Der Spiegel wirft Russland Geschichtsrevisionismus vor, weil sich das Verhältnis zum Nichtangriffspakt mit Hitlerdeutschland im Land gewandelt hat. Dabei ist das Magazin selbst heute meilenweit von dem entfernt, was es vor 30 Jahren zum Pakt geschrieben hat.
von Wladislaw Sankin, 5.09.2019
„Pünktlich“ zu den beiden nahe beieinanderliegenden Daten – dem 80. Jahrestag des deutsch-sowjetischen Nichtangriffspakts und dem deutschen Angriff auf Polen am 1. September 1939 – stellte die Historikerin Claudia Weber in deutschen Medien ihr neues Buch mit einem hysterischen Titel vor: „Der Pakt. Stalin, Hitler und die Geschichte einer mörderischen Allianz 1939–1941“. Als „lesenswert und gradlinig“ lobte die dpa das Buch. Auch andere Medien berichteten ausführlich über das Buch und interviewten die Autorin.
Das dpa-Lobfür die Sichtweise der Professorin haben Dutzende große und kleine Medien übernommen. Der Nichtangriffspakt sei der Inbegriff kalten Machtkalküls, Skrupellosigkeit und Expansionswillens. Er hat laut Weber eigentlich den Zweiten Weltkrieg entfesselt: „Seine einzigartige historische Bedeutung und Wirkungsmacht bestand darin, dass die beiden großen und in unversöhnlicher Feindschaft verbundenen Diktaturen mit diesem Vertrag den Zweiten Weltkrieg in Europa entfesselten.“
Diese „Erkenntnis“ sollte nun dem lang gehegten Wunsch der EU-Eliten neues Leben einhauchen, die Schuld am Krieg auch auf die UdSSR abzuwälzen. Am 3. Juli 2009 hat die Parlamentarische Versammlung der OSZE eine Resolution verabschiedet, in der die Rolle Nazideutschlands und die der Sowjetunion beim Ausbruch des Zweiten Weltkriegs auf eine Stufe gestellt wurden.
Außerdem führte das Dokument den 23. August als Tag des Gedenkens an die Opfer von Stalinismus und Nazismus ein. Nach zehn Jahren wird das Bild, wonach die Sowjetunion und Nazi-Deutschland gleichermaßen schuld am Krieg sein sollen, den Menschen in diesen Tagen medial wieder stark eingeimpft.
Auch Der Spiegel meldete sich mit einer Reihe von Beiträgen, die natürlich ins gleiche Horn bliesen. Einen der Artikel schrieb der langjährige Moskau-Korrespondent Christian Neef. Auch für ihn steht fest: „Stalin hat Hitler den Weg geebnet, weil sich seine Interessen mit denen Hitlers trafen.“
Wie der Spiegel vor 30 Jahren über den Nichtangriffspakt schrieb, hier im Artikel weiterlesen: https://deutsch.rt.com/meinung/91976-spiegel-vor-30-jahren-da-war-hitler-stalin-pakt-noch-in-ordnung/
