Die Lage im Süden der arabischen Halbinsel machte das Gebiet des heutigen Jemen schon im Jahr 2000 vor unserer Zeitrechnung zu einer Drehscheibe für Handel zwischen Asien, dem östlichen Afrika und dem Mittelmeerraum. Seit dem zehnten Jahrhundert war der Jemen ein saiditisches Imamat, ein auf dem saiditischen Islam basierendes Königreich. Die Saiditen sind eine Strömung des schiitischen Islam, bis heute bilden sie mit rund 40 Prozent der Bevölkerung eine starke Minderheit im Jemen, die Mehrheit sind Sunniten.
Im frühen 19. Jahrhundert n. u. Z. besetzte Großbritannien die südjemenitische Hafenstadt Aden als wichtigen Stützpunkt auf dem Seeweg zu den Kolonien in Asien. Die Bedeutung wuchs mit dem Bau des Suezkanals, der seit 1869 über das Rote Meer und die Wasserstraße Bab Al-Mandab eine Verbindung vom Mittelmeer zum Golf von Aden, dem Arabischen Meer und dem Indischen Ozean ist. Jemen grenzt im Westen an das Rote Meer und an den Bab Al-Mandab.
1962 stürzte eine Gruppe nationalistischer Offiziere den letzten saidistischen König, dessen Nachfolger in die Berge im Norden des Landes floh. Aus der Gruppe der Offiziere tat sich Ali Abdullah Saleh hervor, der 1978 Präsident der Jemenitischen Arabischen Republik wurde. Im Süden des Jemen entstand die Demokratische Volksrepublik Jemen. 1990, nach der Wiedervereinigung der beiden Staaten wurde Saleh Präsident der neugegründeten Republik Jemen.
Jahrelang führte Saleh Krieg gegen die Gemeinschaft der »Huthis« im Norden des Landes. Unterstützt wurde er dabei auch – trotz offiziellen Dementis – vom Militär Saudi-Arabiens, das von der Grenze her in den Konflikt eingriff.
Der Name der Huthi-Bewegung geht zurück auf Hussein Badreddin Al-Huthi, Mitglied der Al-Hak-Partei und des jemenitischen Parlaments, bevor er 2004 einen Aufstand gegen die Regierung von Saleh anführte. 2009 erreichte der Konflikt einen neuen Höhepunkt. Damals beklagte der Huthi-Sprecher Mohammed Abdulsalam im Interview mit junge Welt (22.12.2009) die anhaltende Repression durch die Saleh-Regierung. Die Al-Hak-Partei, die von den Huthis 1990 gegründet worden war, sei ausgegrenzt, Mitglieder bedroht, verschleppt, verhaftet und ermordet worden. Sechs Kriege habe die Regierung Saleh gegen die Huthis geführt, deren Gebiete besetzt, Militärstützpunkte errichtet, die Bevölkerung drangsaliert.
Die Huthis forderten einen Waffenstillstand, den Abzug der Truppen, Rückkehrrecht für die Vertriebenen und Reparationszahlungen. Für die Bevölkerung sollten grundlegende Basisdienste zur Verfügung gestellt werden, so Abdulsalam damals. Man wolle »fair und gleichberechtigt« behandelt werden, »die regionale Diskriminierung muss ein Ende haben«. Die Forderungen waren nicht religiöser, sondern ausschließlich politischer, sozialer und wirtschaftlicher Natur.
Unter dem Eindruck der Proteste in Tunesien und Ägypten sah sich Saleh 2012 gedrängt, Reformen einzuleiten. Es kam jedoch zu innenpolitischen Unruhen und Protesten, Saleh wurde bei einem Attentat verletzt und nach Saudi-Arabien ausgeflogen. Sein Stellvertreter Abed Rabbo Mansur Hadi übernahm die Regierungsgeschäfte, blieb aber erfolglos. 2013 sollte eine nationale Dialogkonferenz eine neue Verfassung ausarbeiten. Als während einer Sitzung jedoch zwei Huthi-Vertreter ermordet wurden, zog sich die Bewegung zurück. 2014 übernahm sie mit Unterstützung aus Kreisen der jemenitischen Armee die Kontrolle der nördlichen Provinz Saada und benachbarter Regionen sowie schließlich der Hauptstadt Sanaa. Hadi floh ins Exil nach Saudi-Arabien.
Anschläge einer Gruppe, die sich »Al-Qaida auf der Arabischen Halbinsel« nannte, nahmen zu. Die USA schickten Truppen in den Jemen und setzten Drohnen gegen die Aufständischen ein. Waffenlieferungen der USA, Großbritanniens und Frankreichs an Saudi-Arabien wurden ausgeweitet.
Der 2015 von Riad begonnene Krieg soll die Huthi-Bewegung – die sich heute Ansarollah nennt – zurückdrängen. Saudi-Arabien sieht in ihr Stellvertreter des Iran und fürchtet dessen Machtausweitung über Irak, Syrien und den Jemen hinaus nach Saudi-Arabien. Im Osten und Süden des Königreiches sowie in Mekka und Medina gibt es Schiiten, die rund 15 Prozent der Bevölkerung ausmachen.
Nach US-Angaben soll Teheran die Huthis mit Waffenlieferungen und Militärberatern unterstützt haben, was der Iran dementiert. Der Kriegskoalition gegen den Jemen gehören Kuwait, die Vereinigten Arabischen Emirate, Bahrain, Ägypten, Marokko, Jordanien, Sudan und Senegal an. Ausgerüstet sind sie mit Waffen aus US-amerikanischen und europäischen Rüstungsbetrieben.
