Anti-Terror-Experten aus den USA äusserten bereits 2011 Befürchtungen, Terroristen könnten von einem möglichen politischen Vakuum nach Gaddafis Sturz profitieren.

„Erbitterte Auseinandersetzungen zwischen (Gaddafis) Sicherheitskräften und den islamischen Guerillas mit Dutzenden Toten auf beiden Seiten fanden im September 1995 in Bengasi statt. Nach wochenlangen harten Kämpfen erklärte die Libyan Islamic Fighting Group (LIFG) mit einem Kommuniqué formell ihre Existenz und nannte dabei Gaddafis Regierung ein „abtrünniges Regime, das wider den Glauben an Gott den Allmächtigen gelästert“ habe und erklärte den Sturz dieses Regimes zur „ersten Pflicht nach dem Glauben an Gott.“ Dies und folgende Kommuniqués der LIFG wurden von libyschen Afghanen veröffentlicht, denen in Großbritannien politisches Asyl gewährt worden war … . Die Verwicklung der britischen Regierung in die Kampagne der LIFG gegen Gaddafi bleibt Gegenstand äußerst kontroverser Diskussionen. Von der nächsten großen Operation der LIFG, einem fehlgeschlagenen Attentat auf Gaddafi im Februar 1996, bei dem mehrere seiner Leibwächter starben, wurde später gesagt, sie sei mit 160.000 Dollar vom britischen Geheimdienst finanziert worden, so Ex-MI5-Beamter David Shayler. Seine Anschuldigungen wurden zwar nicht von unabhängiger Seite bestätigt. Dennoch ist klar, dass Großbritannien es der LIFG gestattete, auf britischem Territorium einen Stützpunkt zu betreiben, von wo aus logistische Unterstützung und Spendengelder organisiert wurden. Allerdings scheint die Finanzierung durch Bin Laden von erheblich größerer Bedeutung gewesen zu sein. Einem Bericht zufolge erhielt die LIFG von dem saudischen Terroristen-Drahtzieher bis zu 50.000 Dollar für jeden seiner im Kampf gefallenen Streiter.“ (Gary Gambill, „The Islamic Fighting Group (LIFG), Jamestown Foundation,“ Terrorism Monitor, May 5, 2005,; citing Al-Hayat (London))

„Amerikaner, Briten und Franzosen finden sich (zum Sturz Gaddhafis) als Waffenbrüder der rebellischen Islamic Fighting Group wieder, dem radikalsten Element im Al-Qaedas Netzwerk. Außenministerin Hillary Clinton gestand in einer Kongressanhörung die Risiken dieser unheiligen Allianz ein. Sie sagte, dass die libysche Opposition wahrscheinlich anti-amerikanischer eingestellt ist als Muammar Gaddafi. Ein Jahrzehnt zuvor endete exakt dieses Trugbild einer westlich-islamischen Partnerschaft im Kosovo, in Bosnien und Tschetschenien abrupt mit den Angriffen vom 11. September.“

Quelle: https://www.hintergrund.de/politik/welt/wer-sind-die-libyschen-freiheitskaempfer-und-ihre-goenner/

Es gibt auch Enthüllungen zweier ehemaligen Geheimagenten, David Shayler vom britischen Inlandsgeheimdienst MI5 und Richard Tomlinson vom Auslandsgeheimdienst MI6, die daraufhin auf Befehl der britischen Regierung in Frankreich bzw. Neuseeland verhaftet wurden. Shayler und Tomlinson hatten aufgedeckt, daß die britische Geheimdienstabteilung SIS (Secret Intelligence Services) in London ansässige islamische Terroristen gezielt finanziert und unterstützt habe: Sie sollten im Februar 1996 Libyens Staatschef Gaddafi ermorden. Der damalige Außenminister Malcolm Rifkind habe das Mordkomplott gebilligt.

Shayler gab der britischen Zeitung Daily Mail am 1. August – einen Tag vor seiner Verhaftung – in Frankreich ein Interview. Er habe herausgefunden, sagte er dort, daß der SIS Gelder an „libysche islamische Extremistengruppen“ fließen ließ, die einen fehlgeschlagenen Bombenanschlag auf Gaddafi durchführten. Bei dem Attentat kamen mehrere Unbeteiligte ums Leben. Nachdem Stimmen in England laut geworden waren, die eine Untersuchung des Falles forderten, wurde vom BBC am 5. August ein Interview mit Shayler ausgestrahlt. In dem zunächst zurückgehaltenen und dann vom britischen Außenministerium erheblich zensierten Interview, erklärte Shayler, die Regierung in London habe einer libyschen Islamisten-Gruppe 160.000 Dollar gegeben, damit sie Gaddafi töteten. „Wir haben 100000 Pfund für die Ermordung eines ausländischen Staatschefs bezahlt. Abgesehen von der Tatsache, daß für dieses Geld unschuldige Menschen getötet wurden, weil die Bombe zum falschen Zeitpunkt explodierte, erfüllt dies den verwerflichen Tatbestand der Finanzierung des internationalen Terrorismus,“ so Shayler in BBC. Shaylers Aussage zufolge wurde der Terroranschlag vom MI6 geplant und finanziert. Angeblich wurde das Geld einem arabischen MI6-Agenten in Libyen übergeben, der den Anschlag planen und ausführen sollte.

Advertisements
%d Bloggern gefällt das: