Beschäftigte aller Berufsgruppen aus Hamburger Krankenhäusern
fordern vom Hamburger Senat.
Die Vorbereitung auf die Corona Welle in den Krankenhäusern und der Schutz
von Beschäftigten und Patienten darf nicht dem Markt überlassen werden!
Internetseite der Hamburger Krankenhausbewegung:
https://www.hamburger-krankenhausbewegung.de
Offener Brief pdf-Datei:
https://drive.google.com/open?id=1n2b-Pb7PaOOZW_9oAooaOIMYZHHJnOg1
Sehr geehrter Bürgermeister Tschentscher,
sehr geehrte Gesundheitssenatorin Prüfer-Storcks,
sehr geehrte Damen und Herren.
Wir bereiten uns in den Krankenhäusern auf eine nie dagewesene Situation vor. Die Corona-Pandemie wird uns hart treffen.
Wir wissen nicht wie hart, aber mit Blick auf Italien, Spanien und Frankreich tun wir gut daran, vom schlimmsten auszugehen. Jeder Tag zählt, um notwendige Maßnahmen zu veranlassen.
Darum genügt es jetzt nicht, den einzelnen Kliniken zu überlassen, wie sie sich vorbereiten.
Das war die Krankenhaus- und Gesundheitspolitik der letzten Jahre, und sie hat uns in den Personalnotstand geführt. Jedes Krankenhaus für sich. Alle gegeneinander. Unterversorgung hier, Überversorgung dort. Je nachdem was die Fallpauschalen hergeben. Und immer weniger Personal einstellen, um mehr Gewinne zu machen oder die fehlenden Zahlungen der Bundesländer für Investitionen auszugleichen. Der Markt soll es regeln. Über dieses ganze bittere Kapitel deutscher Gesundheitspolitik wollen wir jetzt keine großen Worte verlieren. Die Zeit ist knapp und die Probleme sind bekannt.
Was jetzt nötig ist: eine Umkehr um 180 Grad, das bedeutet eine vollumfassende Koordinierung und Kontrolle des Gesundheitswesens durch das Land Hamburg unter Beteiligung von Beschäftigten aller Berufsgruppen aus den Krankenhäusern.
Diese Koordinierung und Kontrolle finden derzeit nicht statt, und das ist unverantwortlich.
Denn um es ganz deutlich zu sagen: Technik alleine versorgt keine Menschen. Die Krise trifft auf absoluten Personalmangel in allen Bereichen, der schon im Normalzustand zu gefährlichen Situationen führt. Und die Organisation in den Kliniken ist in vielen Häusern mehr auf Gewinnmaximierung als auf fachlich sinnvolles Handeln zum Wohle der Patienten ausgerichtet.
Wir hören, dass sie in der Öffentlichkeit davon reden, dass wir das „beste Gesundheitssystem der Welt“ haben. Wir arbeiten in den Krankhäusern und wir erleben es anders. Ja, wir sind fachlich qualifiziert. Ja, wir sind bereit für unsere Patienten in der Krise alles zu geben. Und wir wissen was es braucht, damit uns das ermöglicht wird.
Darum fordern wir
— Anweisung zur Einrichtung erweiterter Krisenstäbe an allen Kliniken.
In die Krisenstäbe müssen neben Klinik- und Pflegedienstleitung unter anderem die qualifiziertesten Vertreter aus jedem der betroffenen Bereiche, leitende Oberärzte, Hygienebeauftragte, Ausbildungsleitung, Jugend und Auszubildendenvertretung, und Betriebsräte aufgenommen werden.
Aufgabe der Krisenstäbe muss sein, wirkungsvolle Schutz- und Testmaßnahmen zu gewährleisten. Qualifikationsketten, Trainings und Protokolle und den verantwortungsvollen Einsatz von Auszubildenden und Berufsgruppen z.B. aus der Therapie und Neu- und Wiedereinsteigern zu organisieren. Die psychologische Betreuung von Beschäftigten und Patienten aufzubauen. Und generell eine verbesserte Information, z.B. über Materialbestände und Maßnahmen in den Häusern zu gewährleisten.
Die erweiterten Krisenstäbe müssen unter Kontrolle von Gesundheitsbehörde und Gesundheitsämtern stehen.
— Ausreichend Schutzmaterial
Zentrale Koordinierung der Verteilung von Schutzmaterial an die Häuser.
Aufbau von Produktionskapazitäten in Hamburg veranlassen: Umrüsten von Produktionsstätten für Masken, Schutzkittel, Schutzbrillen, Handschuhe und Desinfektionsmittel wie in Bayern und Baden-Württemberg.
Aktuell konkurrieren die Häuser untereinander in der Beschaffung von Material. Das führt dazu, das sogar auf Stationen, wo positiv getestetes Klinikpersonal in Patientenkontakt war, keine Schutzausrüstung getragen werden kann. Beenden sie diese gefährlichen Zustände!
— Umfassendes flächendeckendes Testen aller Berufsgruppen und Patienten im Krankenhaus
Durch falsche Entscheidungen und fehlende Protokolle sind schon jetzt Infektionen mit dem SARS-COV Erreger in manchen Kliniken nicht mehr eingrenzbar. Tests sind auch für Klinikpersonal nur nach den bekannten Verdachtsmerkmalen möglich.
Tägliche PCR-Abstriche bei allen Klinikbeschäftigten und Patienten gewährleisten Eindämmung der Infektionen und schützen damit uns und unsere Angehörigen. Sie ermöglichen, das wir bis zum Moment der Ansteckungsgefahr in unseren Teams arbeiten und dann mit entsprechenden Quarantänemaßnahmen unsere Umgebung schützen können.
Diese Maßnahme muss selbstverständlich auch für Senioreneinrichtungen und soziale Einrichtungen gelten. Mit regelmäßigen Tests könnte sogar der unter Umständen überlebensnotwendige regelmäßige Besuch von Angehörigen und Helfenden in Heimen ermöglicht werden.
Aufbau von Kapazitäten zur Produktion von Test-Kits in Hamburg veranlassen. Und Aufbau von Laborkapazitäten zur Auswertung von Tests an Kliniken und in der Stadt organisieren. Wenn Südkorea ein ganzes Land testen kann, sollte das hier doch zumindest in den entsprechenden Einrichtungen möglich sein.
Beschäftigte aus Risikogruppen müssen selbstverständlich bei Lohnfortzahlung freigestellt oder in patientenferne Bereiche versetzt werden.
— Sofortige Anweisung zur Aufstockung von Reinigungspersonal
Viel zu wenig Reinigungspersonal in den ausgelagerten Firmen konnte schon vor der Krise häufig nur Sichtreinigung machen, mit den bekannten hygienischen Folgen. In der Krise ist Reinigung von Kontaktflächen und Entlastung z.B. der Pflege von Reinigungsarbeiten entscheidend. Das Personal muss sofort aufgestockt werden, koste es was es wolle. Die Kollegen müssen Trainings und Einweisungen in feste Bereiche bekommen.
— Konsequente Mobilisierung von Ressourcen
Die Gesundheitsbehörde muss eine tatsächliche Melde- und Koordinationsstelle für GesundheitsarbeiterInnen werden, die uns in dieser Situation in den Krankenhäusern unterstützen wollen.
Eine willkürliche Weiterleitung von Kontakten an einzelne Krankenhäuser ist keine Lösung.
Unbezahlter ehrenamtlicher Einsatz wie derzeit praktiziert, ist keine Lösung. Für die absehbare Dauer der Einsätze braucht es Regelungen die den Freiwilligen ermöglichen mit voller Lohnfortzahlung in den derzeit ausgeübten Berufen freigestellt oder entsprechend bezahlt zu werden.
Freistellung von Lehrern der Schulen für Gesundheitsberufe für Training und Qualifikation in den Häusern.
Diese Krise macht deutlich, dass Marktlogik im Gesundheitssystem nichts zu suchen hat. Selbstverständlich fordern wir daher klare Bekenntnisse der politisch Verantwortlichen in Hamburg zu
— Kostendeckender Finanzierung statt Fallpauschalen
— Verbindliche Regelungen zur bedarfsgerechten Personalbemessung
— Insourcing ausgegliederter Bereiche.
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