titel, thesen, temperamente – Sendung vom 25. August 2019 – Thema Venezuela, Interview mit der Autorin Karina Sainz Borgo (Leserbrief von Elke Zwinge-Makamizile)

Auf der Grundlage der ttt-Sendung vom 25. August

LINK:
https://kurzelinks.de/d6lz

 

der u.g. Leserbrief ist mittlerweile auf mehreren mailinglisten zu finden.
Ich möchte ihn mit folgenden Bemerkungen ergänzen:
Subjektive Beurteilungen sind als solche legitim, journalistisch müssen sie allerdings hinterfragt werden und nicht einem großen Publikum unwidersprochen als objektive Informationsquelle präsentiert werden wie Ihre Redaktion dies mit dem Interview mit der Autorin Karina Sainz Borgo gemacht hat und wie der Leserbrief von Herrn Mertschenk es deutlich macht, in dem sie mit falschen Informationen diese zusätzlich unterlegen.
Der Autorin  wird mittlerweile  als „Zeitzeugin“  auch beim Internationalen Literaturfestival Berlin und RBB-Zeitpunkte ein Forum gegeben. Ihre Schilderung der Situation in Venezuela/Caracas ist eine subjektive, wird aber dem Zuschauer, weil keine Gegenstimme zu hören ist, als quasi objektiv dargeboten. Das ist Stimmungsmache…
Ich kann es allerdings nur begrüßen, dass Karina Sainz Borgo eine Intervention durch die USA als größtes Übel ansieht.
Diese Haltung deckt sich mit dem Standpunkt derjenigen EU-Länder, die Juan Guaidó als rechtmäßigen Hoffnungsträger für eine demokratische Entwicklung in einem von Armut und Korruption geschüttelten Land betrachten.
Nicolas Maduro wird dabei selbstverständlich delegitimiert. Eine konsequente Folge dieser immanenten Logik.
Aber ist das -journalistisch- korrekt?
Wohlwollend, denke ich, Sie haben Kenntnislücken! Deshalb hier zur verfassungsmäßigen und rechtsstaatlichen Wahl  Maduros:

https://amerika21.de/2018/05/201675/wahl-venezuela

Zu Ihrer Sendung:
Der Wissenschaftliche Dienst des Bundestages betrachtet die politische Einmischung als völkerrechtsbedenklich.
Leider wird durch ihren propagandistischen Beitrag diese politische Position unzulässiger Weise, weil auf Fehlinformation beruhend,  unterstützt.
Die Wirkung der Medien ist nicht zu unterschätzen.
In Lateinamerika spricht man von der „guerra mediatica“.
In Venezuela ist diese Medienkrieg in vollem Gange, bei ca. 75% privater Medien.
Es wäre die Aufgabe gut recherchierender Journalisten, die sich erst durch Unabhängigkeit von der Staatsräson, think tanks und Medienkonzernen einen echten Lorbeer verdienen! ttt hat bislang viele positive Beispiele gebracht.
Korruption?? In unserer Demokratie ist sie weit verbreitet und wenig juristisch geahndet, siehe Fall Höhn, Fall Schreiber, Gorch Fock und Beraterverträge im Verteidigungsministeruium usw. Natürlich existiert sie in Venezueala. Wird sie bekämpft? Von wem? von den Eliten etwa?
Was soll das also?
Armut?? Ja, die ökonomische Situation ist verheerend!
Nicht aber für die Elite. Die Supermärkte in deren Bezirken sind voll. Sie befinden sich im Ausland oder in komfortablen Häusern und manche Fanatiker aus ihren Reihen (z.B. Juan Guaido) scheuen nicht Gewaltanwendung, wie auf Demonstrationen geschehen.
Ich war vor Ort.
Caracas ist zweigeteilt: in Viertel ausschließlich der Reichen und die der ärmeren Bevölkerung, die aber nach wie vor mit Notpaketen versorgt werden, breites Presseangebot der Privaten (Opposition) und  Bildung sind weiter gewährleistet.
Was dramatisch sich verschlechtert hat, ist die medizininische Versorgung. Und WARUM ?
Sind Sie dem schon einmal nachgegangen? Realisieren Sie die Sanktionen, die nicht nur Venezuela, strangulieren?
Der UN-Sonderberichterstatter spricht von 40.000 Toten auf Grund nicht erfolgter medizinischer und anderer Lieferungen.
Laut US-Studie starben in Venezuela Zehntausende infolge der Sanktionen :
http://cepr.net/images/stories/reports/venezuela-sanctions-2019-04.pdf
Dazu kommt, dass die Deutsche Bank und die Bank von England venezolan. Eigentum zurückhält…
Noch etwas: wenn sie die übliche mainstream-Version dem deutschen Publikum „verkaufen“,  sollten Sie wissen, dass im globalen Rahmen weder die Position in Ihrer Sendung noch die von Karina Sainz Borgo eine Mehrheit findet.
siehe hier, denn:
Die internationale Gemeinschaft steht mehrheitlich auf der Seite der Maduro-Regierunghttps://amerika21.de/2017/10/186382/mehrheit-uno-fuer-venezuela

Angebracht wäre in der zugespitzten Situation, dass in in jeder Berichterstattung über Venezuela mindestens auch eine Stimme en favor der Regierung der bolivarischen Republik Venezuela zu Gehör kommt.
Die gibt es in Berlin, Köln, Hamburg, München, Bremen usw.
Mit freundlichen Grüßen
Elke Zwinge-Makamizile
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