Jetzt freigegebene CIA-Akten belegen, dass Europa eine eigene „Operation Condor“ wollte – offizielle Anfragen aus London, Paris und Bonn, wie eine ähnliche Politik der Folter und Gewalt umgesetzt werden könnte. (teleSUR)

Quelle: https://kurzelinks.de/cia-document-exposes-european-countries-wanted-own-operation-condor-to-implement-policies-of-state-torture-and-violence

Freigegebene Informationen der US-Regierung zeigen, dass die europäischen Regierungen in den 70er Jahren von südamerikanischen Diktatoren lernen wollten, wie sie ihre eigene „Operation Condor“ durchführen sollten, um systematisch Dissidenten in der Region zu foltern und zu töten.

In den Dokumenten, die am 12. April der Öffentlichkeit zugänglich gemacht wurden, gibt es offizielle Anfragen des Vereinigten Königreichs, Frankreichs und der Bundesrepublik Deutschland nach Ratschläge südamerikanischer Diktatoren vor allem in Argentinien, Paraguay, Uruguay, Brasilien und Chile, um das „gefährliche Aussmaß“ der Subversion „von links“ zu bekämpfen.

„Die terroristische und subversive Bedrohung in Europa hat ein derart gefährliches Ausmaß erreicht, dass (die Mitgliedsländer) glauben, dass es besser wäre, ihre Informationsressourcen in einer kollaborativen Organisation zusammenzufassen, wie dies gemäß der Operation Condor durchgeführt wird“, teilten europäische Beamte dem Condor-Plan Sekretariat in Buenos Aires, den Akten zufolge mit.

Die freigegebenen Dokumente aus den USA, deren Behörden die Operation politisch unterstützten, enthüllen, dass das Sekretariat sagte: „Sie betonten, dass, wenn eine ähnliche Organisation (in Europa) gegründet würde, alle Operationen gegen die Subversiven so koordiniert würden, dass der Nachrichtendienst von eines Landes nicht einseitig in einem anderen Land tätig sein sollte. “

Die Operation Condor oder Plan Condor wurde in den 1970er und 1980er Jahren von den Militärdiktaturen in Südamerikas durchgeführt, um die Region von den Personen zu befreien, die als Bedrohung ihrer Macht und ihrer neoliberalen Politik wahrgenommen wurden. Hauptsächlich richteten sich die Aktivitäten gegen Kommunisten und Sozialisten.

Schätzungsweise 60.000 Menschen wurden bei den geheimen Operationen von den lateinamerikanischen Staaten getötet, allein in Argentinien 30.000. Weitere 30.000 wurden während des Plans verschwunden und 400.000 inhaftiert. Da jedoch weitere Informationen von der CIA offengelegt und unabhängig untersucht werden, wird mit einem Anstieg dieser Zahlen gerechnet.

Laut der spanischen Zeitung El Diario, die aus einem CIA-Dokument vom 7. April 1978 berichtet, besuchten europäische Geheimdienstmitarbeiter das Hauptquartier von Operation Condor in Buenos Aires, um Informationen darüber zu sammeln, wie eine ähnliche Politik der Folter und Gewalt umgesetzt werden könnte.

In dem Dokument heißt es: „Vertreter der Geheimdienste Westdeutschlands, Frankreichs und des Vereinigten Königreichs besuchten im September 1977 das Koordinierungssekretariat der Operation Condor in Buenos Aires, um über Methoden zur Gründung einer der Operation Condor ähnlichen antisubversiven Organisation zu diskutieren.“

Das Dokument ist Teil eines 47.000 Seiten umfassenden deklassifizierten Archivs, das sich auf die vor einer Woche veröffentlichte argentinische Diktatur von 1976-83 bezieht.

„Diese Dokumente sind sehr wichtig“, sagt Gaston Chillier vom Zentrum für Rechts- und Sozialforschung (CELS), einer Menschenrechtsorganisation in Argentinien.

„Es gibt Dokumente von sechs oder sieben verschiedenen US-Geheimdiensten, und wir hoffen, Informationen zu finden, die uns bei den Gerichtsverfahren helfen, die gegen die Verbrecher der Diktatur noch ausstehend sind.“ Bislang wurden mehr als 900 ehemalige argentinische Militärangehörige während der Operation Condor zu Verbrechen verurteilt.

Die Dokumente zeigen auch US-amerikanische Mitteilungen über Condor-Todesfälle in Argentinien und Uruguay.

„Die Regierung Uruguays wurde von den argentinischen Behörden privat informiert, dass acht der zehn an der Küste Uruguays gefundenen Leichen das Ergebnis argentinischer Antiterroristenoperationen sind“, heißt es zum Beispiel im Mai 1976 vom US-Außenministerium. Die Leichen seien nach den von den argentinischen Behörden durchgeführten Befragungen von Hubschraubern aus in den Río de la Plata geworfen wurden „, heißt es in der offiziellen Erklärung der USA.

Die Direktorin für Menschenrechte des Außenministeriums von Uruguay, Dianela Pi, sagte am Freitag, ihr Büro werde die Akten anfordern von Argentinien, die das Land in ihrem Besitz hat.

Die freigegebenen Informationen vom 12. April waren das dritte und letzte des US-amerikanischen Projekts zur Deklassifizierung Vorkommnissen in Argentinien. Die ersten beiden wurden während der US-amerikanischen Barack Obama-Administration durchgeführt.

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