Wahnwitzige Eskalationsspirale im Fernen Osten (RT Deutsch)

https://deutsch.rt.com/meinung/55468-wahnwitzige-eskalationsspirale-im-fernen-osten/

Ist Trump der unberechenbare Irre mit dem Finger am nuklearen Abzug oder versucht er sich mit seiner maßlosen Drohung in der aktuellen Korea-Krise in der „Kunst des Krieges“? Und warum haben Russland und China die Sanktionen gegen Pjöngjang gebilligt?

von Rainer Rupp

Wer so kämpft, dass er in allen Schlachten siegt und erobert, ist noch lange nicht ein exzellenter Stratege. Die höchste Kunst besteht vielmehr darin, den Widerstand des Feindes zu brechen, ohne (militärisch) kämpfen zu müssen. (Sun Tzu: „Die Kunst des Krieges“)

Die Ideen des chinesischen Generals und Meisterstrategen aus dem fünften Jahrhundert vor Christus sind noch heute rund um die Welt Gegenstand von Lehrgängen, nicht nur an Offiziersschulen, sondern in den letzten Jahrzehnten auch zunehmend in Business- und Managementkursen für Großkonzerne. So ist es durchaus möglich, dass Sun Tzus Ratschläge auch dem gewieften Geschäftsmann und neuen US-Präsidenten Donald Trump nicht unbekannt sind.

Das wäre denn auch eine wohlwollende Erklärung für Trumps Wutausbruch am 8. August, bei dem er der Führung Nordkoreas mit „Feuer, Wut und Gewalt, wie sie die Welt noch nie gesehen hat“ drohte und damit womöglich noch mehr Druck auf Peking ausüben wollte, um endlich schärfer gegen Pjöngjang vorzugehen.

Notorische Kriegshetzer als wiedergeborene Friedensengel?

Die andere Erklärung für Trumps maßlose Drohung gegen Nordkorea wäre grenzenlos dumme Kriegstreiberei. Dabei war es Trump selbst, der noch im Wahlkampf versprochen hatte, alle US-Soldaten aus Korea und anderswo abzuziehen. Dennoch mangelt es an Vorwürfen gegen Trump derzeit nicht und diese kommen hauptsächlich und ausgerechnet aus dem Lager der ausgewiesenen, neo-konservativen Kriegstreiber und Globalisierer – sowohl in den USA als auch in Europa.

Selbst Senator McCain, die Personifizierung der skrupellosen US-Falken, hat sich in der aktuellen Korea-Krise als Friedensengel positioniert und Trump für seine Drohung mit „Feuer, Wut und Gewalt“ als unberechenbaren, mit dem nuklearen Feuer spielenden Abenteurer zurechtgewiesen. In der Tat scheint die scheinbare Zuspitzung der Situation um Nordkorea auch eine starke US-innenpolitische Komponente zu enthalten, denn die Krise bietet eine weitere willkommene Gelegenheit, den ungeliebten Globalisierungsgegner Trump vor der eigenen und der Weltöffentlichkeit als unkontrollierbares Nilpferd im atomaren Porzellanladen zu diskreditieren.

Offiziell stellt das Weiße Haus in Washington Trumps gegen Nordkorea gerichtete Drohung mit einem nuklearen Armageddon als eine Reaktion auf die Tests des kleinen Entwicklungslandes in Ostasien mit ballistischen Mittelstreckenraketen dar, die angeblich US-Territorium erreichen können.

Genau mit dieser Reichweite seiner Raketen prahlt jedoch Pjöngjang selbst und rechtfertigt seinerseits seine Raketenversuche als Antwort auf die ständig wachsenden, massiven militärischen US-Provokationen zu Land, zu Wasser und in der Luft – in unmittelbarer Nähe zu Nordkoreas Grenzen.

Pjöngjang fühlt sich von Russland und China im Stich gelassen

So haben sich beide Länder in den letzten Monaten in einer wahnwitzigen Eskalationsspirale an den Abgrund eines heißen Krieges manövriert, mit wenig Spielraum für den jeweiligen Gegner, ohne Gesichtsverlust aus der Konfrontation herauszukommen.

Und die Eskalation geht weiter. Auf Trumps „Feuer, Wut und Gewalt“- Ausbruch hat tags darauf die nordkoreanische Seite ihrerseits mit der Zerstörung des riesigen US-Stützpunktes auf der Pazifikinsel Guam gedroht, was nur mit einem Nuklearsprengkopf möglich wäre. Falls Washington seine „rücksichtslosen militärischen Provokationen“ nicht unterlasse, so der nordkoreanische Armeesprecher, könnte sich Pjöngjang gezwungen sehen, eine „unvermeidliche militärische Entscheidung“ zu treffen.

Zugleich fühlt sich Nordkorea vollständig in die Enge getrieben. Die neuen, vom UN-Sicherheitsrat einstimmig gebilligten Strafmaßnahmen werden die Exporteinnahmen des bettelarmen Landes um fast zwei Drittel verringern. Pjöngjang fühlt sich dadurch von seiner bisherigen Schutzmacht und seinem mit Abstand wichtigsten Handelspartner China, aber auch vom gutnachbarschaftlichen Russland im Stich gelassen. Denn beide Länder haben diesmal vollkommen unerwartet den Sanktionen gegen Nordkorea zugestimmt. Was war geschehen?

Ist die nukleare Bedrohung durch Pjöngjang am Ende real?

Laut Washington Post vom 7. August haben die Amerikaner in Vorbereitung der entscheidenden Sitzung des UN-Sicherheitsrats am ersten August-Wochenende den Chinesen und Russen eine streng geheime Lageeinschätzung gezeigt, die zuvor von der Mehrheit der US-Geheimdienste gebilligt worden war. Demnach haben die Nordkoreaner bereits Atomsprengköpfe auf die Größe für ballistische Trägerraketen miniaturisieren können und stellen damit weit über die Region hinaus eine nukleare Bedrohung dar.

Das könnte denn auch der Grund für den einstimmigen Beschluss im UN-Sicherheitsrat gewesen sein, Nordkorea für sein Atomwaffen- und Trägerprogramm zu verurteilen und mit Sanktionen zu belegen. China und Russland haben für diese Entschließung gestimmt, obwohl diese ihrem eigenen Handel mit Nordkorea zusätzliche Beschränkungen auferlegt. Daher kann mit großer Sicherheit davon ausgegangen werden, dass die Chinesen und Russen nicht so abgestimmt hätten, wenn sie nicht von den Erkenntnissen der US-Geheimdienste überzeugt gewesen wären – nämlich, dass Nordkorea mit seiner Politik tatsächlich eine Bedrohung für den Frieden im gesamten Fernen Osten ist.

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