Nato simuliert Sturmangriff auf russische Exklave / Polen provoziert

https://de.sputniknews.com/zeitungen/20180601320965078-nato-kaliningrad-eroberung/  01.06.2018

Einkreisen und absäbeln: Nato simuliert Sturmangriff auf russische Exklave

Ein gerade mal 50 Kilometer langer Landstrich trennt das russische Kaliningrad vom Gebiet der befreundeten Republik Belarus: der sogenannte Suwalki-Korridor. Und der hat einen enormen strategischen Wert, wie die Vorbereitungen der Nato auf das baldige Großmanöver in der Region belegen.

Litauen, Lettland und Estland behaupten seit Jahren, Russland werde den Suwalki-Korridor im Kriegsfall besetzen, um die baltischen Staaten von anderen Nato-Ländern abzuschneiden. Mit dieser angeblichen Bedrohung begründet die nordatlantische Allianz massive Militärmanöver, die sie seit Jahren regelmäßig in der Region abhält. Ein weiteres Manöver in der baltischen Region beginnt am kommenden Sonntag – Codename: „Saber Strike“ (Säbelschlag). Dann trainieren rund 18.000 Soldaten aus 19 Nato-Staaten einen Monat lang in Polen, Litauen, Lettland und Estland. Die führende Rolle übernehmen dabei US-amerikanische Truppenverbände.

Offiziere des 2. US-Kavallerieregiments – eines Verbands, der dauerhaft in der Bundesrepublik stationiert ist – haben auf ihrem offiziellen Twitter-Account ein Foto veröffentlicht, welches die Ziele des anstehenden Manövers klar erkennen lässt: Auf einer topografischen Landkarte sind Truppenbewegungen um Kaliningrad abgebildet – ein Szenario zur Einkesselung und Einnahme des russischen Gebiets.

„Das beginnende massive Nato-Manöver ist eine Provokation, denn es findet statt, während Russland die Fußball-WM ausrichtet“, sagt der Militärexperte, Generalleutnant Juri Netkatschew. Laut westlichen Medien würden circa 3.000 US-Soldaten samt 1.500 Ketten- und Radfahrzeugen aus der Bundesrepublik nach Litauen und Lettland verlegt. Das US-Militär werde in den litauischen und lettischen Städten entlang der Verlegeroute Technikschauen veranstalten, teilte Litauens Verteidigungsministerium mit.

Dass US-amerikanische Militäreinheiten unweit der russischen Grenze stationiert sind, ist inzwischen zu einem Dauerzustand geworden – obwohl dies gegen alle Vereinbarungen zwischen Russland und der Nato verstößt. Das „Saber Strike“-Manöver etwa findet seit 2010 regelmäßig im Baltikum statt. Diesmal verlegt das Pentagon zusätzlich zum US-Kavallerieregiment zwei Panzerbrigaden in die Region. Sie lösen vergleichbare, in Polen stationierte US-amerikanische Einheiten ab. Diese Ablösung läuft unter dem Codenamen „Atlantic Resolve“ und ist offensichtlich Teil des „Säbelschlags“.

Aber: Den anrückenden Kräften würde das Gebiet Kaliningrad im Falle eines Konflikts nicht schutzlos gegenüberstehen. „Die Flugabwehr der Baltischen Flotte wird in diesem Jahr mit mehreren S-400-Systemen verstärkt. Neue Technik bekommen auch die Bodentruppen. Sie werden mit den neuesten taktischen Raketensystemen Iskander-M ausgerüstet. Und die Marineflieger erhalten die neuesten Mehrzweckjäger Su-30SM“, erklärt der Pressesprecher der russischen Baltischen Flotte, Roman Martow. Der Flottenverband selbst werde durch Korvetten verstärkt, die mit Marschflugkörpern bewaffnet sind. Die Kalibr-Raketen haben eine Reichweite von rund 2.000 Kilometern und können alle potentiell gegen Russland gerichteten Nato-Stellungen erreichen.

Die Probleme sind also klar: Die Nato konzentriert Kräfte an der russischen Grenze, Moskau reagiert mit Verstärkungen an Russlands Westgrenze. Ein ernster Dialog zwischen Russland und der Nato kommt nicht in Gang, weil die Allianz die Zusammenarbeit mit der russischen Führung nach dem Umsturz in der Ukraine 2014 auf eigene Initiative eingestellt hat. Die einzigen noch offenen Kanäle zur Aufnahme des politischen Dialogs sind die vereinzelten Kontakte im Nato-Russland-Rat.

Gestern fand eine Sitzung dieses Organs in Brüssel statt. Laut offiziellen Mitteilungen haben die ständigen Vertreter der beiden Seiten im Rahmen dieser Sitzung unter anderem die Lage im Donbass und die Möglichkeiten der „Stärkung der Stabilität und Sicherheit in Europa“ diskutiert. Auch informierten die Vertreter über anstehende Militärmanöver. Insbesondere über die russische Übung „Wostok 2018“ und über „Trident Juncture“, das größte Nato-Manöver der letzten 30 Jahre, das unter Einsatz von circa 40.000 Mann im kommenden Herbst in Norwegen stattfinden soll.

https://de.sputniknews.com/politik/20180531320959714-vorstoss-annaeherung-gruselgeschichte-bedrohung-gegenmassnahmen/  31.05.2018

Russischer General zu Polens Vorstoß: „Das ist schon eine echte Bedrohung“

Generaloberst i.R. Wladimir Schamanow, Vorsitzender des Verteidigungsausschusses der Staatsduma (russisches Parlamentsunterhaus), hält den Vorschlag Polens, auf seinem Territorium eine permanente US-Panzerdivision zu stationieren, für erstaunlich. In einem Interview mit Sputnik am Donnerstag spricht der Politiker sogar von Gegenmaßnahmen.

„Natürlich können wir das nicht einfach hinnehmen, wir werden unbedingt Gegenmaßnahmen ergreifen, wenn so etwas passiert (…),sagte Schamanow, der von 2009 bis 2016 Befehlshaber der russischen Luftlandetruppen war, am Donnerstag.
„Bei mir (…) ruft dies Erstaunen hervor, weil die Annäherung der Nato an unsere Grenzen nun keine illusionäre Gruselgeschichte mehr ist, das ist eine echte Bedrohung der Staatssicherheit.“ Der General unterstrich, dass die Gegenmaßnahmen ganz unterschiedlich ausfallen könnten. Dafür müsse aber zunächst die Situation genau bewertet werden.

Zuvor hatten Medien berichtet, dass Polen den USA angeboten haben soll, eine US-Panzerdivision auf ständiger Grundlage im Land zu stationieren, und bereit sei, dafür 1,5 bis zwei Milliarden US-Dollar auszugeben.
Kreml-Sprecher Dmitri Peskow erklärte in diesem Zusammenhang, dass die Stationierung eines US-Militärstützpunktes in Polen eine souveräne Entscheidung Warschaus sei, die allerdings Gegenmaßnahmen von der russischen Seite nach sich ziehen würde, da die Annäherung der Nato-Infrastruktur an die Grenzen Russlands nicht zur Stabilität auf dem Kontinent beitrage.

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