Ein Gespräch mit Nodschud Harfusch und Suhair Ali.
Aus dem syrischen Küstengebirgsort Baramanat Al-Mascheich stammt Suhair Ali, bis Dezember 2013 Direktor der staatlichen Gesellschaft für Spinnerei und Weben. Ausgebildet worden war der Ingenieur in Moskau, wo er seine erste Frau Olga kennenlernte. Aus dieser Ehe, die inzwischen geschieden ist, hat Suhair Ali zwei Kinder, Marjam und Samer. 2010 heiratete Suhair Ali seine zweite Frau, die Lehrerin Nodschud Harfusch. Aus dieser Ehe stammt Mahmud Ali, der heute sieben Jahre alt ist. Bis auf Samer, der in Moskau arbeitete, lebte die Familie in Adra, einem östlichen Vorort von Damaskus. Das Haus in Baramanat Al-Mascheich war für die Familie Ferien- und Wochenenddomizil. Beide Ehepartner arbeiteten, die Tochter studierte in Damaskus, in Adra hatten sie eine Wohnung in einer für staatliche Angestellte errichteten Siedlung. Suhair Ali war ein viel beschäftigter Mann, die syrischen Textilien waren wegen ihrer hohen Qualität international gefragt. Seine Frau Nodschud unterrichtete Englisch am Gymnasium in Adra. Die älteste Tochter Marjam studierte in Damaskus, als 2011 die Proteste in Syrien begannen, aus denen sich ein Krieg entwickelte. Am 11. Dezember 2013 wurde die Familie von maskierten und schwerbewaffneten Männern in ihrer Wohnung überfallen. Suhair Ali wurde entführt. Nodschud Harfusch brachte sich mit den Kindern Marjam und Mahmud Ali im Keller des Gebäudes in Sicherheit. Sie und die Kinder wurden wenige Tage später verschleppt. Erst drei Jahre später, im Dezember 2016, wurden sie freigelassen. Ihr Mann Suhair Ali kam erst nach vier Jahren wieder frei, im Dezember 2017. Karin Leukefeld traf die Familie in ihrem Heimatort Baramanat Al-Mascheich.
Zum Interview: https://www.jungewelt.de/artikel/345528.nahost-diese-m%C3%A4nner-behandelten-uns-wie-tiere.html