Neue Nahost-Realität: Die saudi-israelische Allianz gegen den Iran (RT Deutsch)

2.07.2017

Was sich lange unter dem Radarschirm der westlichen Medien entwickelt hat, manifestiert sich jetzt endgültig als Realität. Es ist die Allianz zwischen dem wahhabitischen Königreich Saudi-Arabien und Israel gegen den gemeinsamen Feind: die islamische Republik Iran.

Zum Artikel: https://deutsch.rt.com/meinung/53290-saudi-israelische-allianz/

Auszug:

(…) Saudische und israelische Lobby in Amerika

Unabhängig der Tatsache, dass sich Saudi-Arabien und Israel seit 1948 im Krieg befinden, haben beide eine sehr starke und einflussreiche Lobby in Washington entwickelt. Während Israel seinen Einfluss in erster Linie über oberflächlich unabhängige Organisationen in Amerika geltend machte und sich auf die Legislative konzentrierte, ging Saudi-Arabien weniger subtil vor.

Riad entpuppte sich zum Zahlmeister für amerikanische Geheimoperationen und Kriege, was eben durchaus für einen entscheidenden Einfluss gerade auf ein republikanisches Weißes Haus sorgte. Salopp gesagt, sicherte sich Saudi-Arabien offene Ohren und geschlossene Augen in Washington, indem es stets ohne große Fragen zu stellen, sich an die Seite der USA stellte und den Geldbeutel offen hielt. Darüber hinaus investierte Riad hunderte von Milliarden US-Dollar in die US-Wirtschaft und Think Tanks, was es für die Regierung in Washington umso schwerer machte, die notwendigen Schritte im sogenannten Kampf gegen Terror einzuleiten.

Stets darauf bedacht, die neusten amerikanischen Kriegssysteme zu erhalten – und wenn das nicht funktionierte, eben französische und britische – führten sowohl Jerusalem als auch Riad ihren Krieg in Washington weiter. Keiner gönnte dem anderen irgendeinen militärischen Vorteil, keiner wollte eine militärische Dominanz des anderen auf eigene Kosten zulassen. Diese Grabenkämpfe hielten bis zum Ende des Kalten Krieges und der US-geführten Allianz 1991 gegen den Irak an.

Mit dem Beginn von Friedensgesprächen zwischen Israel und den Palästinensern auf der einen und Israel und der arabischen Welt auf der anderen Seite entspannte sich auch die Situation zwischen Riad und Jerusalem. Aufgrund der israelischen Besatzungspolitik und Unterdrückung der Palästinenser und der wahhabitischen antisemitischen Lehre kam eine offizielle Normalisierung nie in Frage.

Doch mit der US-Invasion des Iraks 2003 und dem Sturz der Taliban in Afghanistan Ende 2001 befreiten die USA unabsichtlich die Barrieren für die Ausweitung des iranischen Einflusses im Nahen Osten. Von unterschiedlichen Motiven getrieben, fanden sich plötzlich beide Parteien auf der gleichen Seite der Geschichte. Zwar gibt es noch immer Reibungspunkte, wie etwa die Ankündigung der USA, den Saudis Waffen und Kriegsgerät für über 100 Milliarden US-Dollar liefern zu wollen, aber sowohl in Syrien als auch bezüglich des Irans laufen die Interessen Israels und Saudi-Arabiens zusammen.

So kam es, dass im Mai 2016 das erste Mal überhaupt eine öffentliche Veranstaltung stattfand, wo hochrangige Personen des öffentlichen Lebens wie Prinz Turki ibn Faisal, ehemaliger Geheimdienstchef und Botschafter Saudi-Arabiens in den USA, und Yaakov Amidror, ehemaliger Sicherheitsberater von Ministerpräsident Benjamin Netanjahu, sich zu einem Gespräch einfanden. Damit war der Damm gebrochen.

Während des Weltwirtschaftsforums im Februar 2017 in Davos zeigte sich die ehemalige israelische Außenministerin und aktive Parlamentsabgeordnete Tzipi Livni, deren Vater Mitglied der zionistisch-terroristischen Untergrundorganisation Irgun war und gegen die in Belgien wegen möglichen Kriegsverbrechen ein Haftbefehl vorliegt, neben dem Prinzen Turki ibn Faisal. Eine bis dato noch nie dagewesene Zurschaustellung der Kooperation zwischen Israel und Saudi-Arabien. Nur zur Erinnerung: es ist die gleiche Tzipi Livni, die erst jüngst für einen Regimewechsel in Damaskus plädierte.

Kaum überraschend also, dass nun Ende Juni der israelische Regierungsapparat Saudi-Arabiens König Salman aufrief, den durch einen Palastcoup in die Thronfolge gesetzten jungen Mohammed bin Salman nach Tel Aviv zu schicken und den israelischen Ministerpräsidenten Netanjahu nach Riad einzuladen. Sollten sich König Salman und sein Sohn Mohammed bin Salman, der für den Krieg in Jemen und die Syrien-Politik verantwortlich war und ist, dazu durchringen und dem israelischen Aufruf folgen, dann entstünde eine Allianz zwischen mächtigen, bis an die Zähne bewaffneten Extremisten im Nahen Osten.

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