DIe Metamorphose eines Bernie Sanders Posteingang

Erinnert sei daran, dass Hetze gegen Russland zum ständigen Repertoire eines Bernie Sanders gehört: Ende Februar 2017 bezeichnete er bei CNN den russischen Präsidenten als einen Mörder und Banditen und den US-Präsidenten Trump als Kumpel des Mörders und Banditen.

Siehe Verwirrter US-Demokrat Bernie Sanders: „Schreckliches Assad Regime / Putin ein Mörder & Bandit“

Nach dem Treffen Trumps mit Putin in Helsinki erklärte Sanders, er sei „absolut empört“ über Trumps „Verhalten in Helsinki“, denn dort habe er die Amerikaner an Putin „verkauft“. (dp)

Die Metamorphose
Bernie Sanders ist keine Alternative, sondern Teil des Systems.

Von Chris Hedges

Für die Mehrheit der deutschen Linken ist Bernie Sanders noch immer der Kandidat, der es wagt, das Establishment herauszufordern. Der moderne Mythos, der den Senator von Vermont umgibt, brachte Sahra Wagenknecht vor kurzem dazu, sich einen wie ihn an die Spitze der SPD zu wünschen. Er unterstützt Alexandria Ocasio-Cortez, die neue sozialistische Hoffnung vieler Demokraten, und seiner Initiative ist es zu verdanken, dass Amazon für seine US-amerikanischen und englischen Angestellten einen erhöhten Mindestlohn einführte. Aber hält der Sanders-Mythos auch dem unerbittlichen Blick eines Journalisten wie Chris Hedges stand, der in der Machtanalyse geübt ist wie nur wenige andere?

Von Bernie Sanders gibt es zwei Versionen. Da ist der alte Bernie Sanders, der als demokratischer Sozialist eine an Don Quijote erinnernde Kampagne um die Nominierung zum Präsidentschaftskandidaten der Demokraten führte, die Finanzierung durch Konzerngeld ablehnte und konzerngesteuerte Demokraten heftig angriff.

Und dann gibt es den neuen Bernie Sanders: Dieser hält pflichtbewusst die Spielregeln der Partei ein, hofiert Milliardäre, lehnte die Klage gegen das Democratic National Committee (DNC) wegen Manipulierung der Vorwahlen zu seinen Ungunsten ab und unterstützt demokratische Kandidaten, die ökonomische und politische Positionen vertreten, die er selbst einst anprangerte.

Sanders‘ Metamorphose begann im Dezember 2015, als er die zunehmende Unterstützung seiner Kandidatur wahrnahm und dachte, er könnte die Nominierung gewinnen. Er ließ die feurige sozialistische Rhetorik fallen, die seine Kampagne zunächst gekennzeichnet hatte – kurz nachdem er seine Kandidatur im Mai 2015 bekanntgegeben hatte, hatte er ganze Reden über den demokratischen Sozialismus gehalten.

Er stellte zum Establishment der Demokratischen Partei zählende Berater wie Tad Devine ein, der – ironischerweise – eine wichtige Rolle bei der Einführung von Superdelegierten gespielt hatte, welche Hillary Clinton zum Erfolg bei der Nominierung verhalfen. Von den 230 Millionen Dollar, die er während der Kampagne aufgebracht hatte, sollte er zweistellige Millionenbeträge für Berater ausgeben.

Als klar war, dass er verlieren würde, begannen Sanders und sein einflussreicher Kampagnenmanager Jeff Weaver, sich eng mit der Clinton-Kampagne abzustimmen. Bis zum Mai 2016 war Sanders in seiner Kritik an Clinton verstummt und hatte vor dem demokratischen Parteiapparat kapituliert. Seither ist er ein gehorsamer Diener des Partei-Establishments.
Zum ganzen Artikel: https://www.rubikon.news/artikel/die-metamorphose

 (…) Sanders‘ Kapitulation angesichts der erdrückenden Beweise für die Manipulation des Nominierungsprozesses war politische und moralische Feigheit. Er verpasste seinen historischen Moment, in dem die Öffentlichkeit ihn als denjenigen hätte erleben sollen, der die korrupte, Konzern-dominierte Partei-Elite denunziert, um eine Drittpartei-Kandidatur auf die Beine zu stellen. Sanders wird sich politisch nie mehr erholen. Um in die Zukunft zu schauen, muss er nur den Blick auf die Kampagnen-Veranstaltungen lenken, die er für Clinton nach ihrer Nominierung abhielt. Sein Publikum schrumpfte von Tausenden zu wenigen Hundert, nachdem er Clinton seine Unterstützung zugesichert hatte.

(…) Die Elite der Demokratischen Partei würde in einem offenen Prozess und ohne die Unterstützung der Konzerne nicht an der Macht sein. Sie ist ein Produkt des konzerngesteuerten Staates. Sie ist nicht im Begriff, Reformen zuzulassen, die ihren eigenen Sturz bedeuten würden.

Ja, die Taktik der Wahlmanipulation und die Untertänigkeit gegenüber den Konzernen wird Donald Trump vielleicht eine zweite Amtszeit und den Wahlerfolg ihm treu ergebener Außenseiter vom extremen Rand des politischen Spektrums sicherstellen. Aber die demokratischen Eliten würden das Staatsschiff eher sinken lassen, als ihre Erste-Klasse-Kabinen aufzugeben.

Die Demokratische Partei hat genauso viel Schuld am Erfolg Donald Trumps wie die Republikaner. Sie ist ein vollwertiger Partner bei der Fortsetzung unseres Systems legalisierter Bestechung, das einhergeht mit der Deindustrialisierung des Landes, mit Austeritätsprogrammen, sozialer Ungleichheit, Masseneinkerkerungen und dem Angriff auf grundlegende Bürgerrechte.

Sie dereguliert die Wall Street. Sie unterstützt endlose und sinnlose Kriege, die das Staatsbudget schrumpfen lassen. Wir müssen unabhängige politische Bewegungen organisieren und unsere eigenen Parteien gründen, um die demokratischen und republikanischen Eliten beiseite zu fegen, oder wir werden die Mitschuld tragen an der Zementierung einer Konzerntyrannei. Sanders wird uns nicht helfen. Das hat er klargestellt. Wir müssen es ohne ihn schaffen.

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