Obwohl schon wieder zu einem Krieg und zwar diesmal gegen den Iran getrommelt wird, dürften die an den US-Präsidenten gerichteten Warnungen genauso ungehört verhallen, wie die vor dem Überfall auf den Irak geäußerten – was eine Weltkatastrophe zur Folge hätte
Memorandum an den US-Präsidenten
Von den Veteran Intelligence Professionals for Sanity (VIPS)
Betreff: Die geheimdienstlichen Erkenntnisse gegen den Iran fallen schon bei einem „Geruchstest“ durch.
Herr Präsident,
als die Regierung George W. Bushs vor 15 Jahren den Angriff auf den Irak vorbereitete, konnten wir keinen zwingenden Grund für einen Krieg sehen. Deshalb entschieden wir uns dafür, den Präsidenten Bush darauf aufmerksam zu machen, dass er vom Vizepräsidenten Dick Cheney und anderen ausgetrickst worden war. Wir nahmen zu seinen Gunsten an, dass er die „geheimdienstlichen Erkenntnisse“, die Colin Powell vor den Vereinten Nationen präsentierte, wirklich glaubte; der hatte behauptet, es lägen „unwiderlegbare und unbestreitbare“ Beweise dafür vor, dass der Irak Massenvernichtungswaffen besitze und eine „unheilvolle Verbindung“ zwischen Saddam Hussein und Al-Qaida bestehe.
Uns Veteran Intelligence Professionals for Sanity / VIPS (ehemaligen Geheimdienstlern für Vernunft) war jedoch klar, dass die von Powell vorgebrachten „geheimdienstlichen Erkenntnisse“ frei erfunden waren. Deshalb haben wir Präsident Bush noch am gleichen Tag, am Nachmittag des 5. Februar 2003, in einem ähnlichen Memorandum empfohlen, „doch Rat auch außerhalb des Kreises derjenigen zu suchen, die unbedingt einen Krieg wollen, für den wir keinen zwingenden Grund sehen, und von dem wir glauben, dass seine unbeabsichtigten Folgen vermutlich katastrophal sein werden“.
Es bereitet uns keine Genugtuung, dass wir damals mit der vorhergesagten politischen und humanitären Katastrophe im Irak richtig lagen, auch wenn wir ignoriert wurden. Den US-Bürgern wurde dann erzählt, die Geheimdienste hätten sich „geirrt“. Das stimmte aber nicht, es wurde einfach nur gelogen und betrogen, und einige unserer damaligen Kollegen haben sich leider auch daran beteiligt.
Fünf Jahre nach Powells Rede hat der Vorsitzende des Geheimdienstausschusses des Senats das Ergebnis einer von Mitgliedern beider Parteien durchgeführten Untersuchung (der damaligen Vorkommnisse) in wenigen Worte so zusammengefasst: „Zur Rechtfertigung des Krieges (gegen den Irak) hat die Regierung wiederholt „geheimdienstliche Erkenntnisse“ als Fakten präsentiert, die sich in Wirklichkeit als unbegründet, widersprüchlich oder sogar als nicht existent erwiesen haben. Damit wurde der US-Bevölkerung vorgegaukelt, die vom Irak ausgehende Bedrohung sei viel größer, als sie tatsächlich war.“
Jetzt werden erneut die Trommeln für einen militärischen Angriff geschlagen – diesmal auf den Iran. Wir Veteran Intelligence Professionals for Sanity und andere erfahrene, objektive Analysten werden allem Anschein nach wieder ignoriert. Wir sind in großer Sorge, weil ein Krieg (gegen den Iran) noch viel schrecklichere Folgen als der Krieg gegen den Irak hätte und zu einer Weltkatastrophe führen würde.
Hier weiterlesen: http://www.luftpost-kl.de/luftpost-archiv/LP_16/LP11418_130818.pdf
