Hintergrund der Weißhelme-Rettung. Diplomatische Weichenstellungen haben die zügige Offensive der Assad-Armee in Daraa und Quneitra begünstigt – von Sabine Kebir (Freitag)

Dass sie – wie von den meisten Medien verbreitet – angesichts des Vormarschs der Armee in Todesgefahr waren, ist hingegen ein Fake. Ihnen stand ebenso der Ausweg nach Idlib offen, allerdings unter der Bedingung, einem Sicherheitscheck durch die Regierungssoldaten unterzogen zu werden. Die Armee hält die Weißhelme für von westlichen Geheimdiensten hochgradig ausgebildete Agenten. Dass eine solche Kontrolle unterblieb, es stattdessen freien Abzug nach Israel gab, wird zu den geheimen Abmachungen der Präsidenten Trump und Putin bei ihrem Helsinki-Treffen gerechnet.

Aus all dem geht hervor: Die USA und Israel scheinen sich mit dem vorläufigen Verbleib von Baschar al-Assad im Präsidentenamt zu arrangieren. Für die israelische Politik ist das nachvollziehbar. So nützlich es war, Rebellen in der unmittelbaren Nachbarschaft gegen Assad zu instrumentalisieren, so wenig konnte eine islamistische Regierung in Damaskus im Interesse Israels liegen. Durch die Existenz der Hamas, deren Gründung als religiöser Verein die Besatzungsmacht einst duldete, um ein Gegengewicht zur PLO zu schaffen, weiß man in Tel Aviv: Islamistische Organisationen bleiben nicht auf ewig kontrollierbar. Sie können sich gegen ihre einstigen Mentoren wenden. Hätte der Islamische Staat samt seiner Satelliten die Macht in Syrien erobert, wäre er für Israel eher früher als später zu einem aggressiveren Gegner geworden, als es der stets berechenbare Assad je war und je sein wird.

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