Das Ganze wirft die Frage auf: War Relotius der einzige? Oder werden Leser täglich gezielt getäuscht? Vor wenigen Tagen erschien bei der „Washington Post“ ein Artikel, den die BILD-Zeitung nur zu gerne übernahm: „Assad leert seine Gefängnisse – durch Massenmord.“ Die Gefängniszellen in Syrien seien überfüllt. Deshalb gehe er einfach den leichtesten Weg und lasse die politischen Häftlinge gnadenlos ermorden. Das Blatt beruft sich auf zwei ehemalige Insassen des Saydnaya-Gefängnisses in Damaskus.
Auch ein Fake? Mit Sicherheit lässt sich das nicht behaupten. Aber durchaus möglich. Bemerkenswert ist, dass die deutschen Mainstream-Medien Assad nie als „Präsidenten“ bezeichnen. Auch nicht in einfachen Meldungen. Genau das ist Assad aber – ein gewählter Präsident dieser arabischen Republik. Doch den Lesern wird täglich das Wort „Machthaber“ oder „Diktator“ eingehämmert. Damit niemand auf die Idee käme, etwas Anderes über Assad zu denken.
