Real Game of Thrones – Amerika spielt Monopoly, Russland spielt Schach – von Mathias Bröckers

 

 

Im exzeptionalistischen Königreich, dessen disruptive Entwicklung wir in dieser Chronik aufzeichnen, scheint immer noch ein unsichtbarer Krieg zwischen der Regierung von König Donald und den Meistern der Intelligence zu toben – und niemand weiß, in welche Richtung sich das Ganze entwickelt.

ganzer Artikel : https://www.heise.de/tp/features/Amerika-spielt-Monopoly-Russland-spielt-Schach-3630410.html

Auszüge:

Vor langer Zeit, als noch ein Eiserner Vorhang die Welt teilte, und niemand genau wusste, was auf der anderen Seite vor sich ging, gab es eine Wissenschaft, die zu ergründen versuchte, welche Politik und welche Pläne in der dunklen Burg der Hauptstadt Moskau ausgeheckt wurden. Diese Wissenschaft nannte sich „Kreml-Astrologie“ und versuchte ähnlich wie die Sterndeuter anhand von Konstellationen und Bewegungen am Himmel die Zukunft zu deuten – anhand von Äußerungen und Launen der Kreml-Mitarbeiter, die man „Apparatschiks“ nannte. Seit mit König Donald jetzt ein scheinbar unberechenbarer Außenseiter auf dem Thron gelandet ist, existiert im exzeptionalistischen Königreich nun die Wissenschaft der „White House Astrologie“ – der Versuch, aus Donalds kryptischen Zwitschernachrichten und anderen Kleinigkeiten seine nächsten politischen Schritte zu enträtseln.

Dass die in den Tiefen des Reichs bei den Meistern der Intelligence beheimateten Kreml-Astrologen seinerzeit keinen blassen Schimmer davon hatten, dass das Objekt ihrer Analysen, das sie „das Reich des Bösen“ nannten, zusammenbrach und sie erst davon Wind bekamen, als die Berliner Mauer fiel, hatte das Vertrauen in die prophetischen Kompetenzen der Meister nachhaltig erschüttert. Um davon abzulenken und ihre Inkompetenz zu kompensieren hatten sie sich dann umso eifriger daran gemacht, in diesem Reich eine willfährige Marionette als König zu installieren und waren sehr stolz, als ihnen das gelungen war. Mit König Boris, den man den „Wodka-Container“ nannte, hatten sie einen geradezu perfekten Kandidaten für ihre Zwecke gefunden.

Wie aus dem kooperativen Wladimir der aggressive Ultraböse wurde (…)

(…)

Die zweite wichtige Quelle, aus der beständig Geld für die Meister und ihre befreundete Gilde der Waffenschmiede floss, war die Angst vor dem „aggressiven Ultrabösen“, die man auch „Russophobie“ nannte und die in Zeiten des Eisernen Vorhangs erfunden worden war. Dass König Jack, den alle nur JFK nannten, diesen Kalten Krieg damals beenden und die Macht der unsichtbaren Meister in den Tiefen des Staats zerschlagen wollte, sahen viele im Königreich als den eigentlichen Grund für seine Ermordung an.

Weil nun die angekündigte Politik König Donalds und seines Chefstrategen die beiden wichtigsten Fleischtöpfe der Meister bedrohte, hatten sie ihm schon vor seiner Inauguration durch den berühmtesten Herold, die alte Tante „Times“, ausrichten lassen: „Könige, die sich mit den Meistern anlegen, leben gefährlich“ – wovon Donald sich aber nicht beirren lies. Die Art und Weise, wie sie jetzt seinen wichtigsten Berater beseitigten, zeigt ihm aber, dass die Einschläge näher kommen.

Vor Schreck schwenkte er dann gleich auf Rhetorik der Meister ein und ließ die illusorische Forderung verkünden, dass Wladimir die zum ihm übergelaufenen Bewohner der Krim samt ihrer Halbinsel an die Ukraine zurückgeben müsse. In seiner jüngsten Pressekonferenz allerdings betonte er wieder mehrfach, wie vorteilhaft es für das Land sei, mit dem Ultrabösen zu reden und klar zu kommen.

Anders als damals bei König Jack, dessen Anstrengungen einer Deeskalation des Kalten Kriegs vor allem von den Leuten im Königreich unterstützt wurden, die man „Liberale“ oder „Linke“ nannte – während sogenannte „Konservative“ und „Rechte“ zusammen mit den Meistern der Intelligence und den Waffenschmieden auf Konfrontation und Bomben setzten -, hat sich die Lage unter König Donald um 180 Grad gedreht. Den unsichtbaren Meistern ist der Coup gelungen, die von der Epidemie des Anti-Donald Syndroms (ADS) infizierten „Liberalen“ und „Linken“ zusammen mit ihren mächtigen Herolden und Lautsprechern ins Boot zu holen, wo sie nun gemeinsam mit den Waffenschmieden der Russophobie huldigen und das Märchen von Wladimirs gefährlicher Unterwanderung des Königreichs immer weiter spinnen.

Dass einer wie Donald überhaupt auf den Thron kommen konnte, hatte ja schon viele gewundert. Die merkwürdige Koalition, die nun gegen seine Regentschaft geschmiedet wurde, war aber noch wundersamer: Die Freunde der Freiheit und der Demokratie arbeiteten jetzt mit Leuten und Methoden, die sie bisher als absolute Feinde der Freiheit und Demokratie betrachtet hatten. Die Anhänger des Fortschritts, des Friedens und der Transparenz zogen mit Big Brother, den Dunkelmännern des Tiefenstaats, an einem Strang. Der disruptive Donald hatte im exzeptionalistischen Königreich wirklich einiges durcheinander gebracht …

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