„Totaler Schwachsinn!“ – US-Diplomaten nehmen russischen Botschafter in Schutz

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https://de.sputniknews.com/politik/20170312314857995-us-diplomaten-nehmen-russischen-botschafter-in-schutz/  12.03.2017

Ehemalige US-Botschafter in Russland und andere diplomatische Vertreter sind über die „Hexenjagd“ auf den russischen Botschafter in den USA, Sergej Kisljak, empört, wie die Zeitung „The Hill“ schreibt. Die Diplomaten warnen vor einer „Russland-Hysterie“ im Kongress und in den Medien, was die US-Interessen im Ausland untergraben könnte.

Zurzeit drehen sich in den USA zahlreiche Skandale um den russischen Botschafter. So hatte der Sender CNN vor Kurzem berichtet, dass „derzeitige und ehemalige Mitarbeiter der US-Aufklärung Kisljak als einen der wichtigsten Spionen und Spionen-Anwerber“ bezeichnet hätten.

„Das ist totaler Schwachsinn“, zitiert das Blatt Wayne Merry, der in Russland als Diplomat gearbeitet hat und Kisljak seit vielen Jahren persönlich kennt. „Das ist eine Hexenjagd mit Paranoia und Hysterie in ihrem Kern. Normalerweise sind es die Russen, die paranoid und hysterisch werden. Dass die Verschwörungstheorien und die Paranoia nun von den Amerikanern kommen, macht mir viel Sorgen“, so Merry.

Auch zwei weitere ehemalige US-Botschafter in Russland, Michael McFaul und John Beyrle, nahmen im Gespräch mit der Zeitung Kisljak in Schutz. Die Diplomaten wiesen darauf hin, der russische Botschafter mache bloß seinen Job. Außerdem lägen auch keine Beweise von rechtwidrigen Kontakten zwischen Kisljak und Trumps Team vor.

„Kisljaks Arbeit besteht darin, Regierungsvertreter und Wahlkampfteam-Mitglieder zu treffen, und ich glaube, er ist gut in seinem Job“, sagte McFaul. „Man sollte sich mit dem russischen Botschafter treffen, und es ist nicht richtig, dies zu kriminalisieren oder davon abzuraten.“

Zurzeit sei alles, was auch nur einen „Anhauch von Russland“ habe, völlig außer Kontrolle geraten, sind sich die US-Diplomaten einig.

„Das ist die übliche Atemnot Washingtons, die in diesen Tagen jede Geschichte über Trump oder die Russen begleitet“, so Beyrle. Das heiße nicht, dass Ermittlungen zu der angeblichen russischen Einmischung in den US-Wahlkampf nicht notwendig seien. Aber dadurch, dass man Kisljak zu einem Bösewicht mache, „verfehle man das Ziel“.

Aus Sicht von Professor Nikolas Gwosdew, einem US-Experten der nationalen Sicherheit am Naval War College, wirkt sich Washingtons Abneigung gegen Treffen mit ausländischen Botschaftern schlecht auf US-Interessen aus.

„Russland ist nach wie vor ein wichtiger Akteur. Wir können nicht umhin, mit ihnen zu sprechen“, so Gwosdew. „Tatsächlich schaffen wir nur Probleme für die künftige Diplomatie mit den Russen, und das wird alles nur schwieriger machen, wenn es eine echte Herausforderung von ihrer Seite gibt.“

Die angeblichen Kontakte mit dem russischen Botschafter scheinen der Trump-Administration zurzeit viele Probleme zu bereiten. Mitte Februar war Trumps Sicherheitsberater Michael Flynn wegen Kontakten zu Kisljak entlassen worden. Nun könnte es auch für Trumps Schwiegersohn und engsten Berater Jared Kushner eng werden: Laut US-Medienberichten hatte auch er dem Treffen mit Kisljak beigewohnt.

Zuvor hatten Vertreter der Demokratischen Partei den Rücktritt des US-Justizministers Jeff Sessions gefordert, weil dieser angeblich über seine Treffen mit dem russischen Botschafter Sergej Kisljak unter Eid gelogen habe. CNN hatte am 1. März von den angeblichen Kontakten zwischen Sessions mit Kisljak berichtet. Das Treffen fand laut dem Sender noch vor den US-Präsidentschaftswahlen statt. Session hat die Kontakte zu dem russischen Diplomaten in seiner Anhörung vor dem Senat jedoch verneint.

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