Alexander Rahr: Trumps Triumph wird die Welt verändern (sputniknews)

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Donald Trump hat gewonnen, obwohl gegen ihn alle Methoden des Wahlkampfes genutzt wurden, über die das Establishment und die Washingtoner Bürokratie verfügt.

Gegen Trump war auch die gesamte liberale westliche Presse, die die Wahlkampagne des republikanischen Kandidaten mit Entsetzen beobachtete und alles daran setze, seinen Aufstieg zu stoppen, schreibt der Politologe Alexander Rahr in der Zeitung „Rossijskaja Gaseta“.

„Ich denke, dass die EU noch mindestens sechs Monate von den Ergebnissen der US-Wahlen schockiert sein wird“, sagte Rahr.

Die EU ist keine selbstständige Organisation, sie hängt stark von der US-Politik ab. Die größten Streitfragen, die bei Verhandlungen zwischen Europa und den USA besprochen werden, werden die Nato betreffen. Trump sagte mehrmals, dass er die Bedürfnisse der US-Bevölkerung finanzieren wird, während die meisten Aufgaben der Nato und verschiedene Militäreinsätze der Allianz im Nahen Osten von den Europäern bezahlt werden sollten. Die weitere Finanzierung der Nato werde das größte Problem in den Beziehungen zwischen den USA und der EU sein, so Rahr.

Der Wahlsieg Trumps verleiht allen populistischen, rechtspopulistischen und selbst nationalistischen Bewegungen und Organisationen in der EU das Gefühl der Sicherheit. Die Chefin der Front National, Marine Le Pen, wird vor der Präsidentschaftswahl im Frühjahr des kommenden Jahres in Frankreich spüren, wie sie an Zulauf gewinnt. Die Kritiker der Politik der deutschen Kanzlerin Angela Merkel werden ebenfalls wachsende Zustimmung erfahren

Es besteht die große Chance, dass Russlands Präsident Wladimir Putin und die neue US-Administration einen historischen Deal abschließen können, um die Konfrontation zwischen Russland und dem Westen zu stoppen.

Falls Russland und die USA damit beginnen, Vereinbarungen bei den wichtigsten globalen Problemen zu erreichen, wird die antirussische Hysterie der baltischen Länder und Polens verschwinden. Darüber hinaus werden die Kräfte in Frankreich und Deutschland, die für die Normalisierung der Beziehungen des Westens und Russlands eintreten, durch US-Politiker unterstützt.

In der nächsten Zeit muss der Russland-Nato-Rat gestärkt werden. In dieser Organisation muss ein offenes und faires Gespräch darüber beginnen, wie die europäische Sicherheit korrigiert werden soll. In diesem Zusammenhang ist nicht ausgeschlossen, dass viele Beschlüsse, die von der Obama-Administration zur Stärkung der Nato im Baltikum und in Polen getroffen wurden, revidiert werden. Darüber hinaus wird die neue US-Administration es nicht dulden, dass die osteuropäischen Länder Konflikte mit Russland provozieren, um sich dann hinter dem Rücken der USA zu verstecken.

Zudem wird erwartet, dass die USA Europa endlich nicht mehr wegen der antirussischen Sanktionen unter Druck setzen werden. Trump betrachtete im Gegensatz zu Obama die Entwicklung der Ereignisse auf der Krim ganz anders. Die Sanktionsfrage wird wohl grundlegend revidiert.

Mit der Machtübernahme durch Trump wird die Ukraine-Krise in den Hintergrund bei internationalen Fragen der US-Administration treten.

Natürlich wird der Triumph Trumps die Welt verändern. Der Westen wird anders sein. Auch die USA werden anders sein. Trump, wie von ihm versprochen, wird sich auf innere Probleme der USA konzentrieren und wie unter Männern Gespräche mit Wladimir Putin und dem chinesischen Staatschef Xi Jinping sowie anderen globalen Anführern führen, um die jetzigen internationalen Konflikte zu stoppen. Während seines Wahlkampfes sagte Trump mehrmals, dass Moskaus Position berücksichtigt und Russland respektiert werden müsse. Trump sagte dies nicht ohne Grund. Er verstand, dass diese Stimmungen im US-Establishment herrschen. Der Sieg Trumps bei den Wahlen hat gezeigt, dass die USA tatsächlich eine Normalisierung der Beziehungen mit Moskau wollen. Falls die USA und Russland es schaffen, Einigkeit herzustellen, werden natürlich auch Europa und Russland Einigkeit erreichen.

Allerdings sollte man keine Illusionen in Bezug auf die Allmacht Trumps haben. Er kann nicht die gesamte US-Politik komplett umkrempeln und alle Verbündeten der USA im Regen stehen lassen. Doch selbst der Fakt des Sieges Trumps bedeutet, dass die Kräfte, die auf Konfrontation mit Russland eingestellt sind, in der US-Politik in die Opposition wechseln. Das ändert natürlich die Atmosphäre nicht nur in den USA, sondern auch in Europa.

Das Wichtigste ist, dass die Chance auf eine Veränderung der Atmosphäre bei den russisch-amerikanischen Beziehungen entstanden ist, die die Basis für das Treffen von schicksalhaften Beschlüssen sein wird.

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Alexander Rahr ist Forschungsdirektor des Deutsch-Russischen Forums und war als Analytiker bei Radio Liberty und Rand Corporation tätig. 18 Jahre arbeitete er für die Deutsche Gesellschaft für Auswärtige Politik (DGAP) und war zuletzt Leiter des Berthold Beitz-Zentrums – Kompetenzzentrum für Russland, Ukraine, Belarus und Zentralasien. Rahr sitzt im Lenkungsausschuss des Petersburger Dialogs.

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