Golf-Monarchien: Streit über Instrumentalisierung des Islamismus Was uns das Zerwürfnis zwischen Riad und Doha sagen kann – von Wilhelm Langthaler

Viele sind von der Wucht des saudischen Angriffs auf ihren kleinen Bruder Qatar überrascht – haben sie nicht alle den Jihadismus unterstützt? Ein Blick auf den Kern des Streits kann helfen allzu simple Erklärungsmuster zu überwinden.

Formal gesehen ist Qatar der Saud-Monarchie am ähnlichsten, denn das Thani-Regime bekennt sich offiziell ebenfalls zum Wahabismus, was für die anderen Golfdiktaturen nicht gilt. Doch gerade diese scheinbare Übereinstimmung ist hilfreich um zu verstehen, dass der ideologisch-konfessionelle Faktor trotz allem für die Sauds nicht der entscheidende ist.

Die Saud-Monarchie ist – neben Israel – die wichtigste Stütze der von den USA geführten globalen Ordnung in der Region. Der Arabische Frühling war akutes Zeichen deren Brüchigkeit. Die Sauds kennen da nur eine Sprache – hau drauf, direkte Repression. Sie sind die offenen Feinde jeglicher demokratischen und linkssäkularen Bestrebungen, aber eben auch jeder Infragestellung des monarchischen Prinzips und sei es durch islamische Massenbewegungen.

Bestes Beispiel dafür ist der Militärputsch General Sisis in Ägypten 2013 gegen die Muslimbrüder, die durch Wahlen an die Regierung gekommen waren. Hauptunterstützer des blutigen Coups von außen war das Haus Saud, ungeachtet der Tatsache, dass die Militärs als säkular gelten und die Muslimbrüder als Inkarnation des Politischen Islam.

Die USA unter Obama waren da vorsichtiger. Sie sahen die Notwendigkeit von Reformen, um den rachitischen Regimen wieder etwas Blut zuzuführen, ihre verlorene Massenbasis wiederherzustellen. Washington wollte die Muslimbrüder oder ähnliche Kräfte einbinden – um Revolutionen zu verhindern, nicht um sie zu fördern. Nicht nur den Sauds passte das gar nicht, sondern auch viele Linke sahen in den Muslimbrüdern das Werkzeug des Imperialismus gegen die alten Regime, die sich gerne auf eine antikoloniale Vergangenheit bezogen.

Genau hier liegt die ausschlaggebende Differenz zu den Herrschern von Qatar, den Thanis. Seitdem der Herrscher vor zwei Jahrzehnten seinen Vater weggeputscht hat, setzt der Scheich in seiner Außenpolitik auf islamische Strömungen einschließlich des Massenelements. Daher haben sie konsequent die Muslimbrüder unterstützt und der Hamas den Rücken gestärkt. (Die Sauds haben seit dem Ende der UdSSR keine Unterstützung mehr gewährt und quietistische Strömungen des Salafismus bevorzugt.) Die Taliban unterhalten in Doha ihre einzige offizielle Vertretung außerhalb Afghanistans. Auch diverse Jihadisten-Gruppen zählen zu ihren (Gesprächs-)Partnern. Zudem kommt ein liberalerer Zugang zum Medien-, Ideologie- und Kulturapparat, dessen bekanntester Ausdruck der Sender Al Jazeera ist. Mit ihm konnten weite Teile der Bevölkerung in der ganzen arabischen Welt angesprochen werden. Er wurde so zur politischen Waffe in der Hand des Monarchen, vor dem die Kritik natürlich Halt machen muss.
Ganzer Text:
http://www.antiimperialista.org/de/content/golf-monarchien-streit-%C3%BCber-instrumentalisierung-des-islamismus

Advertisements
%d Bloggern gefällt das: