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Karin Leukefeld in Damaskus: „US-Raketen auf Syrien würden Fluchtwelle auslösen“

https://de.sputniknews.com/politik/20180411320291395-raketenschlag-syrien-fluechtlinge

Noch gibt es keine Beweise, ob im syrischen Duma ein Giftgasangriff stattgefunden hat. Das sagt die Nahostkorrespondentin Karin Leukefeld im Sputnik-Interview. Die bisher erhältlichen Informationen stammen von der Opposition. Der von Trump angekündigte US-Raketenangriff würde gegen Völkerrecht verstoßen und in Syrien noch größere Unruhen auslösen.

Nach den Informationen über einen angeblichen Chemiewaffenangriff in Syrien hatte US-Präsident Donald Trump auf Twitter mitgeteilt, dass er Syrien mit Raketen angreifen wolle. Weiter schrieb er: „Mach dich bereit, Russland, denn sie werden kommen, hübsch und neu und ‚smart‘!“ Russland solle nicht Partner eines mit Gas tötenden Tieres sein, das sein Volk tötet und das genießt:

Russia vows to shoot down any and all missiles fired at Syria. Get ready Russia, because they will be coming, nice and new and “smart!” You shouldn’t be partners with a Gas Killing Animal who kills his people and enjoys it!

— Donald J. Trump (@realDonaldTrump) 11. April 2018

Wem nützt der Chemiewaffenangriff?

Seit 2011 sei die „Armee des Islam“ (Dschaisch al-Islam) in Duma präsent. Unterstützt werde sie von Saudi-Arabien und den USA. Nun habe Russland eine Vereinbarung vermittelt, die besagt, dass sich sämtliche Kämpfer dieser Armee des Islam mit ihren Angehörigen aus Duma zurückziehen. Diese Evakuierung laufe seit dem 1. April, sei dann aber vonseiten der „Armee des Islam“ unterbrochen und ausgesetzt worden. In dieser Zeit seien von dieser Gruppierung neue Angriffe auf Damaskus mit vielen Toten verübt worden. Darauf habe die syrische Armee reagiert. Als dann die Information, dass es einen Chemiewaffenangriff gegeben habe, aufgekommen sei, habe das wiederum eine internationale Eskalation ausgelöst. Man könne also nur sagen, so Leukefeld, dass es der Oppositionsgruppe nütze. Es nützt nicht der syrischen Regierung und nicht Syrien und der Bevölkerung, die sich in einem Prozess des Waffenstillstandes und der Deeskalation befinde. „Es nutzt eigentlich denjenigen, die diesen Krieg fortsetzen wollen.“

Schlimme Befürchtungen in Syrien

Die Menschen in Syrien, mit denen Karin Leukefeld über den drohenden Raketenangriff spricht, würden fragen: „Was wollen die eigentlich von uns? Die USA sind eine Weltmacht und warten nicht einmal Beweise ab, ob dieser Chemiewaffenangriff wirklich stattgefunden hat?“ Man habe den Eindruck, dass hier sehr aus der Emotion heraus reagiert wird. Man befürchte Schlimmes, nicht zuletzt wegen all der Kriegsschiffe im Mittelmeer. Auch Frankreich, Großbritannien und Australien wollen sich an solch einem Angriff beteiligen. Leukefeld resümiert:

„Man sieht hier ein bisschen die Parallele zum Geschehen im Irak im Jahre 2003, als unter dem Vorwand ‚Chemiewaffen‘ auch der Irak angegriffen wurde. Man befürchtet, dass es in diese Richtung geht.“

Drohender Völkerrechtsbruch

Sollte ein solcher Angriff ohne einen Beschluss des UN-Sicherheitsrates stattfinden, und ohne dass die Organisation zum Schutz vor Chemiewaffen (OPCW) hier eine unabhängige Untersuchung vornehmen kann, würden die USA allerdings international an Glaubwürdigkeit verlieren, weil sie sich nicht an das Völkerrecht hielten. Ob das Trump von übereilten Schritten abhält, sei allerdings fraglich.

In der vergangenen Woche waren in den Medien Berichte über einen Giftgasangriff in der syrischen Stadt Duma aufgetaucht, wofür der Westen umgehend Damaskus verantwortlich machte. Die syrischen Behörden und Moskau wiesen die Vorwürfe entschieden zurück.

Als Vergeltung für den angeblichen Giftgasanschlag im syrischen Duma hat US-Präsident Donald Trump am Mittwoch in einem Tweet einen Raketenangriff gegen Syrien angekündigt. Dabei sprach er eine direkte Warnung an Russland aus.

Der russische Botschafter im Libanon, Alexander Sassypkin, erklärte indes, Russland behalte sich das Recht vor, alle Raketen „im Falle einer US-Aggression“ zu vernichten. Im Außenministerium in Moskau betonte man, dass die Gefahr einer direkten militärischen Konfrontation zwischen den USA und Russland momentan höher als vor dem Vorfall in der syrischen Stadt Duma sei.

Das komplette Interview mit Karin Leukefeld zum Nachhören: https://soundcloud.com/sna-radio/giftgasangriff-in-syrien-bisher-gibt-es-keine-sicheren-beweise