Zug der Erinnerung – Pressemitteilung: Mit Füßen getreten, verhöhnt und beschmutzt: das Leiden der Zwangsarbeiter. – Revisionistische Äußerungen aus prominenten Kreisen der deutschen Wirtschaft über das Leiden sowjetischer und polnischer Zwangsarbeiter im NS-System

Zug der Erinnerung – Pressemitteilung zu den revisionistischen Äußerungen aus prominenten Kreisen der deutschen Wirtschaft über das Leiden der Zwangsarbeiter.
http://www.zug-der-erinnerung.eu/download/pressemitteilung_201901.pdf

Von über 4 Millionen Staatsbürgern, die aus Osteuropa ins „Reich“ verschleppt wurden, mussten Hunderttausende Zwangsarbeit in deutschen Industriebetrieben leisten. In Hannover, dem Standort der Unternehmensfamilie Bahlsen, waren 40 Prozent aller Arbeitskräfte Häftlinge oder Zwangsarbeiter.

Kaserniert in über 500 Lagern der Stadt, diente ihre Arbeit der Aufrechterhaltung des deutschen Krieges und der Steigerung privater Unternehmensgewinne. Die in die Nachkriegszeit hinübergeretten deutschen Industrievermögen, an denen Blut und Schweiss der Zwangsarbeit klebt, sind das Fundament des Aufstiegs der Bundesrepublik Deutschland zur wohlhabendsten EU-Nation.

Bis heute weigert sich die deutsche Industrie, das Leid der Zwangsarbeiter zu restituieren. Sie hat Brosamen ihrer Gewinne in einen zweifelhaften Ausgleichsfonds gezahlt (Stiftung EVZ) –rechtsunverbindlich wegen angeblicher Verjährung und völlig unzureichend. Obwohl die deutsche Industrie im Europa der EU Milliardengewinne erzielt, darunter in jenen Ländern, aus denen die Zwangsarbeiter verschleppt wurden, lässt sie die letzten Überlebenden der Zwangsarbeit leer ausgehen, in Polen ebenso wie in der ehemaligen Sowjetunion, in der Tschechischen Republik oder in Italien.

Die unbedarften Äußerungen einer geschichtsvergessenen Unternehmenserbin werfen ein Schlaglicht auf das Selbstverständnis der neuen deutschen Industriegenerationen und auf die öffentliche Moral. Statt den Industriemillionären eine bessere Erziehung zu wünschen und über würdeloses Auftreten deutscher Firmenvertreter zu klagen, führen wir Klage, dass die Würde der Opfer mit Füssen getreten, ihr Leiden verhöhnt und das oft ärmliche Leben der allerletzten Zeugen beschmutzt wird.

Zug der Erinnerung
Pressekontakt: 0162-2187118
15. Mai 2019
Der Vorstand

%d Bloggern gefällt das: