Berlin plant Milliarden für Modernisierung von Nato-Raketenabwehr – von Jochen Scholz, Oberstleutnant a. D.

Oberstleutnant a. D. Jochen Scholz schrieb Folgendes: 

Der Beitrag von Sputnik ist missverständlich, weil er Raketenabwehr (engl: Missile Defense) und Flugabwehr (engl: Air Defense) verwechselt. Aus dem verlinkten Reuters-Artikel geht dies auch klar hervor. Es handelt sich konkret um die Ablösung des veralteten Fluagabwehrraketensystems PATRIOT. Dies kann zwar, quasi in einer Zweitrolle, auch bedingt für die Abwehr von Kurzstreckenraketen eingesetzt werden, ist dafür aber nicht optimiert, sondern für die Abwehr gegnerischer Jagdbomber/Jäger.

Die Lieferung von PATRIOT-Raketen an Israel im Irakkrieg sollte offiziell gegen Scud-Raketen des Irak schützen. (Die Anforderung Israels geschah auf Initiative der USA aus politischen Gründen, um Schröders offizielles Nein zu „bestrafen“, weil Deutschland eine derartige Bitte nicht ablehnen konnte).

Durch die Wahl des Begriffes Raketenabwehr kann der falsche Eindruck entstehen, dass sich Deutschland am Raketenabwehrschirm beteiligt, den die USA in Osteuropa gegen Russland errichten.

 

https://de.sputniknews.com/politik/20170124314253309-berlin-milliarden-modernisierung-nato-raketenabwehr-medien/ 24.01.2017

Berlin plant Milliarden für Modernisierung von Nato-Raketenabwehr – Deutschland will die Nato-Raketenabwehrsysteme kurzer Reichweite, die sich im Land befinden, durch modernere Technik ersetzen. Die gemeinsamen Kosten für die Modernisierung betragen etwa 2,5 Milliarden Euro, wie Reuters unter Bezugnahme auf eigene Quellen am Dienstag mitteilte.

Laut der Nachrichtenagentur hat das deutsche Verteidigungsministerium begonnen, die Frage der Modernisierung der Raketenabwehrsysteme zu behandeln. Eine endgültige Entscheidung gibt es noch nicht. Eine positive Bewertung sollen bis jetzt die Systeme erhalten haben, die von der deutschen Privatfirma Diehl Defense für Schweden entwickelt wurden. Diese Technik beinhaltet Raketen IRIS-T sowie Raupenfahrzeuge des britischen Rüstungskonzerns BAE Systems.

Falls eine positive Entscheidung über die Modernisierung der Raketenabwehrsysteme getroffen werden sollte, würde das Programm der Modernisierung bis Mitte der 20er Jahre etwa 460 Millionen Euro kosten. Das sind nur die Einkaufskosten. Weitere etwa zwei Milliarden Euro wären für die Folgekosten zu einem späteren Zeitpunkt nötig. Die neuen Laser- und Radarsysteme können später für zusätzliches Geld eingekauft werden.

Nach Angaben der Agentur kann der Entscheidungsprozess im Mai abgeschlossen werden. Danach soll das deutsche Verteidigungsministerium die offizielle Einkaufsstrategie entwickeln. Vor 2018 ist mit dem Einkauf der neuen Raketenabwehrsysteme nicht zu rechnen. Das Verteidigungsministerium könnte trotzdem etwa 20 Millionen Euro für den Verteidigungshaushalt bereitstellen, um die ersten Vorbereitungen im Rahmen des Programms zu finanzieren, so Reuters.

Die Bundesregierung soll ihre Pläne der Nato-Führung mitgeteilt haben, wo man darauf positiv reagiert habe. Die Slowakei und Belgien sollen auch geplant haben, ihre Raketenabwehrsysteme zu erweitern.

Im vorigen Jahr hat Bundeskanzlerin Angela Merkel dem damaligen US-Präsidenten Obama zugesichert, den Militär-Etat von 1,2 Prozent auf zwei Prozent des Bruttoinlandsprodukts zu erhöhen – auf mehr als 60 Milliarden Euro.

Advertisements
%d Bloggern gefällt das: