Leak des Tages: Angriff auf junge Welt (jW)

Wer für die junge Welt schreibt, ist viel beschäftigt. Das meiste, was unsere Mitarbeiter tun, ist notwendig. Manchmal aber müssen sie sich mit Sachen befassen, die von Wichtigerem ablenken. Ein irritierter Autor meldete sich am Donnerstag: Ihm sei ein »offener Brief« zugestellt worden, verbunden mit der Aufforderung, diesen zu unterzeichnen. »Wir wollen Transparenz, junge Welt!« lautet das Motto.

Über den Inhalt staunten wir nicht schlecht. Dort wird behauptet, dass sich in der jW »Befürworter von Regime Change« in Venezuela »wachsender Beliebtheit erfreuen«. Komisch – gerade haben wir am 28. Mai eine Veranstaltung zur Solidarität mit der Regierung Venezuelas organisiert. 750 Besucher kamen. Weiter wird geraunt, ob frühere Mitarbeiter uns »wirklich freiwillig« verlassen hätten. Gefragt wird, ob andere nicht »vollkommen kaltgestellt« worden seien. Beispiele werden genannt: Rüdiger Göbel, der Mitarbeiter einer Bundestagsabgeordneten wurde, »Freidenker«-Chef Klaus Hartmann, der Publizist Andreas Wehr. Während Göbel in der jW aktuell eine große Serie zum Jugoslawien-Krieg veröffentlicht, haben sich Hartmann und Wehr politisch abgewandt. Ersterer beschimpft uns als »Dreckschleuder«, letzterer unterstellte uns »beispielloses Versagen«, weil wir seine Sympathie für den Querfront-Guru Ken Jebsen nicht teilen mochten. Auch Unflätigkeiten wie »NATO-Brückenkopf« und »US-Agenten« musste sich die Redaktion aus diesen Reihen schon gefallen lassen.

Besonders hübsch: Unter Verweis auf die Parole »patria y muerte« wird von der jW verlangt, nationalen Positionen die Tür zu öffnen. Es heißt bei Fidel Castro zwar »o muerte«, »Vaterland oder Tod«, nicht »und Tod«, doch die Intention ist klar. Es passt manchen nicht, dass die Redaktion selbst entscheidet, was sie druckt.

Wer sind die Verfasser? Das Pamphlet kursiert natürlich anonym. Doch Indizien gibt es: So wird aus einer E-Mail zitiert, die jW-Chefredakteur Stefan Huth an Diether Dehm gerichtet hatte. »Ist es zutreffend, dass Dehm nicht mehr veröffentlichen darf?« wird im »offenen Brief« gefragt. Zuletzt hatte Dehm uns die Rezension eines Romans des Trivialautors John Grisham angeboten.

Es gibt viele Versuche, uns zu bekämpfen. Einer davon ist, uns mit Unfug von der Arbeit abzuhalten.

Ergänzung:

In der jW von Freitag, 7. Juni 2019, berichteten wir auf Seite acht unter der Überschrift »Leak des Tages: Angriff auf junge Welt« über einen offenen Brief an die junge Welt, in dem unter anderem nachgefragt wird, wie es zum Zerwürfnis zwischen jW und »Freidenker«-Chef Klaus Hartmann gekommen sei. Im genannten jW-Beitrag wird darauf hingewiesen, dass sich Hartmann politisch von der jungen Welt abgewandt und diese als »Dreckschleuder« beschimpft habe. Letzteren Vorwurf halten wir nicht aufrecht. Tatsächlich bezeichnete er die junge Welt als »publizistische Kompanie der NATO-Kriegstreiber«, »Fake-News«-Verbreiter und jW-Redakteure als »verkommen«, »bescheuert« und »verbrecherisch« (nachzulesen unter www.freidenker.org/?p=2783). (jW)

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