Die neue Weltwirtschaftskrise, das Corona-Virus und ein kaputt gesparter Gesundheitssektor. Oder: Die Solidarität in den Zeiten von Corona. – Von Winfried Wolf. (Nachdenkseiten)

Die Ausweitung des Corona-Virus hat zur flächendeckenden Beseitigung von Grundrechten und Bewegungsfreiheit geführt. Vieles spricht dafür, dass dies in der gegebenen Situation angebracht, unvermeidlich, ist. Wobei es auch Mitte März noch ernst zu nehmende Stimmen – so vom Weltärztebund-Präsidenten Frank Ulrich Montgomery – gibt, die dies in Frage stellen. Unbestreitbar ist, dass die Zuspitzung der Corona-Pandemie dazu geführt hat, dass das Versagen der Behörden nicht thematisiert wird. Dass der aktive Beitrag, den die Bundesregierung und ausdrücklich auch CDU-Gesundheitsminister Jens Spahn und der SPD-Gesundheitspolitiker Karl Lauterbach beim Kaputtsanieren der Krankenhäuser geleistet haben, kein Thema in der öffentlichen Debatte ist. Nicht zuletzt dienen die Corona-Epidemie und die panischen und widersprüchlichen Maßnahmen zu deren Eindämmung dazu, die im Hintergrund ablaufenden massiven weltwirtschaftlichen Verwerfungen – und die Gefahr einer neuen Weltwirtschaftskrise – als das von einem Virus ausgelöste Resultat zu präsentieren. Was grundfalsch ist. Von Winfried Wolf.

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Die neue Weltwirtschaftskrise, das Corona-Virus und ein kaputt gesparter Gesundheitssektor. Oder: Die Solidarität in den Zeiten von Corona. Von Winfried Wolf.

Kommentar von Ekkehard Lentz bei Facebook:
Dieser gehört zu den besseren Texten, die ich bisher zur Corona-Krise lesen konnte. Winni Wolf untersucht diese als Teil einer Internationalen Wirtschaftskrise, die alles seit 1945 bisher dagewesene in den Schatten stelle.

Er beschreibt wie wirksame Maßnahmen gegen den Virus vor allem in den westlichen Ländern des modernen Kapitalismus, auch in Deutschland, systematisch verschleppt wurden und damit die Epidemie erst richtig in ihrer Verbreitung und in ihrer Wirkung Substanz bekam. Winni stützt das, was auch ich hier schon vor einigen Tagen in einem Post vermutete, wie also diese Corona-Krise nun zur Vernichtung von volkswirtschaftlichem Vermögen und damit zur wirtschaftlichen Krisenbereinigung durch das große Kapital und die Politik genutzt wird, nun mit einer Vielzahl detaillierter Überlegungen und Statistiken.

Vor allem räumt Winni aber auch mit dem Unsinn auf, dass es sich bei den Regierenden, ob in Berlin oder auch in den Bundesländern (oder auch ihrem Robert Koch Institut), um neutrale Instanzen handeln würde, denen man nun auch als Linker vollständiges Vertrauen entgegen bringen müsse.

Winni untersucht nicht die Frage wie dieser Virus in China entstehen und ausbrechen konnte. Auch dazu gab es ja in den letzten Tagen – und gerade auch in Hamburg – einige Debatten, die dann leider immer sehr schnell auch in übertriebenen Distanzierungen von Linken gegenüber Linken münden. Ich selber würde betreffenden Genossinnen und Genossen da diesbezüglich doch eine gewisse Zurückhaltung anraten, denn erinnern wir uns beispielsweise mal an den Irak-Krieg, wo das Ausmaß von Lügen und Unwahrheiten westlicher Politiker doch am Ende noch größer war, als all das, was wir uns selbst in unseren wirrsten Träumen auch nur hätten vorstellen können.

Ich kenne Winfried Wolf noch aus seiner Zeit als Bundestagsabgeordneter der PDS Ende der 1990er Jahre. Er trat dann, genau wie ich selber, später aber aus der Partei aus. Wir gehörten immer sehr unterschiedlichen Denkrichtungen und Tradierungen der sozialistischen Bewegung an. Das ändert aber nichts daran, dass Winni immer zu den klugen Köpfen der sozialistischen Bewegung gehörte. Ein guter Artikel, wobei ich natürlich nicht alles teile (aber wann gibt es das schon?). Ich habe beispielsweise eine andere differenziertere Einstellung zum gesellschaftspolitischen System in China. Aber die Grundlinie des Denkens geht in die richtige Richtung.