Im Juni 1955 wurde der Antifaschist und Kommunist ‚Jupp‘ Josef Angenfort zu fünf Jahren Zuchthaus verurteilt.

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Während in den Medien viel über die angeblich fehlenden Grund- und Freiheitsrechte in der DDR geklagt wird, wird sehr wenig über den Umgang mit kommunistischen Oppositionellen in Westdeutschland berichtet. Die Opfer der gegen Kommunisten und Antifaschisten gerichteten staatlichen Verbots- und Repressionspolitik sind bis heute nicht für das ihnen angetane Unrecht entschädigt, geschweige denn gesellschaftlich rehabilitiert worden.

Um sich ein realistisches Bild zu machen, wie radikal etablierte Politik, Justiz und Polizei nicht nur während des sogenannten Kalten Krieges in der BRD gegen Kommunisten vorgingen, lohnt sich ein Blick in die von Hannes Stütz herausgegebene Biographie »Sprung in die Freiheit – Die Geschichten des Josef A.«. In seinem Buch beschreibt Stütz das Leben und politische Wirken des 2018 verstorbenen Kommunisten Josef Angenfort, der von seinen Freunden und Genossen Jupp genannt wurde.

Der 1924 in Düsseldorf geborene Angenfort stammte aus einer katholischen Eisenbahnerfamilie.

Er geriet bereits als 19jähriger Wehrmachtssoldat in sowjetische Kriegsgefangenschaft. Nach Gesprächen, die er dort mit sowjetischen Soldaten führte und den eigenen Erfahrungen von Krieg und Faschismus, schloß er sich dem »Nationalkomitee Freies Deutschland« an.

Er hatte verstanden, dass die Menschen in Sowjetunion ganz anders sind als die deutsche Propaganda dem Volk mit allen raffinierten Methoden vormachen wollte.
Er traf bei seiner Gefangennahme auf sowjetische Soldaten, die ihn nicht erschossen, ein sowjetischer Soldat wollte auf deutsch mit ihm über den Philosophen Feuerbach sprechen und ein sowjetischer Major stellte sich als Jude vor, dessen jüdische Ehefrau von den Deutschen erschossen wurde.

„Vielleicht werden Sie das heute nicht mehr so verstehen. Damals war es für mich von größter Bedeutung; denn am ersten Tag der Kriegsgefangenschaft brach das ganze Lügengebäude zusammen mit dem man uns in den Krieg und in die Schlacht gejagt hatte,“ versuchte er später seinen Richtern zu erklären.

Ab 1949, nach seiner Rückkehr nach Deutschland, engagierte sich Angenfort sodann in der kommunistischen Bewegung und wurde Vorsitzender der Freien Deutschen Jugend (FDJ) und Mitglied der Kommunistischen Partei Deutschland (KPD). Schon 1951 zog er für die KPD in den nordrhein-westfälischen Landtag ein und war dort jüngster Abgeordneter.

Noch im gleichen Jahr mündeten die antikommunistischen Haßkampagnen in der BRD in Verbotsverfügungen, die die Bundesregierung gegen die FDJ sowie drei weitere kommunistische Organisationen erließ, die sich an der Vorbereitung einer Volksbefragung zum Thema Wiederbewaffnung in der Bundesrepublik beteiligt hatten.

Die damalige Bundesregierung wertete das Engagement gegen Krieg und Militarisierung als »einen Angriff auf die verfassungsmäßige Ordnung des Bundes«.

Trotz seiner Immunität als Landtagsabgeordneter wurde Angenfort von einer Spezialeinsatzgruppe des Bundeskriminalamtes festgenommen und wegen angeblichen Hochverrates angeklagt. In einem Schreiben an den Landtagspräsidenten protestierte Angenfort am 1. Oktober 1953, also nach bereits siebenmonatiger Haft, gegen die Umstände seine Inhaftierung. So konstatierte er, daß er zwischen seiner Festnahme »und der Methode der Schutzhaft in der Nazizeit keinen prinzipiellen Unterschied feststellen« könne.

Obwohl die Inhaftierung selbst gegen die geltenden Gesetze verstieß, rettete dies Angenfort nicht vor einer Verurteilung wegen Vorbereitung eines hochverräterischen Unternehmens, Geheimbündelei und Zugehörigkeit als Rädelsführer zu einer verfassungsfeindlichen Vereinigung zu insgesamt fünf Jahren Haft. Das Urteil erfolgte am 4. Juni 1955.

Selbst hochrangige politische Gegner waren entsetzt, daß das Engagement für Frieden und Abrüstung von den Richtern zu Hochverrat umgedeutet wurde. »Vergleicht man dieses Urteil mit den milden Urteilen gegen Kopfjäger aus den hitlerschen KZs, gegen viehische Mörder, die nachträglich noch begnadigt werden, dann ist man empört darüber, daß Menschen vor dem Richterstuhl so behandelt werden. Wir sind in Westdeutschland wieder soweit, daß alle Gegner des Bundeskanzlers als Bolschewisten oder des Hochverrats angeklagt werden«, erklärte etwa der damalige parlamentarische Geschäftsführer der SPD-Bundestagsfraktion, Walter Menzel.

Kurz nach seiner Entlassung wurde Angenfort wegen Verstoßes gegen das KPD-Verbot wieder verhaftet, jedoch gelang ihm bei einem Gefangenentransport die Flucht. Er rettete sich in die DDR und kam erst 1968 nach Gründung der Deutschen Kommunistischen Partei (DKP) zurück nach Düsseldorf, deren Mitglied er bis zu seinem Tod im März 2010 blieb.

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