Erhard Crome – Wer bestimmt den deutschen Blick auf den US-Präsidenten?

„Trump und die Deutschen“: Wer bestimmt den deutschen Blick auf den US-Präsidenten?

Deutliche Kritik am Umgang von Politik und Medien hierzulande mit dem US-Präsidenten Donald Trump äußert der Politologe Erhard Crome. Die Medien lassen zum Teil weg, was Trump in Reden und Pressekonferenzen sagt, so Crome in seinem Buch „Faktencheck: Trump und die Deutschen“. Und: Die deutsche Außenpolitik verhält sich unprofessionell.

Mit dem neuen Präsidenten Donald Trump hat in den USA ein Flügel der herrschenden Klasse die Macht direkt übernommen, um den bisher von einer global orientierten Politikerkaste bestimmten Kurs zu korrigieren. Seine Wahl habe die deutsche Politik überrascht, die von einem Sieg Hillary Clintons 2016 ausgegangen war. Das schreibt Erhard Crome in seinem Buch, das kürzlich vom Verlag Das Neue Berlin veröffentlicht wurde. Im Studiogespräch mit Tilo Gräser begründet der Berliner Politologe seine Sicht, für die er unter anderem von deutschen Linken Kritik erfährt.

Hier einige der wichtigsten Aussagen von Crome:

„Die deutsche politische Klasse und die Medien haben die Legende aus den USA übernommen, dass Trump ein illegitimer Präsident ist, der nur mit Hilfe der Russen ins Amt kam. Obama hat ja nochmal beim Kiarchentag in Berlin Frau Merkel aufgefordert, sie solle doch nun die ‚Führerin der freien Welt‘ abgeben. Damit entsteht auch auf der politisch-symbolischen Ebene ein Konkurrenzverhältnis zwischen Deutschland und den USA, das das sowieso bestehende wirtschaftlich-politische Konkurrenzverhältnis nochmal verstärkt.“

„Das Problem besteht darin, dass Trump innenpolitisch selbstverständlich ein Reaktionär ist… Aber er hatte schon im Wahlkampf erklärt, sein Ziel sei es, die sinnlosen, teuren und nichts Positives erreichenden Regime Change-Kriege, die die USA jahrzehntelang geführt haben, zu beenden. Diejenigen, die gegen ihn demonstrieren, tun das immer aus den innenpolitischen Gründen. … Aber sie sind das Feigenblatt, hinter dem die Fraktion der Herrschenden der USA, die die alte Politik fortsetzen will, sich versteckt.“

„Die Schlussfolgerung des deutschen Kapitals nach der eklatanten Niederlage 1945 war ja: Nie wieder allein! Insofern hatte man sich dann eingerichtet in der von den USA dominierten imperialen Weltordnung und ist nun als Juniorpartner des US-amerikanischen Kapitals ganz gut raus gekommen: Deutschland ist Export-Weltmeister und eine geoökonomische Macht mit globalen Interessen. Es braucht für die eigenen wirtschaftlichen und weltpolitischen Vorhaben und Pläne die USA immer im Hintergrund, die als militärische Macht die deutschen Interessen gegenüber anderen stützt. Durch Trump gibt es nun eine Unsicherheit, ob das in Zukunft noch so bleiben wird.“

Das ganze Gespräch mit Gerhard Crome ist hier im Video zu sehen (28 Minuten – in der Mitte des Photos auf den weißen Pfeil klicken, ist nicht sehr deutlich zu sehen) : https://de.sputniknews.com/videos/20170727316777868-trump-aus-der-deutschen-sicht/

Advertisements
%d Bloggern gefällt das: