des 2. Weltkrieges zu fälschen. Wir sehen darin den Versuch, die aggressive Politik gegen die russische Föderation zu rechtfertigen.
In unserer Stadt, aber auch überall im Land, besonders entlang der Transportwege, die dem Manöver zur Verfügung gestellt wurden, bilden sich Gruppen und Initiativen, die sich untereinander vernetzen. Sie arbeiten daran, gegen das Manöver Widerstand zu leisten und informieren unsere Mitbürgerinnen und Mitbürger über die konfrontative Politik der NATO-Staaten.
Wir sehen in Russland unseren Nachbarn. Wir wollen mit Ihnen in Frieden leben. Dafür setzen wir uns ein.
Laura v. Wimmersperg
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Jeder kann den Brief unterzeichnen und weiterverbreiten:
http://frikoberlin.de/offener-brief-an-die-russlaendische-bevoelkerung/