Coop Antikriegscafé unterstützt Bewegung zur Rettung von Flüchtlingen im Mittelmeer. #Seebrücke Aktivisten kritisieren unser gleichzeitiges Verständnis für Moskau und Damaskus als Propaganda.

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Das Coop Anti-War Café in Berlin ist seit 2005 ein internationaler Treffpunkt in Berlin. Zahlreiche linke politische Aufrufe, Mahnwachen und Demonstrationen werden hier unterstützt, Initiativen sind an der Theke des Cafés entstanden. Das Café unterstützt die derzeitige Bewegung zur Rettung von Flüchtlingen im Mittelmeer, so wie auch andere Aktionen für Geflüchtete. Zahlreiche Ausstellungen gab es hier über die Jahre hier zu sehen.

Ein Schwerpunkt ist derzeit die Debatte über Fluchtursachen wie Kriege und Armut. Und hier spielt auch die Einschätzung der Lage in Syrien eine Rolle. Werden häufig die syrische Regierung und damit auch Moskau als alleinige Schuldige für die Flüchtlingswelle aus Syrien ausgemacht, so wird im Antikriegscafé eine andere Position vertreten. Moskau und Damaskus werden hier nicht als die Schuldigen gesehen, sondern werden vielmehr mit Einschränkungen durchaus unterstützt und die Bemühungen Syrien von bewaffneten Oppositionstruppen zu befreien, das Land schrittweise zu befrieden und wiederaufzubauen wird im wesentlichen positiv gesehen.

Dies scheint einigen Aktivisten in der Seebrücke-Bewegung nicht zu gefallen und stösst jetzt auf Widerspruch. So liesst man bei Facebook als Reaktion auf einen Post des Antikriegscafé mit dem Titel Menschen retten! #Seebrücke Fluchtursachen bekämpfen #Aufstehen für Internationale #Solidarität #Seebruecke @ Coop #Antiwar Cafe Berlin die folgende Kritik:

„Mit Gruseln sehe ich wie du die Seebrücke instrumentalisierst. Dabei fand ich es echt nett, dass wir die Sachen dort am Orange Day bunkern durften. Aber was Du nun für eine Nummer draus machst ist schon heftig. Nimm bitte die Seebrücke ernst. Da passt Dein Assad/Putin Geschwurbel nicht rein. Schäbiger geht es übrigends nicht, das Angebot Sachen zu Bunkern zum Verbreiten deiner Propaganda benutzen.“

Das mag nicht weiter verwundern, wenn man sich mit einigen der Unterstützer der #Seebrücke Bewegung näher beschäftigt und erkennt, dass sich hier auch Gruppen beteiligen, welche die „Revolution“ in Syrien gegen die syrische Regierung von Anfang an und bis heute unterstützen. Gruppen wie „Adopt a Revolution“ vertreten zum Beispiel den Standpunkt, dass die „Weißhelme“, eine syrische Zivilschutzgruppe, der vielfach Verbindungen zur bewaffneten Gruppen nachgewiesen wurden, aus „humanitären“ Gründen verteidigt werden sollten. Die Medien haben mit ihrer unentwegten Dämonisierung auch viele innerhalb der Linken beeinflussen können.

So wird von vielen der Assad-Regierung und Russland die alleinige Schuld für die massenhafte Flucht aus Syrien zugewiesen. Gruppen und Aktivisten mit dieser Grundeinstellung unterstützen auch die Seebrücke. Man will antirassistisch und antifaschistisch sein aber zugleich stellt man sich nicht gegen die ständig zunehmende und fast rassistische Russophobie und die damit einhergehende Dämonisierung der syrischen und der russischen Regierung.

Das Coop Antikriegscafé unterstützt ganz konkret die Bewegung zur Rettung von Flüchtlingen im Mittelmeer, weil wir nicht schweigen werden, wenn man Menschen bewusst ertrinken lässt und weil wir ein unbedingtes Asylrecht für Kriegsflüchtlinge einfordern.

Aber gerade die Verursacher dieser Kriege müssen konkret benannt werden. Die Desinformationskampagne gegen Russland und Syrien und letztendlich gegen alle mit ihnen befreundeten Staaten und die Ursachen hierfür sollten erkannt werden.

Tatsache ist, dass sich inzwischen eine ganze Reihe von Ländern zusammen mit Russland und China auf die richtige Seite stellen, d.h. an die Seite von Ländern wie Syrien, Libyen u.a. und an die Seite von afrikaischen Ländern. Gemeinsam versucht man Konflikte zu entschärfen, leistet Aufbauhilfe, unterstützt Infrastruktur. China fördert riesige Projekte in Afrika, vergibt niedrig verzinste Kredite. Russland hilft gerade jetzt aktiv bei der Rückführung hunderttausender Geflüchteter nach Syrien, bei der medizinischen Versorgung,  und bei der Nahrungsmittelversorgung innerhalb Syriens.

Vernünftig wäre es sich diesen Modellen der Konfliktbewältigung und Entwicklungshilfe genau zu beschäftigen und sie ggf. zu unterstützen, anstatt die hier genannten Staaten und Akteure zu dämonisieren. Es gilt vernünftige Lösungsmodelle zu erarbeiten.

siehe auch unseren Beitrag:
Die Haltung linker Kräfte zum Krieg in Syrien. Wer steht auf der Seite der syrischen und der russischen Regierung?
https://cooptv.wordpress.com/2018/07/01/die-haltung-linker-kraefte-zum-krieg-in-syrien-wer-steht-auf-der-seite-der-syrischen-und-der-russischen-regierung/

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