Die Anklage gegen Assange ist eine Warnung an alle Journalisten

„Jetzt gehört er uns!“: US-Abgeordnete jubeln über Festnahme von Assange
Nach der Festnahme des WikiLeaks-Gründers Julian Assange jubeln US-Gesetzgeber beider Parteien. Parteiübergreifend ist man sich einig, dass Assange „ein Werkzeug des Kreml“ sei. US-Präsident Trump hingegen behauptet nun, er wisse nichts über WikiLeaks.
Assange wurde am Donnerstagmorgen von der britischen Polizei aus der ecuadorianischen Botschaft in London gezerrt und aufgrund eines US-Haftbefehls wegen „Verschwörung“ von der Londoner Polizei festgenommen. Der demokratische Senator Joe Manchin (West Virginia) freute sich während eines CNN-Auftritts, dass Assange jetzt „unser Eigentum ist und wir die Fakten und Wahrheit von ihm bekommen können“.
Obwohl die aktuellen US-Klagen gegen Assange mit der Veröffentlichung geheimer US-Dokumente im Jahr 2010 zusammenhängen, zogen Demokraten und Republikaner im Kongress schnell die „Russiagate“-Karte, wonach Assange ein Agent des Kremls sei.„Ich hoffe, dass er bald zur Rechenschaft gezogen wird, da er sich im Namen von Putin und der russischen Regierung in unsere Wahlen eingemischt hat“, erklärte der Minderheitenführer im US-Senat und Demokrat Chuck Schumer (New York).
Hier weiterlesen: https://deutsch.rt.com/nordamerika/87070-jetzt-gehort-er-uns-us-abgeordnete-jubeln-festnahme-assanges/

Die Anklage gegen Assange ist eine Warnung an alle Journalisten
Was die US-Justiz gegen den Wikileaks-Gründer vorbringt, ist dünn – große Teile der Anklage beschreiben normale Recherchearbeit. Wenn er dafür verurteilt wird, stehen düstere Zeiten bevor.
Kommentar von Bastian Obermayer
Kaum war Julian Assange von der Londoner Polizei aus der ecuadorianischen Botschaft getragen worden, jubelten Teile der deutschen und internationalen Presse, allen voran die Bild-Zeitung. Hass und Verachtung für Assange sind so weit verbreitet, dass die höchst fragwürdigen Grundlagen dieser Verhaftung ignoriert werden. Dabei müsste jeder Journalist zusammenzucken, der die US-Anklage liest. Sie stellt die Grundlagen journalistischer Arbeit infrage.
Hier weiterlesen: https://www.sueddeutsche.de/politik/assange-festnahme-kommentar-1.4407434

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„Wir stehen vor dunklen Zeiten“: Kim Dotcom warnt vor globalen Folgen von Assanges Auslieferung
Gestern wurde der Journalist Julian Assange aus seinem Exil in der ecuadorianischen Botschaft in London entfernt und verhaftet. Warum ist der Fall von Assange von so immenser Bedeutung und was ist das Ziel hinter seiner Auslieferung an die USA? Darüber haben gestern unter anderem Kim Dotcom, ein bekennender Unterstützer von Julian Assange, der ebenfalls in den USA verurteilt werden soll und im Exil lebt, und Kevin Zeese, Aktivist und Anwalt, gesprochen.
Die USA wollen ein Exempel statuieren und einen Präzedenzfall schaffen, meinen die beiden, um dann die Pressefreiheit auf der ganzen Welt kontrollieren zu können.
„Wenn Julian fällt, kommen wir sehr dunkle Zeiten auf uns zu und kein Journalist wird mehr sicher sein“, warnt Kim. Zeese schlussfolgert, dass das Ziel hinter diesem Schauprozess ist, die Verbreitung der Wahrheit über Verbrechen der USA zu kriminalisieren und damit ein Schweigekartell zu etablieren.
Zum Video: https://deutsch.rt.com/kurzclips/87071-wir-stehen-vor-dunklen-zeiten/

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https://www.noz.de/deutschland-welt/politik/artikel/1703626/ueber-assange-und-die-schande-des-westens
Über Assange und die Schande des Westens
Ein Kommentar von Burkhard Ewert
Tausende Dokumente über Vergehen des US-Militärs im Irak und in Afghanistan, über Kriegsverbrechen, Folter, Beschuss von Zivilisten und die Vorgänge in Guantanamo wären ohne Assanges Internetplattform Wikileaks im Dunkeln geblieben. Dutzende relevante Enthüllungen über finanzielle Verflechtungen und moralische Verwerflichkeiten von Politik bis Vatikan kamen hinzu.
Chelsea Manning nutzte das Netzwerk – das Video „Collateral Murder“ zeigt, wie US-Soldaten aus einem Hubschrauber heraus feixend Zivilisten im Irak erschießen. Es hat My-Lai-Charakter. Auch bei den Enthüllungen von Edward Snowden über illegale Spionagepraktiken der US-Geheimdienste im eigenen Land und der ganzen Welt spielte Wikileaks eine überragende Rolle.
Beide Akteure wurden verurteilt oder zur Flucht getrieben. Beide Beispiele machen deutlich, dass sich Wikileaks und ihre Betreiber um die Zivilgesellschaft und westlichen Werte verdient gemacht haben – übrigens auch deshalb, weil staatsnahe und saturierte US-Medien die Veröffentlichung kritischen Materials mehrfach scheuten.
Mit einer zweifelhaften Jagd durch die halbe Welt und ungezählte juristische Instanzen wurde auch Assange das Leben schwergemacht, bis – inzwischen verworfene – Vergewaltigungsvorwürfe in Schweden herhalten mussten, damit die Briten ihn ausliefern wollten.
Sieben Jahre nach seiner Flucht wird Assange nun unter einem erneuten Vorwand der Justiz übergeben. Gut daran ist immerhin, dass das unwürdige Dasein in einem Botschaftstrakt ein Ende hat. Schlecht ist, dass offenkundig windige Absprachen im Hintergrund getroffen wurden und sich die drei beteiligten Staaten auf ein Verfahren zu Lasten Assanges geeinigt haben. Dabei hätte es auch im Interesse der USA gelegen, wenn sie dem Australier keine Bühne mehr geboten hätten. Stattdessen dringen sie rachsüchtig auf Auslieferung. Will Deutschland glaubwürdig bleiben, muss es sich vor Assange stellen. In der EU auf den gesetzlichen Schutz von Whistleblowern zu dringen, aber gleichzeitig einem Weltstar der Szene nicht zur Seite zu stehen, wäre unglaubwürdig und schäbig.

Weitere Festnahme von WikiLeaks-Mitarbeiter
In Ecuador ist ein Mitarbeiter von WikiLeaks-Gründer Julian Assange festgenommen worden. Der schwedische Softwareentwickler soll ein enger Verbündeter von Assange sein.  https://www.zeit.de/gesellschaft/2019-04/ecuador-wikileaks-julian-assange-festnahme-mitarbeiter

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