Sahra Wagenknecht: Trump-Hysterie – was für Linke jetzt wirklich wichtig wäre

aus einer Rundmail von Sahra Wagenknecht:

 

  1. Trump-Hysterie – was für Linke jetzt wirklich wichtig wäre!

Donald Trump dominiert nicht erst seit seinem Amtsantritt die Schlagzeilen in den Medien. Übereinstimmend ist dabei: Empörung und fast schon Hysterie angesichts seiner ersten Amtshandlungen. Natürlich finde auch ich vieles gruselig, was Trump anordnet. Aber wäre insbesondere für Linke nicht eine andere Reaktion angemessen, als in diesen Chor einzustimmen? Zumal viele von Trumps Maßnahmen durchaus nicht so neu sind wie sie dargestellt werden. Vieles ist eine Fortsetzung und Verschärfung dessen, was bereits seine Vorgänger begonnen hatten: ob Aufrüstung, Politik für die Wall Street, Steuergeschenke an Reiche, Folter auf Guantanamo oder der Bau einer Mauer an der Grenze zu Mexiko (an wesentlichen Teilen der Grenze steht die nämlich schon). Um seltsam: Viele der heute Entrüsteten waren auffällig still, als Kritikwürdiges und Menschenverachtendes unter Clinton, Bush oder Obama angeordnet wurde.

Slavoj Žižek hat im Feuillton der Neuen Züricher Zeitung einen sehr interessanten und lesenswerten Beitrag veröffentlicht. Seine zentrale These ist: Nicht Entrüstung und Hysterie, sondern Selbstkritik und Erneuerung würde die gesellschaftliche Linke jetzt benötigen. Insbesondere müsste Erneuerung bedeuten, dass man nicht mehr zulässt, die entscheidenden Interessengegensätze im Kapitalismus wegzureden und damit kollektiven Widerstand gegen Superreiche und Großkonzerne ins Leere laufen zu lassen. Denn: Wenn eine Frau oder ein Vertreter einer ethnischen Minderheit an der Spitze eines Konzerns Milliardengewinne einstreicht und Arbeitsplätze ins Ausland verlagert, dann verdient das den gleichen Widerstand, als wenn ein älterer weißer Mann das tut ….

Wenn die gesellschaftliche Linke das vergisst, dann verliert sie ihren Rückhalt bei den Opfern solcher Entscheidungen. Letztlich bereitet sie damit selbst den Boden für Anziehungskraft von Politikern wie Trump, die jene „political correctness“ ganz bewusst ignorieren und bei denen die Abschaffung erkämpfter Frauen- und Minderheitenrechte ganz oben auf der Agenda steht. Bei den Demokraten in den USA gewann Clinton über Sanders, eine Frau über einen Mann, und trotzdem war es die falsche Entscheidung, denn sie hat am Ende Trump den Einzug ins Weiße Haus gebahnt. Žižeks Ziel für die USA ist deshalb: „2020 sollten sich Trump und Sanders gegenüberstehen.“

Man muss seine Thesen im Artikel nicht vollständig teilen, Anlass zum Nachdenken bieten sie aber – auch für uns. Deshalb empfehle ich Euch seinen Artikel zur Lektüre und zum Verbreiten.

Zum Artikel in der NZZ <http://team-sahra.us14.list-manage1.com/track/click?u=d954dadae7b65133bfb4f67b2&id=57112b11a7&e=3e6fdf2f2a>

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