Terror mit deutschen Waffen – Syrische Armee erbeutet in Aleppo Gewehre von Heckler & Koch und Gasmasken von Dräger. Aufständische halten Einwohner im Kampfgebiet fest – Karin Leukefeld, Aleppo (junge Welt)

https://www.jungewelt.de/2016/11-24/001.php

Die syrische Armee dringt in Aleppo weiter in die bislang von dschihadistischen Milizen gehaltenen Viertel im Osten der Stadt vor. Dabei werden vor allem schwere Artillerie und gelegentlich Hubschrauber eingesetzt. Am Mittwoch vormittag waren auch Kampfjets zu hören. Die Armee konnte vor allem bei nächtlichen Angriffen Gebiete zurückerobern, die unter anderem von der Nusra-Front (inzwischen: Fatah-Al-Scham-Front), der Ahrar Al-Scham sowie dem »Islamischen Staat« kontrolliert wurden. Diese Kampfgruppen reagieren darauf tagsüber mit dem Abschuss von Mörsergranaten und Raketen auf den Westteil Aleppos, die fast ausschließlich Wohngebiete, Schulen und Krankenhäuser treffen. Auch eine Unterkunft für Flüchtlinge in der Universität war Ziel von Raketenbeschuss durch die Dschihadisten. Den syrischen Regierungsgegnern nahestehende Beobachter bestätigten zudem, dass die Aufständischen die Einwohner von Ost-Aleppo daran hindern, sich vor den Kämpfen in Sicherheit zu bringen.

Unter einem Mangel an Waffen und Munition leiden die Dschihadisten im Osten Aleppos und in den von ihnen besetzten Gebieten der Umgebung nicht. Nach Auskunft verschiedener Militärbeobachter vor Ort wurden die Kampfgruppen von Saudi-Arabien und anderen Golfstaaten in den vergangenen Monaten weiter mit modernen Waffen und Raketen ausgerüstet, die über die Türkei nach Syrien geschmuggelt wurden. Bestätigt wurde die Aufrüstung vom saudiarabischen Außenminister Adel Al-Dschubair während des kurzzeitigen Waffenstillstands im September 2016.

Bereits im August waren nach der Rückeroberung von Beni Seid, einem nördlichen Stadtteil von Aleppo, ausländische Waffenbestände u. a. aus US-amerikanischer Herstellung gefunden worden. Zudem stellte die syrische Armee auch Präzisions- oder Scharfschützengewehre der deutschen Firma Heckler & Koch sowie Nachtsichtgeräte und Gasmasken aus deutscher Produktion sicher. So seien mehr als 50 Gasmasken der Firma Dräger aus Lübeck gefunden worden, erläuterte ein syrischer Offizier jetzt der Autorin in Aleppo. Elf der Gasmasken seien neu gewesen, noch nicht einmal die Schutzfolie aus Plastik sei entfernt worden. Eine dieser gefundenen Gasmasken legte der Offizier der jungen Welt vor. Syrien sei sehr verwundert darüber, dass deutsche Waffen und militärische Ausrüstungsgegenstände in die Hände einer terroristischen Gruppe in Aleppo gelangen konnten, sagte der Militärsprecher. Die Pressestelle von Dräger konnte auf jW-Nachfrage keine Auskunft geben, wie die Masken in das Kampfgebiet gelangt sind. Man habe »in den vergangenen Jahren keinerlei Lieferungen nach Syrien getätigt«. Beni Seid stand bis zum 2. August 2016 unter der Herrschaft der von der unter dem Kommando der Nusra-Front stehenden Gruppe Schuhada Badr (Badr-Märtyrer) kontrolliert, bis es von der Armee zurückerobert wurde.

Waffenlieferungen aus dem Westen erhalten auch die im Nordosten von Aleppo aktiven »Syrischen Demokratischen Kräfte« (SDF). Das bestätigte Osama Suleiman alias Rami Abdulrahman, der in London die nach Informationen der New York Times von der EU finanzierte »Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte« betreibt. Über die vom US-Militär ausgebauten und kontrollierten Flughäfen in Rmeilan (Hasakeh) und Ain Al-Arab (kurdisch: Kobani) würden seit Wochen große Mengen Waffen antransportiert. In dem Ort Manbidsch würden zudem SDF-Kämpfer u. a. von 50 deutschen »Militärberatern« ausgebildet.

%d Bloggern gefällt das: