Rolle der katholischen Kirche im Umfeld des Putsches gegen Evo Morales in Bolivien

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Als die Lage in Bolivien eskalierte, rief Präsident Evo Morales alle politischen Parteien an einen Tisch und appellierte: „Ich rufe den Papst, die verschiedenen Kirchen und die internationalen Organisationen auf, uns zu begleiten.“ Noch am Samstag, einen Tag bevor er am Sonntag, den 10.11. seinen Rücktritt in einer Fernsehansprache erklärte hoffte Evo Morales auf den Beistand von Papst Franziskus.

Aber Papst rief am Sonntag in Rom die Menschen in Bolivien auf, ohne Vorbedingungen die Ergebnisse der Wahlüberprüfung abzuwarten – wobei er diese Erklärung vielleicht auch mit Evo Morales abgestimmt haben könnte, denn tags zuvor hatte er noch mit Evo telefoniert.

Evo Morales verstand es als Unterstützung des Vatikan, als Franziskus 2018 den ehemaligen Weihbischof von Potosi, Toribio Ticona Porco, zum Kardinal ernannte. Ticona Porco selbst bezeichnete Evo Morales als einen guten Freund und bekundete dies auch öffentlich.

Die Bischofskonferenz, die gegen Morales war, veröffentlichte daraufhin die folgende Erklärung: „Die Bolivianische Bischofskonferenz und ihre gewählten Autoritäten, der Vorsitzende, der Vizevorsitzende, der Generalsekretär und der Ständige Rat sind die offizielle Stimme der katholischen Kirche in Bolivien“.

Evo Morales stellte sich daraufhin auf die Seite des indigenen Kardinals und erklärte: „Respekt, Zuneigung und Bewunderung für meinen Bruder Toribio Ticona, den Kardinal von Bolivien. Kraft! Die Bischöfe und Katholiken der Basis, die die Armen verteidigen und mit ihnen arbeiten, sind mit Dir.“

Papst Franziskus und der Kardinal, der sogar im Wahlkampf mit Präsident Morales gemeinsam auftrat unterstützten den Präsidenten, aber die Bischofskonfernz Boliviens war gegen Morales. Das wurde nochmals klar, als am Sonntag der Bischof von Potosi, Ricardo Guzman, den Präsidenten Evo Morales in einem offenen zum Rücktritt aufforderte.

Eine Woche zuvor hatte Kardinal Ticona Porco dem konservativen Herausforderer Carlos Mesa vorgeworfen, für die Gewalt im Land verantwortlich zu sein, weil er unhaltbare Vorwürfe gegen Präsident Morales verbreiten würde. Jetzt schweigt der Kardinal.

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