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15. August 2018

Die große Projektion –  Die US-Wirtschaft ist ein Schneeballsystem mit verheerenden Folgen für die Welt. – von Paul Craig Roberts (Rubikon)

Trump bedenkt bei seinem Handelskrieg mit China nicht, dass nicht China das Problem ist, sondern die Praktiken der eigenen Konzerne und Banken. Zu diesem Schluss kommt Paul Craig Roberts in seinem Artikel. Kommt uns das nicht bekannt vor? Die Europäer sollen an der Flüchtlingskrise schuld sein; der Terror „der anderen“ muss bekämpft werden und nun soll eben China für wirtschaftliche Fehlentwicklungen und Finanz-Betrügereien der USA den Sündenbock spielen.

Wann setzen sich die US-amerikanischen internationalen Konzerne und die Wall Street endlich mit Trump an einen Tisch und erklären ihm, dass er mit seinem Handelskrieg nicht China trifft, sondern sie selbst? Der größte Anteil am US-amerikanischen Handelsdefizit mit China wird durch die Offshore-Produktion von US-amerikanischen globalen Konzernen verursacht. Wenn diese Konzerne die Produkte, die sie in China produzieren, auf den US-amerikanischen Markt bringen, werden die Produkte als Importe aus China deklariert.

Vor sechs Jahren, als ich „The Failure of Laissez Faire Capitalism“ (zu deutsch etwa: „Das Scheitern des Laissez-Faire-Kapitalismus“) schrieb, schloss ich mit der Tatsache ab, dass die Hälfte der US-Importe aus China aus der Offshore-Produktion US-amerikanischer Konzerne besteht. Die Offshore-Praxis bringt den US-Konzernen wegen geringerer Kosten für Löhne und Compliance beträchtliche Gewinne. Sie steigert auch deutlich die Profite, Boni für Führungskräfte und Kapitalgewinne für Aktionäre. Die Kosten dieser Vorteile für einige wenige gehen zu Lasten vieler – der früheren US-amerikanischen Angestellten, die ehemals ein Mittelklasse-Einkommen und Perspektiven für ihre Kinder hatten.

US-Konzerne prellen die Amerikaner, nicht China

In meinem Buch führte ich Beweise dafür an, dass die USA in den ersten zehn Jahren des 21. Jahrhunderts „54.621 Fabriken geschlossen haben und 5 Millionen Angestellte in der Fertigungsindustrie arbeitslos wurden. Im Laufe eines Jahrzehnts verringerten sich die größeren Fabriken mit mehr als 1.000 Angestellten um 40 Prozent und jene mit 500 bis 1000 Arbeitern um 44 Prozent, wogegen es 37 Prozent bei denen mit 250 bis 500 Arbeitern und 30 Prozent bei Unternehmen mit 100 bis 250 Mitarbeitern waren. Nicht inbegriffen sind hier Start-Ups, und nicht alle Verluste sind dem Offshoring zuzuschreiben; manche sind das Ergebnis unternehmerischen Scheiterns“ (Seite 100 der Originalausgabe).

Auf den Punkt gebracht: Millionen von US-Amerikanern verloren ihre Mittelklasse-Jobs nicht, weil China unfair gehandelt hat, sondern weil US-Konzerne die US-Amerikaner betrogen und ihre Arbeit exportiert haben. „Making America great again“ bedeutet, sich mit diesen Konzernen und nicht mit China auseinanderzusetzen. Wenn Trump dies versteht – vorausgesetzt, jemand erklärt es ihm –, wird er China dann in Ruhe lassen und sich die US-amerikanischen globalen Konzerne vorknöpfen?

Der Verlust von Mittelklassejobs hatte verheerende Folgen für die Hoffnungen und Erwartungen der US-Amerikaner, für die US-amerikanische Wirtschaft, für die Finanzen von Städten und Bundesstaaten und dadurch auch für deren Möglichkeiten, ihren Verpflichtungen für Pensionszahlungen nachzukommen und öffentliche Dienstleistungen anbieten zu können. Auch die Steuerbemessungsgrundlage für Sozial- und Krankenversicherungen war davon betroffen. Alle diese wichtigen Elemente US-amerikanischer Vereinbarungen sind dadurch gefährdet.
Kurz gesagt hat die gierige Finanz- und Unternehmenselite sich selbst mit enormen Kosten zu Lasten der US-amerikanischen Bevölkerung sowie der wirtschaftlichen und sozialen Stabilität der USA bereichert.

Der Verlust von Arbeitsplätzen durch die Offshore-Praxis hatte auch katastrophale Auswirkungen auf die Politik der Federal Reserve (US-Notenbank). Mit dem Rückgang des Einkommenswachstums stagnierte die US-Wirtschaft. Um die gesamtwirtschaftliche Verbrauchernachfrage aufrecht zu erhalten, steuerte die Federal Reserve unter Alan Greenspan dem fehlenden Wachstum des Konsumenteneinkommens mit einer Ausweitung der Konsumkredite entgegen. Statt auf Lohnerhöhungen setzte Greenspan auf eine Erhöhung der Verbraucherschulden, um die Wirtschaft anzukurbeln.
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