Aleppo: Medien nach Scheitern des „syrischen Bengasi-Plans“ verstummt (RTdeutsch)

26.01.2017

Wer Freunde hat wie die „Freunde Syriens“, braucht keine Feinde mehr. Auch nach der Befreiung Aleppos fließen westliche Hilfsmittel nur an die Islamisten. An den einfachen Menschen der Stadt, die sich ihre Normalität zurückerkämpfen, haben sie kein Interesse.

von Karin Leukefeld

Aleppo! Vier Jahre lang war dieser Name in deutschen Medien das Synonym für einen geradezu mythischen Kampf zwischen Gut und Böse. Das Böse ging von der syrischen Regierung und ihren Verbündeten Russland, Iran und Hisbollah aus. Das Gute wurde repräsentiert von den so genannten Rebellen, die den Menschen angeblich gegen das Böse zur Seite standen und für die Freiheit kämpften.

An ihrer Seite, besser gesagt hinter ihnen, standen die „Freunde Syriens“, eine Staatengemeinschaft, die sich im Jahr 2012 auf Initiative Frankreichs um die USA geschart hatte.

Ihren Plan bezeichneten sie als den „Sturz des Regimes“, der Regierung in Damaskus. Startrampe bildeten die innersyrischen Proteste, die im Jahr 2011 begonnen hatten. Der Umsturz sollte von einer handverlesenen syrischen Opposition und mithilfe von aus dem Ausland bezahlter Söldner umgesetzt werden. Diese stattete man großzügig mit Waffen und Geld, mit Beratung und Informationen aus. Vor allem gab es politische und mediale Unterstützung.

Im Herbst 2012 hieß es in einem Bericht des US-amerikanischen Militärgeheimdienstes Defense Intelligence Agency (DIA), dass „Salafisten, die Muslimbruderschaft und Al-Qaida die „wichtigsten Kräfte“ seien, die „den Aufstand in Syrien vorantreiben. Der Westen, die Golfstaaten und die Türkei unterstützen die Opposition“, so der Bericht weiter, dessen Veröffentlichung im Mai 2015 von der US-Organisation „Judicial Watch“ gerichtlich erstritten worden war.

Den „Freunden Syriens“ war also klar, welchen Geist sie aus der Flasche gelassen hatten. Er bedrohte nicht nur die säkulare Regierung in Damaskus und die religiöse Vielfalt der syrischen Gesellschaft. Auch die Nachbarstaaten und Europa gerieten ins Fadenkreuz. Dennoch hielten die „Freunde Syriens“ an ihrem Plan fest, die Zahl der Waffenlieferungen stieg und stieg.

Dabei wollte man nach dem Beispiel Libyens vorgehen. Syrien sollte geteilt werden. Wegen ihrer Nähe zur Türkei sollte die Stadt Aleppo das „syrische Bengasi“ werden, die Basis einer Exilregierung und von Kampfverbänden, die in Schutzzonen gesammelt, ausgebildet und in Richtung Damaskus geschickt werden sollten. Mit humanitärer Hilfe sollte Infrastruktur wiederaufgebaut oder neu geschaffen werden, um die Bevölkerung an sich zu binden.

Die türkisch-syrische Grenze wurde von der Türkei für Waffentransporte, Kämpfer, Geheimagenten freigegeben, anstatt sie davor zu schützen, wie es das Völkerrecht fordert. Das syrische Militär wurde angegriffen und vertrieben. Hunderte Journalisten bezahlten viel Geld an Mittelsleute und reisten aus der Türkei illegal nach Aleppo-Stadt und ins Umland – in die Gebiete unter Kontrolle der Terroristen. Dies taten sie, um über das Leben dort zu berichten.

Die europäischen Kernländer Frankreich, Großbritannien und Deutschland leisteten Geburtshilfe bei den „Weißhelmen“, einer angeblichen Zivilschutzorganisation an der Seite der Dschihadisten.

Aufgebaut wurde das Aleppo Media Centre (AMC). Personal, Technik und Geld wurden zur Verfügung gestellt, man leistete Ausbildung. AMC belieferte internationale Medien mit Wort, Ton und Bild, bald übernahmen sie gänzlich die Berichterstattung. Diese Berichte haben vier Jahre lang das Bild von Aleppo in der deutschen Öffentlichkeit geprägt. Was in Aleppo-Stadt und -Land sonst geschah, wurde ausgeblendet.

Hier weiterlesen: https://deutsch.rt.com/der-nahe-osten/45761-aleppo-medien-nach-scheitern-syrischen/

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